Familiengeschichte: Die Gielischs leben seit mehr als 300 Jahren in Kliestow
Zwei Männer haben die Ahnentafel der Nachfahren des 1692 verstorbenen Matthes Gielisch aus Kliestow maßgeblich erforscht: Rudolf Fähndrich und Horst Gielisch. Letzterer wurde 1945 in Frankfurt geboren, wo noch weitere einst aus Kliestow in die Stadt gezogene Gielischs leben. Horst Gielisch, der nach der Wende ehrenamtlich im Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt tätig war, hat dort auch zur Geschichte der Gielischs zu Kliestow recherchiert. Das Material ist ins „Geschlechterbuch der Familie Gielisch aus Kliestow und deren Nachkommen“ eingeflossen, das Jürgen Fähndrich Ende 2014 heraus gegeben hat.
Die Grundlage dafür stammt jedoch schon aus den 30er-Jahren. Damals hatte der mit den Gielischs verwandte Bank-inspektor Rudolf Fähndrich zu den Familien des Dorfes Kliestow geforscht und zweimal, 1937 und 1939, Beiträge darüber in der Frankfurter Oder-Zeitung veröffentlicht. 1940 vollendete er die Stammtafel der Familie Gielisch in Kliestow. Das Original befand sich bis zu ihrem Tod 2017 im Besitz von Elisabeth Gielisch.
Sie wurde in dem Haus im heutigen Winkelweg geboren, das nachweislich das älteste in Kliestow ist. Das um 1700 errichtete märkische Mittelflurhaus, ein Lehmfachwerkhaus mit Satteldach, ist eines der wenigen noch erhaltenen Wohnstallhäuser in Brandenburg. Doch das unter Denkmalschutz stehende, in Frankfurt einzigartige Haus ist dem Verfall preis gegeben. "Die Sanierung können wir nicht bezahlen“, sagt Karin Leddin (60), geborene Gielisch, die Tochter von Elisabeth. Sie wartet auf den Tag, an dem das Haus einstürzt. „Rein lass’ ich da keinen mehr, das ist zu gefährlich“, sagt die Kliestowerin.
Sie gehört zur 11. Generation der im Dorf lebenden Familie. Ebenso wie die aus einem anderen Familienzweig stammende Heidemarie Gielisch. Die 68-Jährige und ihr Mann tragen als einzige im Ort noch den traditionsreichen Namen. Peter Gielisch hat den Familiennamen seiner Frau angenommen, „damit der nicht ausstirbt“, wie der 73-Jährige sagt. Das Paar, das nach der Wende nach Stuttgart gezogen war, ist 2007 nach Kliestow zurück gekehrt – aufs Grundstück von Heidemarie Gielischs Mutter Wanda, einer gebürtigen Welenga.
Auf ihrem Hof an der Lebuser Straße 14 steht ein weiteres Haus, das viele Kriegswirren überstanden hat und zu den ältesten im Dorf gehört. Es soll um 1790 erbaut worden sein, weiß Heidemarie Gielisch, deren Tochter und Enkelsohn den besonderen Familiennamen ebenfalls tragen und „auf jeden Fall behalten wollen“, wie die Kliestowerin sagt.
Dem Sprachforscher Prof. Karlheinz Hengst zufolge hat der Familienname Gielisch seinen Ursprung vermutlich im deutschen Vornamen Gieselbrecht und dessen Kurzform Giel und der slawischen Auslautsilbe -isch als Koseform.
Der älteste für Kliestow bekannte Familienname ist er übrigens nicht, hat Rudolf Fähndrich erforscht: Die Kirchenbücher aus dem 17. Jahrhundert weisen unter 59 Familien den Namen Nieguth im Jahre 1634 als ältesten auf. Gefolgt vom 1658 getauften Gottfried Gielisch. Vermerkt war zudem, dass zuvor schon Matthes Gielisch mit Ehefrau und Sohn Martin nach Kliestow „zurück gekommen“ sei.
Nur fünf der im 17. Jahrhundert genannten Kliestower Familien sind bis in die Neuzeit hinein im Dorf geblieben. Neben den Nieguths und Gielischs waren das die Familien Berendt/Berndt (ab 1692), Schneider (seit 1691) und Gebert/Gebhardt (seit 1695). Von den im 18. Jahrhundert hinzu gekommenen 110 Familien blieben nur neun auf der Kliestower Scholle: Mentze (seit 1751), Drescher (1758), Görlitz (1772 und 1791), Alisch (1789), Gasche (1782), Hermann (1774), Milde/Melde (1776) und Gräber (1793).
Was die Gielischs betrifft, so hat Horst Gielisch, der seit 2008 wieder in Frankfurt lebt und zur 12. Generation gehört, den Stammbaum bis in die 14. Generation vervollständigt. In Kliestow lebt ab seiner Generation kein Gielisch mehr.
Aus der Geschichte Kliestows
Die Geschichte Kliestows beginnt mit der Besiedlung im 8./9. Jahhundert und der Ostkolonisation durch slawisch-wendische Stämme im 12. Jahrhundert. Die Slawen bauten drei Kilometer nördlich von Kliestow eine Wallburg, die im 10. Jahrhundert niederbrannte. Der Name des Ortes geht vermutlich auf den einst östlich davon gelegenen Kliester See zurück, der heute verlandet ist.
Es gab einst ein Klein Kliestow, später Wendischer Hof genannt, und (Groß) Kliestow. Klein Kliestow wurde Feldmark. Erstmals urkundlich erwähnt wurde ville clistow 1320 in der Urkunde, mit der Herzog Rudolf von Sachsen die Stadt Frankfurt mit dem Dorf beschenkte. Der Besitz des Dorfes wechselte mehrfach zwischen der Stadt und dem Lebuser Bischof.
Im 30-jährigen Krieg wurde Kliestow, bis auf die Kirche, zerstört. Nach der Familie Hückel war die Familie Scherz Eigentümer des Gutes. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1925 wurde Braunkohle abgebaut, das Dorf bekam einen Bahnanschluss.
1947 wurde Kliestow nach Frankfurt eingemeindet. Der Ortsteil hat heute etwa 1000 Einwohner.




