Frank Woitke aus Frankfurt (Oder) hat eine Vision für das Jahr 2022: Er möchte ein großes US Car und Oldtimer-Treffen am Helenesee veranstalten, mit Countrymusik, Linedance, Gegrilltem vom großen Smoker und Trödelmarkt. Das Problem: Der See ist zum Baden seit Monaten gesperrt. Mit Pächter Daniel Grabow hatte er die Idee schon mal besprochen, der sei begeistert gewesen. Denn das Oldtimer-Treffen auf einem Möbelmarkt-Parkplatz in West klappt so nicht mehr, das nächste sei erst wieder in Eberswalde. „Da muss was passieren“, hat er sich damals gesagt, irgendwo müsse man sich mit den alten Autos treffen und einkehren können. Doch dann kam Corona. Und die Sperrung.
Bilder vom Oldtimer-Treffen und der Helenesee-Demo

Von Chevrolet bis Cadillac Bilder vom Oldtimer-Treffen und der Helenesee-Demo

„Ich würde mehr Druck machen auf das Landesbergbauamt“

Der See liegt dem Frankfurter also schon deshalb am Herzen und auch, weil er früher dort im Tauchverein war. Am Sonntag (3. Oktober) wollte er die Menschen mit einer Demo „wachrütteln, die nehmen das nicht für voll“, sagt er. Wenn er am See einen Bungalow hätte, würde er „auf die Barrikaden gehen“. „Ich würde mehr Druck machen auf das Landesbergbauamt“, sagt er. Taucher und Camper hätten jedoch kaum Anteil genommen an seiner Demo. „Die Leute nehmen das nicht so wahr, dass der See für mehrere Jahre zum Baden gesperrt bleibt“, glaubt er. Und findet, man sei nicht genügend über die Gründe informiert beziehungsweise könne er die Gründe nicht so ganz glauben.
Zuletzt hatte jedoch das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) den Eilantrag von Daniel Grabow gegen die durch das Landesbergbauamt verfügte Sperrung der Strände abgelehnt. Die Ufer- und Flachwasserbereiche seien bodenmechanisch nicht so beschaffen, dass eine gefährdungsfreie Nutzung gewährleistet wäre, heißt es zur Begründung. Es gebe eine real bestehende Gefahr von Setzungsfließrutschungen.

Autokorso durch Frankfurt (Oder) und die Ortsteile. Ziel: Helenesee

Freunde des Altblechs zogen mit ihren Wagen durch Frankfurt (Oder), Rosengarten, Pagram, Lichtenberg, Hohenwalde
Freunde des Altblechs zogen mit ihren Wagen durch Frankfurt (Oder), Rosengarten, Pagram, Lichtenberg, Hohenwalde
© Foto: René Matschkowiak
Die nötige Sanierung, fordern viele Akteure, müsse schnell gehen. Bei der Demo haben auch Uwe Grack, Betriebsleiter der Helenesee AG, und Karin Biermann, Vorsitzende des Camperbeirates, gesprochen. Viele andere, die den Weg mit ihren Oldtimern zum See gefunden hatten, kannten ihn vorher jedoch gar nicht. Denn viele der rund 120 Teilnehmenden kamen unter anderem aus Königs Wusterhausen und Berlin und waren vor allem wegen der historischen Autos gekommen.
Frank Woitke führte den Autokorso vom Messegelände durch Frankfurt, Rosengarten, Pagram, Lichtenberg, Hohenwalde bis zum Helenesee. Schon Sonntagmorgen war vor dem Messegelände das Blubbern eines V8-Motors zu hören – für Dirk Marx klingt das wie Musik. Mit acht Freunden war er aus Königs Wusterhausen angereist. „Uns ist sehr wichtig, andere Veranstalter und Vereine zu unterstützen“, sagt der Auto-Fan. Sein 6,50 Meter langer Cadillac Superior mit 7,7 Litern Hubraum erregt allerdings schon genug Aufmerksamkeit, ohne dass er den Motor anlässt. „Irgendwie bin ich wieder bei einem Leichenwagen gelandet“, sagt er lachend. Es ist schon sein zweites Exemplar und theoretisch könnte man in den Wagen aus dem Baujahr 1974 immer noch einen Sarg schieben. Der Mechanismus ist noch intakt.

Charme der 50er und 60er Jahre, das lieben viele der Oldtimer-Freunde

Gleich daneben steht Mitja Finger aus Potsdam mit seinem nicht minder auffälligen 58er Chevrolet, umgebaut als Polizeiwagen und mit funktionierender Rundumleuchte. Da sie rot, nicht blau ist, durfte sie aufs Dach. Er hat sich viel mit US-amerikanischen Polizeiautos der 50er und 60er Jahre beschäftigt.
Mitja Finger aus Potsdam mit seinem auffälligen 58er Chevrolet, umgebaut als Polizeiwagen und mit funktionierender Rundumleuchte
Mitja Finger aus Potsdam mit seinem auffälligen 58er Chevrolet, umgebaut als Polizeiwagen und mit funktionierender Rundumleuchte
© Foto: René Matschkowiak
Das ist auch genau die Zeit – Rock´n Roll, Vintage Style – die Lars Herrmann liebt. Das weiße Oldsmobile hilft im dabei perfekt, dieses Lebensgefühl zu konservieren. Im Frankfurt des Jahres 2021 arbeite er in den Gronenfelder Werkstätten. Nach Feierabend geht es in Gedanken gern ein paar Jahrzehnte zurück. Der amerikanische Wagen ist dabei der perfekte Begleiter. Etwa 4000 Kilometer fährt er im Jahr damit. Auch gern mal an die Ostsee. „Ich habe bisher in keinem Auto besser gesessen“, sagt er.
Eine Ausfahrt mit gleichgesinnten Menschen ist auch für Thomas und Sandra Wegner der Grund, auf dem Messegelände vorzufahren. Der Mercedes aus dem Jahr 1967 glänzt rot in der Sonne und läuft sehr gut, freut sich der Besitzer. „120 PS hat zwar mittlerweile jeder Polo. Damals war das aber wirklich die Krönung“, so Thomas Wegner. Auch Trabi und Wartburg dürfen bei dem Treffen nicht fehlen, ein alter Skoda ist fast ebenso exotisch wie eine Cobra. Die meisten Oldtimer- und V8-Freunde sind vorwiegend wegen der Autos hier, wollen freilich aber auch, dass die Helene schnell wieder öffnet.
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