Festival: Unithea ist auf Sendung aus Frankfurt (Oder) und Słubice

Festivaltag 1: Am Brückenpfeiler in Słubice sind Paweł Sterenczak, Piotr Midor und Mateusz Dobs (v.r.) von "Art Garage" am Werk, rechts Daniel Reinhardt (l.) vom Festivalteam.
Nancy WaldmannNach etwas Ruckeln am Kabel lief dann einigermaßen der Stream. Man bekam erstmal das Festivalteam zu Gesicht und sah und hörte schließlich Grußworte: die Viadrina–Vize–Präsidentin Janine Nuyken auf einer Wiese sitzend, Florian Vogel aus dem leeren Kleist Forum und schließlich die Bürgermeister von Frankfurt und Słubice, René Wilke und Mariusz Olejniczak, aus ihren Büros, Tenor: Toll, dass es Unithea trotz Corona in diesem Jahr gibt!
Tatsächlich war es ein Kunststück, das Festival zu organisieren. Natürlich warf die Pandemie die Pläne über den Haufen und Anfang April beschlossen die Studierenden, die seit dem Wintersemester an dem Projekt arbeiteten, mit verminderten Budget, aber dennoch mit Geld in der Hand, das Festival ins Internet zu verlegen. Statt Theater musste das Programm mit online–tauglichen Formaten gefüllt werden — Konzerte, Workshops, Poetry Slams, Talkrunden. „Wir haben uns als Team diese Woche erstmals seit Monaten persönlich getroffen“, erzählen Daniel Reinhardt und Ira Helten, Studierende der Kulturwissenschaften. Bis dahin wurde telefonisch und online geplant. Auch wenn das Festivalteam sich sowieso jedes Jahr neu formiere, dieses Mal konnte es kaum auf Erfahrungen vergangener Unithea–Festivals zurückgreifen. Keiner hatte je ein Online–Festival veranstaltet.
Im gläsernen Audimax–Gebäude der Viadrina, in letzter Zeit eine Wand aus heruntergelassenen grau schimmernden Jalousien, brennt nun an den drei Festivaltagen am Abend Licht. Das Unithea–Team hat im Erdgeschoss Quartier bezogen und die Streaming–Zentrale eingerichtet. „Der Grund, warum wir Unithea trotzdem unbedingt wollten, ist, die Künstler der Doppelstadt finanziell zu unterstützen“, so Festivalleiter Philip Murawski. Da man die bereits akquirierten Projektgelder nicht als Spenden habe verteilen können, hätten die Festivalakteure eben eine Gegenleistung für ein Honorar erbracht, nämlich einen Auftritt, der aufgezeichnet und online gezeigt wird. Zwei der Akteure legten am Donnerstagabend live los. Dabei konnte man sogar von der Stadtbrücke ganz ohne Bildschirm prima und unter Wahrung des Sicherheitsabstands zuschauen. Am Słubicer Brückenkopf unter dem Verkaufspavillon mit den Berliner Pfannkuchen haben die vier Jungs vom örtlichen Street Art–Kollektiv „Art Garage“ ein Gerüst aufgebaut und sind nun dabei, die blaue Grundierung für ihr neuestes Werk anzubringen. Parallel ist ihr Künstlerfreund P. Banause am Frankfurter Ufer am Werk. Piotr Midor, einer der Słubicer Streetartisten, zeigt auf seinem Telefon den Entwurf: Klar zu erkennen der Klassiker „Dame mit Hermelin" – in einer zeitgemäßen Variation. Fertig sein soll sie am Sonnabend. Aus Frankfurt kommend sollte man kurz vorm Słubicer Ortsschild den Blick hinunter über das rechte Geländer werfen.
Unithea–Festival in Livestreams
Das Unithea–Festival wird auch an diesem Sonnabend in Livestreams auf den Plattformen Youtube und Facebook übertragen. Ab 18 Uhr gibt es Public Viewing in der WG–Bar, Große Scharrnstraße. Im Programm: 18 Uhr Szenische Lesung „Stadt an der Grenze“; 19.15 Uhr Konzert Claudia Wołoszyn und Heike Mildner (Frankfurt); 20.15 Uhr Poetry Slam; 21 Uhr Konzert Lunya (Jazz/Hiphop); 21.30 Uhr Konzert Abel (Rap, Słubice); 22.30 Uhr Konzert „Errors of the Superhumans“ (Instrumental Rock, Frankfurt); Zu finden ist das gesamte Programm online auf: www.unithea.eu
