Stießen die Frankfurter noch vor einem Jahr in der Wandelhalle des Rathauses auf den Neujahrsbeginn an, so fand der Startschuss für 2019 zum ersten Mal im Kleist Forum statt. Nachdem im Eingangsbereich die neue Spitze der Stadtverwaltung die Gäste begrüßte, füllte sich der große Saal fast bis auf den letzten Platz – „das zeigt, dass Ihnen unsere Stadt nicht egal ist“, sagte René Wilke zur Begrüßung.
In seiner einstündigen Rede blickte der Oberbürgermeister auf das vergangene Jahr zurück, sprach bestehende Probleme an – und gab zum Ende einen mutigen sowie motivierenden Ausblick nach vorne.
Zu Beginn solidarisierte sich der OB mit den Opfern von der Freiwilligen Feuerwehr und der Polizei, die in der Silversternacht angegriffen wurden, „solche Übergriffe sind furchtbar“. Mit „Ich bin der Ungeduldigste von allen“, stellte er die neue Spitze der Stadtverwaltung vor und verwies sogleich auf die 200 Prozesse, die sein Team in den vergangenen Monaten angestoßen haben. Unter anderem dabei, das Alte Kino, wo die Stadt in den nächsten Tagen den Kauf realisieren will. Ebenso soll dieses Jahr die Sanierung des Rathauses starten. OB Wilke verwies darauf, dass Frankfurt eine sichere Stadt sei, was auch durch die Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft, Richtern und Polizei gewährleistet werde. „Ich werbe dafür, sich nicht nur in Problemen zu suhlen, sondern Lösungen zu finden“, sagte er.
Dem Haushaltsloch von 100 Millionen Euro soll 2019 mit einer Teilentschuldung durch 40 Millionen Euro vom Land und 1,2 Millionen Euro von der Stadt begegnet werden. Schnelleres Internet sei peu á peu ab Mitte Januar durch den Breitband-Ausbau geplant, der „Abriss-Stopp“ soll bezahlbare und guten Wohnraum ermöglichen, mit einer Kinder-Charta will die Stadt gegen Kinderarmut vorgehen. Auch versprach Wilke ab 2020 barrierefreie Straßenbahnen.
„Frankfurt braucht mehr Menschen“, findet der OB. 30 000 Einwohner verlor die Oderstadt in der Vergangenheit. Jedoch soll es in den nächsten drei Jahren wieder Zuwachs geben. Damit der positive Trend anhält, startet die Stadtverwaltung und das Stadtmarketing nun die Kampagne „Besser Frankfurt (Oder)“. Über zwei Jahre soll das Image der Stadt verbessert werden, damit Pendler, junge Familien, Studenten und Fachkräfte die Vorteile von einem Leben in der Doppelstadt erkennen – und hier wohnen und leben. Der Spruch „Frankfurt – Besser entspannt zu Hause sitzen, als verspannt im Zug, Oder?“ könnte bald auf Plakaten am Bahnhof und auf Bussen stehen.  Bei „100 gute Gründe für Frankfurt“ können die Bürger bis März ihre Vorschläge für die Oderstadt sammeln. In den zehn Wochen sollen so überzeugende Gründe zu einem wichtigen Thema gefunden werden, wie etwa „Nah und Erholung“, „Wohnen und Wohlfühlen“ oder „Job und Chancen“. Auf der extra für die Kampagne eingerichteten Internetseite www.besser-oder.de kann sich jeder über den weiteren Verlauf informieren.
„Kurze Wege und die Nähe zur Oder“ sind für Susanna Gudlowski die Pluspunkte ihrer Heimatstadt. Wie die 39-Jährige versammelten sich viele Gäste nach der Rede auf Sofas im „Wohnzimmer“, um die Liste für die 100 Gründe zu füllen. Danach wurde sich bei Erbsensuppe und Häppchen gestärkt.