Energiewirtschaft: Stadtwerke vergeben Millionen-Auftrag an MAN
Zusätzlicher Wärmespeicher
Die neue Anlage wird von fünf MAN 20V35/44G-Gasmotoren (siehe Infokasten) betrieben und kann neben 51 Megawatt elektrischer Energie auch 50 Megawatt Fernwärme bereitstellen. Zusätzlich installiert MAN einen Heißwasserkessel mit weiteren 20 Megawatt Kapazität. Dieser nutzt die Wärme der Motoren, um Wasser zu erhitzen, das mit in die Fernwärmeversorgung einfließt. Das technische Prinzip, das im Heizkraftwerk bereits seit 1997 zum Einsatz kommt, nennt sich Kraft-Wärme-Kopplung. Es wird künftig noch effizienter genutzt. Denn vorgesehen ist zudem der Bau eines 10 000 Kubikmeter großen Wärmespeichers. Er nimmt einen Teil der Wärme auf, die nicht sofort benötigt wird. Damit können die Stadtwerke flexibler auf Preisentwicklungen an den Strombörsen reagieren.
Weiter in Betrieb bleiben der Fernwärmekreislauf mit den Umwälzpumpen, die Wasseraufbereitung und weitere Nebenanlagen. Die Modernisierung beginnt spätestens Anfang August. In Betrieb gehen soll die neue Anlage mit der Heizperiode 2021/2022. Die Stadtwerke stellen dann komplett auf Erdgas um – die Energieerzeugung mit Braunkohlestaub aus der Lausitz entfällt. Die neue Anlage mit einem Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent reduziere den CO2-Austausch des Kraftwerkes um bis zu 35 000 Tonnen pro Jahr, erklärt Geschäftsführer Torsten Röglin – derzeit sind es jährlich etwa 170 000 Tonnen CO2. „Aufgrund ihrer hohen Brennstoffausnutzung sind Kraft-Wärme gekoppelte Gasmotorenkraftwerke die effizienteste Lösung für eine sichere, umweltschonende und wirtschaftliche Versorgung“, sagt Hajo Hoops, Senior Sales Manager bei MAN Energy Solutions. Das Unternehmen bleibe auch nach Installation und Inbetriebnahme Partner des Projekts. Die Dienstleistungsmarke MAN PrimeServ wird das Kraftwerk mit Ersatzteilen beliefern und die Motoren warten. „Sowohl die Stadtwerke Frankfurt als auch wir streben eine langfristige Partnerschaft an“, erklärt Michael Filous, Leiter Service-Verträge bei MAN PrimeServ.
Das 22 Jahre alte Kraftwerk am Hohen Feld beliefert rund 50 000 Haushalte und Gewerbekunden mit Strom und weitere 23 000 mit Fernwärme. Neben Gas wird dabei auch noch Braunkohle eingesetzt. Mitte 2018 hatte sich das Unternehmen – an dem die Stadt zu 51 Prozent beteiligt ist – für den Kohleausstieg entschieden. Die Investition wird über Kredite finanziert und vom Bund gefördert. Preissteigerungen für Verbraucher soll es nicht geben.
Motoren madein Germany
Die MAN Energy Solutions SE ist ein Unternehmen der MAN SE – eine Tochter der Volkswagen AG. Hauptsitz ist Augsburg. Die Firma entwickelt u.a. Großmotoren und Gasturbinen für Kraftwerke und Schiffe und beschäftigt weltweit über 14 000 Mitarbeiter. Der Gasmotor MAN 20V35/44G hat 20 Zylinder mit jeweils 35 Zentimeter Durchmesser und erreicht in weniger als fünf Minuten seine volle Leistung. Zum Einsatz kommt er bereits im Kraftwerk Stuttgart Gaisburg und bei Volkswagen in Braunschweig.⇥thg


