Frankfurt (Oder)
: Letzter Tag für Schulleiterin und Stellvertreterin an der Grundschule Mitte

Am letzten Schultag vor den Winterferien verabschieden sich Wiebke Tetzlaff und Kerstin Nopp in den Ruhestand.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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Nach 15 Jahren als Schulleiterin und Stellvertreterin haben Wiebke Tetzlaff (r.) und Kerstin Nopp heute ihren letzten Tag an der Grundschule Mitte. Sie gehen gemeinsam in die "ganz große Pause" – den Ruhestand.

Gerrit Freitag

„Wir werden die Kollegen vermissen und uns werden die Kinder fehlen“, sagen sie. „Grundschulkinder sind sehr anhänglich“, erzählt Kerstin Nopp. Und wie bestellt werden beide kurz darauf in der Pause von ein paar Schülerinnen umzingelt, ein Mädchen umarmt Wiebke Tetzlaff und will gar nicht weitergehen.

Fusion von Schule und Personal

Als Birkenschule und Grundschule Mitte vereinigt wurden, wurden auch die beiden Frauen gewissermaßen „zusammengeführt“. Kerstin Nopp arbeitete 35 Jahre als Stellvertreterin — im Schatten ihrer Kolleginnen stehend empfand sie sich aber nie. „Mir war klar, irgendwann kommt eine neue Schulleiterin, dann habe ich eine neue Partnerin“, erzählt sie vom Beginn der Schulfusion. "Wir haben uns gut verstanden, von Anfang an.“ Es falle schwer, sich nun nicht mehr jeden Tag zu sehen. „Aber wir haben einen festen Termin, um uns regelmäßig zu treffen“, kündigt Wiebke Tetzlaff an. Einmal im Monat wollen sie frühstücken gehen. "Wir haben 15 Jahre unser Leben geteilt, da gibt es eine Menge zu erzählen.“ Und sie besucht Kerstin Nopp sicherlich am Müllroser See, wo diese ein Haus hat.

Auf die Ruhe dort freut sich Kerstin Nopp, die ursprünglich Diplomlehrerin für Polytechnik studiert hat, schon jetzt. Aber sie plant auch, in der Rente die Fußballbegeisterung in der Familie stärker auszuleben. Ihr Sohn arbeitet als Scout beim DFB — bislang musste sie bei Besuchen immer die Schulzeiten berücksichtigen, nun geht das auch außerhalb der Ferien. „Dieses Jahr findet die EM statt“, freut sie sich bereits. Und: „Ich hoffe immer noch auf Enkelkinder.“

Wiebke Tetzlaff plant, ihre Enkel in Berlin im Ruhestand öfter zu besuchen. „Ich hoffe, dass ich eine etwas ausgeruhtere Oma werde“, sagt sie lachend. Fünf Fächer hatte sie nach ihrer eigenen Schulzeit studiert: Deutsch, Mathe und Sport als Unterstufenlehrerin sowie nach der Wende LER und Englisch. Jetzt in der Rente will sie mehr lesen und auch weiterhin viel draußen unterwegs sein. Bislang fuhr sie im Sommer immer mit dem Fahrrad aus ihrem Wohnort Kliestow nach Frankfurt. „Das ist der schönste Weg zur Arbeit, morgens an der Oder entlang.“ Der Rückweg, den Goepelberg hinauf, sei zwar anstrengend gewesen. Aber auch gut, um den Kopf frei zu bekommen.

Denn der Lehrerberuf sei anstrengender, als gemeinhin vermutet wird. Gerade für Seiteneinsteiger sei das oft ernüchternd. „Als Lehrerin ist man voll in Anspannung“, sagt sie. Kinder könne man nicht einfach „abschalten“. Sie und ihre Stellvertreterin haben selbst bis zum Schluss noch Englisch und Mathe unterrichtet. Hinzu kämen Vorbereitungen und administrative Arbeiten. Doch sie findet: „Die Schüler sollten ein Recht haben auf entspannte, ausgeruhte Lehrer.“ Zeitmanagement spiele dabei eine wichtige Rolle.

Darin, besonders im Erstellen von Plänen, war „Noppi“, wie Wiebke Tetzlaff ihre Kollegin nennt, immer die Expertin. „Sie ist eine exzellente Planerin“, lobt sie. Und habe nicht nur die Vertretungspläne erstellt, sondern vorher immer nochmal mit den entsprechenden Lehrern gesprochen.  Wiebke Tetzlaff war eher die Frau für Gremien– und Elternarbeit, für Konferenzen und Entwicklung des Schulprogramms.

Polnisch seit 14 Jahren

Die beiden 63–jährigen Frauen haben 2006 an der Einführung des Polnischunterrichts an der Schule mitgewirkt. Mittlerweile lernen 99 Prozent der Erst– bis Viertklässler die Sprache. In Jahrgangsstufe 5 lernen nur vier Schüler kein Polnisch, in Klasse 6 sind es aufgrund größer werdender Anforderungen eine ganze Reihe weniger. „Aber selbst unsere ausländischen Schüler machen Polnisch“, sagt Kerstin Nopp. Auch in Englisch seien viele von ihnen sehr fit. Aktuell wird bilingualer Unterricht vorbereitet, dabei ist die Schule noch in Gesprächen mit dem Bildungsministerium.

Tag der offenen Tür: 15. Februar, 9—11 Uhr