Frosch-Überfall: Sorge nach Freilassung

Tatort: Am Frosch-Club griffen im August mehrere Männer Gäste und Mitarbeiter an. Mit ihren Stahlstangen verletzten sie in der Ziegelstraße mehrere Menschen – einige berichteten von Todesängsten.
Gerrit Freitag„Ich habe es über die Zeitung erfahren“, sagt Dirk Schöbe, Mitarbeiter des Frosch-Clubs, über die Aufhebung der Haftbefehle gegen vier Tatverdächtige, die ihn und seine Gäste am 26. August 2018 angegriffen haben sollen. „Unfassbar, dass so etwas in unserem Rechtsstaat möglich ist“, meint der Partner der Frosch-Club-Betreiberin Manja Neborg. Enttäuscht zeigt er sich auch darüber, dass ihn weder die Staatsanwaltschaft noch das Landgericht über die Freilassung informiert hätten. „Wir sind doch die wichtigsten Zeugen in der Sache“, so Schöbe. Da die Angreifer nun wieder auf freiem Fuß sind, hat er Angst, dass es am Wochenende wieder zu Konfrontationen kommen könnte. Gleichzeitig betont er: „Der Frosch-Club ist sicher.“ Mit fünf Security-Kräften könnten die Gäste beruhigt zu elek-tronischer Musik feiern.
„Wir haben keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts“, sagt Ricarda Böhme von der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Diese hatte Anklage gegen fünf Beschuldigte erhoben, vier davon saßen in U-Haft. Mit Hochdruck habe die eigens für die syrischen Intensivtäter eingesetzte Sonderdezernentin ermittelt. Die jetzige Freilassung habe die Staatsanwaltschaft „mit Sorge zur Kenntnis genommen.“
Da die vier Männer ohne Auflagen entlassen wurden, können sie sich frei bewegen. Es gebe daher auch keinen Anlass beispielsweise für eine Überwachung der Tatverdächtigen, unterstrich Kriminalhauptkommissarin Bärbel Cotte-Weiß. "Wir beobachten weiter die kriminellen Schwerpunkte in der Stadt“, sagt sie.
Die Stadt will insbesondere dem Hortenvorplatz nun ein noch größeres Augenmerk widmen. „Im Wissen um die Haftentlassung der vier Tatverdächtigen wird der Hortenvorplatz neben weiteren bekannten Treffpunkten durch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes verstärkt unter Beobachtung genommen“, so der Pressesprecher Uwe Meier. Die Stadtverwaltung habe die gerichtliche Entscheidung, durch die es zu den vier Haftentlassungen kam, zu respektieren. „Daraus folgende Entwicklungen werden mit Sorge betrachtet“, fügt Meier hinzu. Die Aufenthaltsorte der Personen seien auch der Verwaltung nicht bekannt.
Trotz eines „wirtschaftlichen Verlusts“, weil die Frosch-Gäste wegbleiben, und der Angst, im Dunkeln durch den Park zu gehen, bedankt sich Dirk Schöbe bei der Polizei. „Sie sind seit dem Überfall wirklich Freund und Helfer“, erzählt er. Neben den regelmäßigen Patrouillen hätten sich die Beamten persönlich bei ihm vorgestellt. Dass Oberbürgermeister René Wilke mehrere Tatbeteiligte abschieben wollte, hält Schöbe für richtig. „Für die Haftentlassung kann der OB nichts“, sagt er.