Flucht
: Junge Syrerin in Frankfurt (Oder) blickt mit Sorge nach Griechenland

Die Syrerin Shefaa Alfrag macht am OSZ Frankfurt (Oder) ihre zweite Ausbildung. Mit Sorge schaut sie nach Griechenland.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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Nach über sieben Jahren traf Shefaa Alfrag (3. v.r.) ihre Eltern und einen Teil der restlichen Familie im Februar in Griechenland wieder. Das Zelt, in dem sie zu acht lebten, ist vergangene Woche abgebrannt. Die junge Syrerin macht am OSZ Frankfurt (Oder) ihre zweite Ausbildung. Mit Sorge schaut sie nach Griechenland.

Privat

Shefaa Alfrag ist 25 Jahre alt, das jüngste von zehn Kindern. Sie ist aus Syrien, 2014 kam sie nach Deutschland, über München schließlich nach Frankfurt. Sie wohnt bei einem Ehepaar in Lichtenberg, ihre Patenfamilie „ist wie meine zweite Familie“, sagt sie. Ihr Patenvater war auch derjenige, der sie im Februar nach Griechenland begleitete. 2016 begann Shefaa Alfrag am OSZ eine Ausbildung zur Sozialassistentin, schloss diese ab und ist nun im zweiten Jahr ihrer Erzieherausbildung. Es geht ihr gut in Frankfurt, vier ihrer Schwestern leben in Stuttgart, Frankfurt am Main und München, ein Bruder in Belgien. Doch Shefaa Alfrag macht sich große Sorgen um den Rest ihrer Familie in Griechenland.

Nach Brand steht nur das Zeltgerüst

Vor einer Woche hatte es gleich zweimal in dem Lager auf Samos gebrannt, es wurde dadurch größtenteils zerstört, 100 bis 200 Menschen sind obdachlos. Die acht Personen aus ihrer Familie, die Shefaa Alfrag dort noch im Februar besucht hatte — Schwestern mit Familien, Bruder und Frau sowie ihre Eltern — hatten schon vor dem Brand eine Einzimmerwohnung bekommen.  Zum Glück, denn auch ihr Zelt in dem Flüchtlingslager brannte ab. „Das Zelt ist nur noch Eisen, mehr nicht“, erzählt sie. Sie hat ein Video geschickt bekommen, auf dem das verkohlte Gerüst, verbrannte Einrichtung, ein rußiger Teppich zu sehen sind. „Das ist ganz schlimm und sehr traurig. Und es tut mir so Leid, aber ich kann leider nicht weiterhelfen — außer weinen.“

Auch das Zelt, in dem ihr Cousin wohnte, ist abgebrannt. Er und seine Familie warten nun ab, wie es weitergehen soll. Mehrere Medien hatten nach dem Brand berichtet, dass mit 6800 Menschen zehnmal mehr dort leben, als das Lager eigentlich aufnehmen kann. Es soll nun zum Jahresende geschlossen werden — in der Nähe wird bereits ein neues Camp gebaut.

Ein Viertel der Bewohner soll minderjährig sein. Während der zwei Tage, die Shefaa Alfrag dort war, hat sie Menschen verschiedenen Alters gesehen: Jugendliche ohne Begleitung, alte Menschen, Kinder, Neugeborene. Sie erzählt, dass zwei Nachbarsfrauen ihre Kinder im Zelt bekommen haben, ohne Arzt. Weil auch Kleidung rar ist, verschenkte ihre Schwester ein Kleid, um das Kind zu wickeln. Die ärztliche Versorgung sei schlecht, das Team von Ärzte ohne Grenzen komme nicht hinterher. „Meine Eltern sind alt und krank“, erzählt die junge Frau. Mutter und Vater sind Diabetiker, manchmal musste ihr Vater nachts nach Medikamenten anstehen, um morgens an der Reihe zu sein. Er, der 70 Jahre alt ist, hatte außerdem einen Bandscheibenvorfall, ist auf einem Auge blind. Zur Toilette musste er nachts mit einer Taschenlampe — Shefaa Alfrag machte sich Sorgen, dass er stürzen könnte.

Sie hat weitere Videos aus dem Lager. Auf einem ist die desolate Toilette zu sehen, ohne Strom, mit kaltem Wasser aus einem Schlauch, Löchern im Boden und keinem Ort für benutzte Windeln. Nachts sind Ratten unterwegs. „Als ich da war, hat meine Mutter zwei Stunden auf das Frühstück gewartet. Es gab schlechte Eier, geschimmeltes Brot“, berichtet sie. In einem Laden habe sie dann etwas Vernünftiges für ihre Familie zu essen gekauft.

Wunsch nach Hütten

In Damaskus hatte die Familie zwei Häuser. In einem lebten Shefaa Alfrags Bruder und seine Frau, im anderen auf drei Etagen der Rest der Familie. Sie wollte sich nach dem Abitur an der Uni anmelden. Heute könnte sie sich vorstellen, das nach der Erzieherausbildung nachzuholen. In den Sommerferien wollte sie ihre Eltern eigentlich wieder in Griechenland besuchen. Corona wird ihr nun einen Strich durch die Rechnung machen. „Gott sei Dank sind mein Bruder und meine Schwestern dort und kümmern sich um unsere Eltern.“ Sie wünscht sich, dass für die vielen Menschen auf der Flucht in Griechenland Hütten gebaut werden. Auch, dass andere Länder Geflüchtete aufnehmen. „Man kann das aufteilen“, sagt sie.