Exklusive Einblicke
: Was vom Alten Kino übrig blieb

Seit wenigen Tagen ist die Stadt Eigentümer des Alten Kinos. Die MOZ durfte einen Blick in das Innere werfen.
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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  • Blick in den großen Kinosaal: Der Boden ist übersät mit Unrat, an die Wände wurden Graffiti geschmiert. Jahrelang ließ der alte Eigentümer das Baudenkmal verwahrlosen. 2016 stieß der damalige OB Martin Wilke mit dem Vorschlag, das Gebäude für das Kunstmuseum zu nutzen, eine Debatte an. Seinem Nachfolger René Wilke gelang dann im November der Durchbruch in den Kaufverhandlungen. Seit dem 31. Januar gehört das Haus wieder der Stadt.

    Blick in den großen Kinosaal: Der Boden ist übersät mit Unrat, an die Wände wurden Graffiti geschmiert. Jahrelang ließ der alte Eigentümer das Baudenkmal verwahrlosen. 2016 stieß der damalige OB Martin Wilke mit dem Vorschlag, das Gebäude für das Kunstmuseum zu nutzen, eine Debatte an. Seinem Nachfolger René Wilke gelang dann im November der Durchbruch in den Kaufverhandlungen. Seit dem 31. Januar gehört das Haus wieder der Stadt.

    Gerrit Freitag
  • Im Treppenhaus: Viele Frankfurter verbinden Erinnerungen mit dem Alten Kino. Die letzten Filme wurden hier im Mai 1998 gezeigt.

    Im Treppenhaus: Viele Frankfurter verbinden Erinnerungen mit dem Alten Kino. Die letzten Filme wurden hier im Mai 1998 gezeigt.

    Gerrit Freitag
  • Kleiner Kinosaal: Der Teppich ist schmutzig, die Wände beschmiert. Der Raum im Obergeschoss war auch ein Treffpunkt für Verliebte.

    Kleiner Kinosaal: Der Teppich ist schmutzig, die Wände beschmiert. Der Raum im Obergeschoss war auch ein Treffpunkt für Verliebte.

    Gerrit Freitag
  • Lounge im ersten Obergeschoss: Das Parkett ist zerstört und hebt sich. Die Feuchtigkeit, die durch das Fenster und das Dach dringt, ist die größte Gefahr für das denkmalgeschützte Gebäude.

    Lounge im ersten Obergeschoss: Das Parkett ist zerstört und hebt sich. Die Feuchtigkeit, die durch das Fenster und das Dach dringt, ist die größte Gefahr für das denkmalgeschützte Gebäude.

    Gerrit Freitag
  • Außenansicht: Die Eingänge an der Freitreppe sind zugemauert, die Fenster eingeschlagen. Täglich laufen und fahren hier Hunderte vorbei.

    Außenansicht: Die Eingänge an der Freitreppe sind zugemauert, die Fenster eingeschlagen. Täglich laufen und fahren hier Hunderte vorbei.

    Gerrit Freitag
  • Garderobe im Eingangsfoyer: 2002 hatte die PDS die Räume noch für den Wahlkampf genutzt. Heute ist es hier stockdunkel.

    Garderobe im Eingangsfoyer: 2002 hatte die PDS die Räume noch für den Wahlkampf genutzt. Heute ist es hier stockdunkel.

    Gerrit Freitag
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Die schwere Eisentür klemmt, als Stadtsprecher Uwe Meier sie zu öffnen versucht. Ein gutes Zeichen. Denn so mühelos wie früher kommt hier niemand mehr hinein. Am 31. Januar ging die Immobilie in den Frankfurter Besitz über. 200 000 Euro hat die Stadt nach zähen Verhandlungen dafür gezahlt — und als erstes eine Tür eingebaut. Nun soll, wenn alles klappt, aus dem Haus ein neuer Standort für das Landeskunstmuseum werden.

Wie kein zweites Gebäude führte der stete Zerfall des Kinos den Frankfurtern den Bedeutungsverlust ihrer Stadt in den Jahren nach der Wende schmerzlich vor Augen. Eine klaffende Wunde im Zentrum. Die auch deshalb so weh tut, weil viele persönliche Erinnerungen damit verbinden. So wie Astrid Reinhardt. Sie lebt seit 1972 in Frankfurt und hat die Filmabende noch gut im Gedächtnis. Vom DEFA–Jugendstreifen „Sieben Sommersprossen“ (1978) bis zum Hollywood–Spektakel „Titanic“ (1997) – „Mensch, was herrschte damals für Andrang“, sagt sie.

Astrid Reinhardt gehört zum Multimedia–Team des Märkischen Medienhauses, das am Donnerstag mit Redakteuren des Stadtboten einen Blick ins Kino werfen darf. Mit etwas Unterstützung öffnet Uwe Meier schließlich den Seiteneingang zum Foyer und der Garderobe. Es ist stockduster und staubig. 2002 hatte die PDS von hier aus noch den Oberbürgermeisterwahlkampf bestritten. Wenig später wurden die Eingänge an der großen Freitreppe zugemauert.

Über Glasscherben, Holzlatten und Unrat geht es hinauf zur Lounge, wo sich durch die eingeschlagenen Fenster Sträucher ihren Weg bahnen, die auf dem Balkon Wurzeln geschlagen haben. An vielen Stellen hebt sich – wegen der Feuchtigkeit – das Parkett. Farbe blättert von den Wänden, Kabel hängen von den Decken. Hinter einer Tür tut sich ein Abgrund auf.

Im großen Saal mit umlaufender Galerie sind sämtliche Stuhlreihen entfernt. Der Fußboden ist übersät mit Resten zertrümmerter Waschbecken oder Toiletten. So genau lässt sich das nicht mehr sagen. Es knirscht bei jedem Schritt. An einer graffitibeschmierten Wand steht: Wir waren hier, 29.01.2016.

„Wer weiter hinten saß, der hörte das Rauschen des Filmprojektors“, erzählt Astrid Reinhardt. Gedankenverloren lässt sie den Blick durch den Saal schweifen. Von Vandalismus gezeichnet ist ebenso die obere Etage. Im kleinen Kinosaal flimmerten vor mehr als zwei Jahrzehnten nicht nur ausgewählte Filme über die Leinwand. Jungverliebte, heißt es, verabredeten sich hier auch zum Knutschen.

„Wir werden einiges tun müssen, dass der Zustand in dem Gebäude nicht noch schlimmer wird“, sagt Oberbürgermeister René Wilke. Allerdings sei die reine Bausubstanz durchaus gut in Schuss. „Unsere Fachleute sagen, daraus lässt sich etwas machen.“ In den vergangenen Tagen hätten sich bereits Vertreter der Ministerien für Infrastruktur und Kultur das Gebäude angeschaut. Das Land gibt der Stadt Starthilfe in Höhe von 410 000 Euro für Sicherungsarbeiten und die Erstellung von Planungsunterlagen für eine Nutzung als Museum.

Doch bis zu einer Sanierung und Wiedereröffnung des Alten Kinos ist es noch ein langer Weg. Der OB selbst geht von mindestens vier Jahren aus. Wer schon jetzt einen Blick in das historische Gebäude werfen will, findet unter www.moz.de/360grad auch 360–Grad–Fotos aus dem Inneren des Baudenkmals.