Fußball: Wieder eine Weichenstellung

Der 1. FC Frankfurt mit Kapitän Erik Huwe (rechts, hier im Testspiel gegen Energie Cottbus), hat am Samstag sein erstes Pflichtspiel auf heimischem Platz seit einem halben Jahr.
Michael Benk„Das wird nicht einfach gegen einen Geheimfavoriten, der beim Start vor einer Woche den langjährigen Oberligisten Altlüdersdorf mit Neu-Trainer Hans Oertwig 5:3 besiegte“, schätzt Jan Mutschler ein. Der Coach glaubt sogar, dass es nach dem 3:0 der Oderstädter beim FSV Bernau ein Tages-Spitzenspiel werden könnte, das für die Saison eine Weiche stellt.
Der Auftakt-Erfolg des 1. FCF hat mit der harten Gangart der Randberliner allerdings seinen Tribut gefordert. Artur Aniol (39) wird wohl für die gesamte Saison mit Kreuzband- und Meniskusriss ausfallen und womöglich seine sportliche Laufbahn beenden müssen. Seit der Saison 2012/13 hat der schnelle Pole in 194 Einsätzen in der „Ersten“ die Knochen hingehalten und 94 Tore erzielt. „Ein herber Verlust“, urteilt der Coach, der im Angriff weiter auf Niclas Weddemar verzichten muss. „Bloß gut, dass uns Steven Frühauf wieder zur Verfügung steht. Und wir werden den 18-jährigen Paul Bechmann hochziehen.“
Die Gäste unter Enis Djerlek scheinen routiniert genug, diesmal eine bessere Rolle zu spielen als in der Vorjahren mit Plätzen im Tabellen-Mittelfeld. Beim Start-Sieg gegen den SVA hatte die Formation einen Altersdurchschnitt von 27,9 Jahren. Die zweifachen Torschützen Enrico Schöffel (23/vorher Berlin United) und Miguel Unger (25/nach Kreuzband-Pause wieder dabei) drücken den Durchschnitt etwas.
FCF mit positiver Bilanz
In der Punktspiel-Gesamtbilanz seit 2006/7 sieht sich der FCF noch klar in Front: 9-4-3. Den letzten Vergleich hatte er im Februar mit 2:0 beim OFC nach Treffern von Marcel Georgi und Robin Grothe gewonnen. Davor hatte es zweimal ein 1:1 gegeben. Die letzte Heimniederlage liegt lange zurück. Im Dezember 2008 hatten die Frankfurter unter Trainer Klaus-Dieter Helbig und unter anderem mit Björn Keller, Alexander Bernwald, Carsten Moritz und Tobias Fiebig 1:2 verloren. „Olle Kamellen“, sagt Mutschler und beschwört: „Das darf und wird uns mit dem jungen Team nicht passieren.“
Gleich in der 2. Runde der Brandenburgliga spielfrei hat hingegen der FC Eisenhüttenstadt – diese meist ungeliebte Pause trifft aufgrund der abgebrochenen Saison ohne Absteiger gleich mehrere Ligen. Auch FCE-Trainer Andreas Schmidt zeigt sich nicht begeistert. "Ich sehe es als ein Nachteil, weil wir gerade erst gestartet sind. Auf der anderen Seite haben wir so etwas mehr Zeit zum Aufarbeiten der Auftaktniederlage gegen Eberswalde. Einige Spieler haben außerdem muskuläre Verletzungen, die sie nun länger auskurieren können“, sagt der Coach, der schon auf die Partie in der kommenden Woche vorausschaut – dann geht es gegen den großen Aufstiegsfavoriten MSV Neuruppin. "Diese Aufgabe bereitet mir schon etwas Kopfzerbrechen, aber wir fahren nicht ohne Hoffnung dahin“, sagt Schmidt.
Eine schwere Aufgabe wartet bereits an diesem Samstag auf Dynamo Eisenhüttenstadt. Zum ersten Heimspiel der Landesliga-Saison kommt der FSV Glückauf Brieske/Senftenberg in den Dynamo-Sportpark. Dabei spricht die Statistik klar für die Südbrandenburger. In 15 Partien behielten die Knappen elfmal die Oberhand, einmal hieß es Unentschieden und dreimal konnten die Dynamos gewinnen – zuletzt mit 5:0 beim Heimspiel am 6. Oktober 2018. „Aus dieser Mannschaft sind sechs Spieler nicht mehr dabei und der heutige Kader hat vielleicht nicht mehr ganz die Qualität von damals“, sagt Trainer Dirk Liedtke, der aber betont: „Mit Herz und Leidenschaft werden wir den Briesker Knappen ganz sicher die Stirn bieten können.“
Beide Mannschaften gehen mit einem Negativerlebnis aus der vergangenen Woche in den Spieltag, von daher darf man gespannt sein, welches Team seine Auftaktniederlage besser weggesteckt hat. „Die Briesker werden hochmotiviert antreten, um einen Fehlstart zu vermeiden. Das wollen wir natürlich auch, qualitativ sind sie besser besetzt als wir – aber das müssen wir als Mannschaft mit Herz und Leidenschaft und viel Teamgeist ausgleichen. Die Jungs sollen sich auf dem Platz nicht so viele Gedanken machen und keine Angst vor Fehlern haben, sondern befreit und mit viel Freude gegen die Pille treten. Wenn der Schiedsrichter die Partie abpfeift, musst du das Gefühl haben, alles in die Waagschale geworfen und dabei noch viel Spaß gehabt zu haben“, sagt Dirk Liedtke.
Wiesenau bei Aufstiegsanwärter
Ein starker Gegner wartet mit der Regionalliga-Reserve des FSV Luckenwalde auch auf Landesklasse-Aufsteiger SG Wiesenau. „Das ist natürlich ein richtig dickes Brett und eine Riesen-Aufgabe, aber wir fahren da nach unserem Auftaktsieg selbstbewusst hin und wollen versuchen, einen Punkt mitzunehmen. Wir wollen uns vor niemandem verstecken“, sagt Wiesenaus Trainer Daniel Dankert, der alle Mann zur Verfügung hat.
Heimpremiere hat der Müllroser SV. Gegen die SG Bruchmühle haben die Schlaubetaler eine positive Bilanz, gingen in den letzten sieben Vergleichen fünfmal als Sieger vom Platz. Die Gäste aus dem Altlandsberger Ortsteil sind angeschlagen und wollen sich sicher für ihre 0:5-Auftaktschlappe gegen Müncheberg rehabilitieren. Die Müllroser können hingegen mit breiter Brust antreten, konnten ihre drei bisherigen Pflichtspiele in dieser Saison (inklusive Kreispokal) alle gewinnen.
Blau-Weiss Markendorf muss zu Grün-Weiß Union Bestensee, gegen die man zuletzt zweimal verloren hatte.
FLB erlaubt fünf Wechsel pro Mannschaft
Der Vorstand des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) hat beschlossen, dass ab sofort während eines Spiels im Männer- und Frauenbereich pro Mannschaft fünf Spieler ausgetauscht werden können. Hierfür stehen jedem Team während der regulären Spielzeit drei Unterbrechungen sowie die Halbzeitpause zur Verfügung.
Damit reagiert der Verband auf die in dieser Saison hohe Belastung. Weil es in der abgebrochenen Spielzeit 2019/20 keine Absteiger gab, sind vielerorts die Staffeln größer als die üblichen 16 Mannschaften. Dadurch haben viele Teams mehrere Spiele binnen kurzer Zeit. Die Regelung gilt bis zum Ende der Saison. ⇥red