Festtage: Das Kleist-Museum wird eine Bühne

Eine Internationale Theaterwerkstatt gab Künstlern Einblicke in das Leben und Werk von Kleist.
PromoEs sind Künstler aus Belarus, Russland und Deutschland, die zur Zeit für Trubel im Kleist-Museum sorgen. Unter dem Thema „(Un)sichtbare Grenzen“ erforschen sie das Leben des Frankfurter Dichters Heinrich von Kleist.
Katja Zhyntiaronskaja aus Minsk ist studierte Opernsängerin, Karina Pestowa freie russische Schauspielerin und Nils Loefke bildender Künstler und Tanzperformer aus Kassel. Drei von 15 jungen Leuten machten sich in dieser Woche Kleist zu eigen aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. Eine erste Annäherung gab es bereits in der Vorwoche im weißrussischen Brest mit Kleist‘s Novelle vom Pferdehändler „Michael Kohlhaas“. In Workshops am Theater Kryly Khalopa stellten sich die jungen Leute Fragen: Wie ist das mit Grenzverschiebungen, Grenzübertritt? Wer entscheidet, was Recht ist, wo Vernunft endet, wo Gewalt beginnt? Anhand dieses Kleist-Textes suchten sie nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in ihren Kunstauffassungen. Eine Möglichkeit, nicht nur den Dichter, sondern auch sich erst einmal kennenzulernen.
Ganz anders die Erfahrungen, die die Teilnehmer des Projekts jetzt in Frankfurt am Kleist-Museum sammeln konnten. Hier stand der Dichter im Mittelpunkt. Wohl jeder von ihnen hat nach einem Rundgang durch die ständige Ausstellung etwas für sich entdeckt. Sängerin Katja aus Belarus interessierte, wie Kleists Texte komponiert sind. Sie ist beeindruckt von der Sprache des Dichters. Tanzperformer Nils und Schauspielerin Karina fühlen sich eher von Kleist‘s ständigem Unterwegssein angesprochen.
Erfrischende Kleist-Rezeption
In den Workshops haben sie nun daraus eine Performance gestaltet, die sich aus den verschiedenen Künsten zusammensetzt: Schauspiel und Gesang, aber auch Puppenspiel, Tanz und Musik. So viel sei vorab gesagt: Keiner wird sich bequem im Sessel zurücklehnen können. Vielmehr sollten die Besucher den jungen Leuten durch die Räume folgen. Denn dann werden sie das Kleist-Museum mal überraschend anders erleben können. „Das wird unsere traditionelle Sicht auf Kleist ganz schön aufmischen“, vermutet Hanna Lotte Lund, Direktorin des Museums. „Frischer oder erfrischender kann man Kleist-Rezeption nicht bekommen“, meint sie.
Kleist-Museum [Un]sichtbare Grenzen – Eine internationale Theaterwerkstatt. Heute17 Uhr. Eintritt ist frei.