Frankfurter Weltmusik-Festival
: Ein Spatz als Mauerspecht – die Transvocale startet

Heute startet die Transvocale! Das Festival lockt mit Gipsy, Klezmer, Beat, Flamenco, Folk – und vielen Überraschungen.
Von
Silvia Fichtner
Frankfurt (Oder)
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  • Mitreißend, rebellisch: Hanba! aus Polen definieren Punk neu. Am Sonnabend spielen sie im Kleist Forum bei der Transvocale.

    Mitreißend, rebellisch: Hanba! aus Polen definieren Punk neu. Am Sonnabend spielen sie im Kleist Forum bei der Transvocale.

    Katarzyna Skrzypek
  • Logo der 16. Transvocale

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    Transvocale
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Und die Mauern werden fallen

Der Transvocale-Spatz, das Maskottchen des  Festivals für Lied und Weltmusik in Frankfurt (Oder) und Słubice, des einziges Festivals dieser Art in Ostdeutschland, schmettert ein Hoch auf seinen gefiederten Artgenossen – und auf die Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs im Ostblock, auf den  Augenblick des Mauerfalls in Deutschland, der bis heute das Herz entflammt. Ein Jahr vor Karats „Albatros“ schreibt der polnische Liedermacher Jacek Kaczmarski sein Lied „A Mury runa – Und die Mauern werden fallen“. Genau das hat sich der pfiffige Spatz herausgepickt als Motto für die 16. Transvocale. Und – ganz diesem Gedanken verbunden – zeigt ihn der Titel des Programmheftes als Mauerspecht.

Ein Blick in das Heftchen unterstreicht die Absicht der diesjährigen Transvocale-Tage vom 21. bis 23. November. Deutsche und polnische Musiker proben seit August enthusiastisch, unbeirrt der Sprachbarrieren, für ein gemeinsames Eröffnungskonzertam heutigen Donnerstagabend. Um 19.30 Uhr geht es los. Das Geschenk der unermüdlichen Festival-Organisatoren an die Besucher: freier Eintritt zu diesem Konzert! „Wir haben Lieder herausgesucht, die jene Zeit begleiteten, Poesie, die um die Ecke gedacht ist, funkelnde Stücke aus dem deutsch-polnischen Füllhorn ins Rampenlicht geholt“, verrät der Frankfurter Musiker und Mitinitiator Thomas Strauch, der selber 12 Jahre alt war, als die Mauer fiel. Originalfotos aus jenen Tagen kontrastieren die musikalische Poesie.

In den zurückliegenden drei Jahrzehnten gewachsen – nicht reibungslos bis heute – begreifen sich die Bewohner  Frankfurts und Słubices zunehmend als Doppelstadt. Und so erfüllt sich das Transvocale-Bestreben zunehmend, dem Weltmusikfestival immer auch deutsch-polnische Farbtöne zu geben. Mit Urszula Dudziak & Walk Away kommen beispielsweise brillante Jazzer zur Transvocale 2019 und mit der Band „Hanba!“ Punker ganz ungewohnter Art. Während die deutsche „Express Brass Band“ durch ihre Mitglieder aus unterschiedlichen Nationen ein musikalisches Meer schäumen macht, hat die deutsche Chansonsängerin Sandra Kreisler ihr heiter-bissiges Programm eigens für die diesjährige Transvocale konfiguriert. Die Tochter des Komponisten, Wortspielers  und Anarchisten Georg Kreisler kennt die Unwägbarkeiten, das Kind eines vielbeschäftigten, berühmten Vaters zu sein und weiß um manch andere Wirrnisse des Lebens, die sich dauerhaft niederlassen in der Seele. Genug Stoff für einprägsame Lieder.

Gypsy-Schattierungen, Klezmer-Varianten, Beat-Versionen, Flamenco-Lesarten, Folk-Stilrichtungen, erstmals auch eine Ausstellung,  Soundcollagen also, werden von Musikern aus Südafrika, Kanada, Estland, Deutschland, Polen in den Sälen des Kleist Forums und im SMOK in Słubice interpretiert, denn musikalische Entdeckungen sind ein Markenzeichen des Weltmusikfestivals an der Oder. Der mutige Transvocale-Spatz kennt, dem Albatros gleich, keine Grenzen!

Mehr zum Festival unter: http://transvocale.eu; Tagesticket: 23 / 21 Euro/ 10 Euro (Schüler und Studenten); Festivalpass: 45 / 40 Euro; Karten unter 0335 4010120 bzw. ticket@muv-ffo.de und unter +49 (0)95 75 82 439 (SMOK)

Programm

Die 16. Transvocale in der Doppelstadt Frankfurt-Słubice eröffnet am Donnerstag, 21. November, um 19.30 Uhr im Kleist Forum mit einem deutsch-polnischen Projekt – der Eintritt zum Auftaktkonzert ist frei. Es folgen Auftritte der Express Brass Band (Foyer) und von Sandra Kreisler (Studio). Zu den Highlights am Freitag ab 19.30 Uhr im Kleist-Forum zählen Anna Maria Jopek, die Max-Klezmer-Band und die polnische Jazz-Legende Urszula Dudziak. Am Sonnabend ab 19.30 Uhr folgen dann u.a. die Afrika Mamas, Bernadette La Hengst und Hanba! im Kleist Forum und Ania Rusowicz und die Band Trupięgi im Kulturhaus Smok in Słubice. In der Darstellbar des Kleist Forums gibt es an jedem Abend kostenlose Aftershowkonzerte.⇥red