Das Kloster ist weit über die Grenzen Deutschlands bekannt und Anziehungspunkt für Tausende Gäste im Jahr, auch für Freizeitradler. Gerade wird der Garten des Klosters umgestaltet. Wenn man mit dem Fahrrad den Oder-Neiße-Radweg von Guben in Richtung Eisenhüttenstadt fährt, kommt man nicht direkt am Kloster vorbei. Ein kleiner Schlenker ist vonnöten, der sich aber lohnt. Von Frankfurt aus ist Neuzelle in etwa 45 Kilometern auf dem Fahrrad erreicht. Zurück kommt man entweder im Zug oder auf Radwegen über Ziltendorf und Wiesenau.
Folgt man dem D-12, so die offizielle Bezeichnung, in Richtung Norden, kommt man an der Fürstenberger Kirche (Eisenhüttenstadt) ebenso vorbei wie am Freibad, das eher einem Tümpel gleicht. Für Aufsehen sorgt regelmäßig die Ruine des nie in Betrieb gegangenem Braunkohlenkraftwerks Vogelsang. Das Kraftwerk, von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs errichtet und von der Sowjetunion demontiert, dient heute als Fledermausquartier.

Von Tschechien nach Usedom

Kurz danach wartet Radlerhof Aurith. Hier haben auch Pawel und Lucas aus Tschechien übernachtet. Beide sind in Liberec gestartet und wollen die über 600 Kilometer innerhalb einer Woche bewältigen. "Der Radlerhof war gut", sagen sie. Jetzt hoffen sie aber auf weniger Wind. "Stellenweise sind wir gestern nur 10 km/h gefahren, so heftig hat es geweht". Der Wind auf diesem östlichsten Radweg Deutschlands kann wirklich "den Charakter der Radfahrer formen", wie es unter Radsportlern so schön heißt. Endpunkt der Reise von Pawel und Lucas wird die Insel Usedom sein. Dann geht es mit dem Zug zurück.
Ihr nächstes Etappenziel ist Oderberg. Dabei radeln sie auch an Frankfurt vorbei. Im Ortsteil Lossow angekommen, geht es rasant wie in den Bergen die Serpentinen in Richtung Oderwiesen hinab. Von dort führt ein gut ausgebauter Radweg in Richtung Insel Ziegenwerder, wo man auch mal mit den Füßen in die Oder kann. Hier befand sich einst das Freibad, das Hermann Weingärtner von seinem Vater übernommen hatte, nachdem er 1896 bei den ersten Olympischen Spielen Gold am Reck gewann. Tragischerweise starb er auf der Oder an einem Herzschlag.
Der Fluss bleibt Begleiter, man hat aber nun eine dreifache Option in Richtung Lebus oder Küstrin weiterzukommen. Entweder man bleibt auf dem D-12 und kann sich zwischendurch an einer Milchtankstelle in Kliestow nicht nur mit Milch, sondern auch mit anderen Getränken versorgen, oder man fährt auf dem alternativen Oder-Neiße-Radweg direkt am Wasser entlang. Der Sandweg hier ist nicht ausgebaut. Für Trekkingräder oder Gravelbikes eignet er sich aber sehr gut. Hier ist man wirklich mitten in der Natur. Den Abzweig in Richtung Lebus darf man aber nicht verpassen, sonst steht man auf einer Halbinsel im Wasser und kommt nicht weiter. Für die dritte Alternative wechselt man über die Oderbrücke auf die Słubicer Seite und fährt dort auf einem frisch gepflasterten Weg Richtung Kostrzyn. Dort kann man wieder auf den echten D-12 Weg wechseln, nachdem man sich die alte Festung Küstrin angeschaut und vielleicht eine Rast auf dem Markt gemacht hat.

Pause für Pensionäre und Städter

In Groß Neuendorf empfängt einen dann eine Radleridylle. Die ehemalige Hafenanlage mit ihren Verladetürmen ist touristischer Hotspot geworden und eignet sich auch für einen Tagesbesuch. Eine Skaterbahn ist entstanden, man kann im Maschinenhaus oder in Bahnwaggons übernachten, sich Fahrräder ausleihen oder sich im Café im Verladeturm einen Tee und einen weiten Blick über das Land gönnen. Seit Ostern dieses Jahres bietet Sabine Brandenburg in ihrem Bistro "Zum goldenen Klapprad" außerdem Kaffee und Kuchen sowie kleine Snacks und Getränke an. "Der Zuspruch ist gut", sagt sie. "In der Woche kommen die Pensionäre mit ihren E-Bikes und am Wochenende die Städter aus Berlin oder Frankfurt". Lediglich von Montag bis Mittwoch ist es etwas schwierig, zum Abendessen ein Restaurant zu finden, hat Urlauberin Silke Kroening festgestellt. Mit ihrem Sohn ist auch sie auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs. Auf die beiden warten flussabwärts in Zollbrücke und zwischendurch noch viele weitere Orte, die es zu erkunden lohnt.

Übernachtungsmöglichkeiten für Radler


Landhaushotel Prinz Albrecht in NeuzelleTel. 033652 81322

Radlerhof Aurith, Tel. 03360972535

Hotel "Zur alten Oder" Frankfurt (Oder), Bett und Bike Hotel, Tel. 0335 556220

Fischereihof "An der Festung Küstrin", Zimmer und Zeltplatz, Tel. 033479 54888

Kulturhafen Groß Neuendorf, Bahnwaggons und Maschinenhaus, Tel. 030 50562471

Radler‘s Hof Letschin, Tel. 033478134990

Gasthaus Zollbrücke, Tel. 033457 5116 rmk