Gespräche auf dem Bürgersteig
: Unterwegs auf "russischen“ Straßen

Als unsere Praktikantin nach Frankfurt und Eisenhüttenstadt kam, fielen ihr viele Straßennamen auf, die auf ihr Heimatland verweisen. Welchen Bezug haben die Bewohner wirklich zu Russland?
Von
Mariia Vakhrusheva
Frankfurt (Oder)
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  • Russische Straßennamen in Frankfurt

    Russische Straßennamen in Frankfurt

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  • Frankfurt hat noch eine Reihe weiterer Straßen, die nach russischen bzw. sowjetischen Persönlichkeiten benannt sind, besonders nach Kosmonauten. Etwa die Juri-Gagarin-Straße, das Wladimir-Komarow-Eck oder die Konstantin-Ziolkowski-Allee. Auch der Dekabrist und Schriftsteller Paul Beljajew (1803-1888) hat seine Straße in Frankfurt.

    Frankfurt hat noch eine Reihe weiterer Straßen, die nach russischen bzw. sowjetischen Persönlichkeiten benannt sind, besonders nach Kosmonauten. Etwa die Juri-Gagarin-Straße, das Wladimir-Komarow-Eck oder die Konstantin-Ziolkowski-Allee. Auch der Dekabrist und Schriftsteller Paul Beljajew (1803-1888) hat seine Straße in Frankfurt.

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  • Karte Straßennamen Frankfurt (Oder)

    Karte Straßennamen Frankfurt (Oder)

    MMH/Jörn Sandner
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Meist ruhige Nebenstraßen

Die „russischen“ Straßen in Frankfurt sind meist ruhig gelegen und nicht allzu lang: Die Moskauer Straße, die Maxim-Gorki-Straße, der Peter-Tschaikowski-Ring. Nur auf der Puschkinstraße gibt es mehr Bewegung. Dass diese Straße den Namen eines großen russischen Dichters trägt, wissen alle Passanten. „Die Werke von Puschkin haben wir in der Schule gelesen“, erinnert sich die 68-jährige Rentnerin Doris May. Dass Maxim Gorki, der Hauptautor der sozialistischen Ära, „einen schönen Schnurrbart“ hatte, weiß sie auch.  Die Schulzeit ist lange her, aber Nachrichten aus Russland verfolgt Doris May immer noch. Die „Sache mit der Krim“ findet Doris May nicht in Ordnung. Auch den Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten, die seit Wochen in Moskau für die Zulassung von oppositionellen Kandidaten für das Stadtparlament auf die Straße gehen, findet die Frankfurterin nicht gut. Die Polizei hatte auf den letzten beiden Demonstrationen jeweils mehr als tausend Menschen verhaftet. „Was Putin macht, ist man nicht schön“, sagt Doris May. „Ich bin erstaunt, wie ein Mensch wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Putin befreundet sein kann. Er sagte Nein zum Krieg Deutschlands mit dem Irak, doch dann ging er in den Vorstand des Ölkonzerns Rosneft“, wundert sich May.

Konstantin Gaykalov findet die politischen Entscheidungen, die in letzter Zeit in Russland getroffen werden, auch nicht akzeptabel. Der 21-jährige Student der Europa-Universität  Viadrina kam vor vier Jahren aus der sibirischen Stadt Omsk nach Frankfurt. Seine ganze Familie ist in Omsk und viele seiner Freunde leben in verschiedenen Städten Russlands. Deshalb interessiere er sich für alles, was in Russland gerade passiere, sagt Gaykalov. „Ich verstehe nicht, warum Leute auf Moskaus Straßen mit Schlagstöcken geschlagen werden. Warum die Schülerin, die aus der Verfassung vorgelesen hat, von der Polizei abgeholt wird. Warum man vor der Wahl keine freien Kandidaten zulässt, hinter denen echte Menschen stehen und die wirkliche Unterstützung haben. Warum in Sibirien die Wälder brennen. Die Menschen in den Städten können vor Smog nicht atmen, aber niemand befasst sich mit diesem Problem“, sorgt sich der junge Konstantin Gaykalov. Von der schwierigen politischen Lage in der Welt, spürt er in Frankfurt wenig. Oft wird er nach Russland gefragt, besonders nach Sibirien: ‚Ist es dort wirklich so kalt? Trinken Russen viele Wodka?‘ Nach Putin werde er auch sehr häufig gefragt, sagt Gaykalov.

Mehr als Namen nicht geblieben

Auch Eisenhüttenstadt hat seine Puschkinstraße. „Natürlich sieht man, dass seit der DDR die Straßen mit russischen Namen geblieben sind. Aber damit endet die Verbindung nach Russland auch“, sagt der Anwohner Harald Peisker. Der 64-Jährige war in Moskau, dort hat ihn die Aufrichtigkeit und die Freundlichkeit der Russen beeindruckt. „Heute lernen die Leute die wahre Seele der Russen gar nicht mehr kennen, wegen der Politik“, sagt Harald Peisker. Immer weniger Menschen interessierten sich für Russland, glaubt auch der 82-jährige Werner Erfurt. Das liege daran, dass Russland auf der internationalen Bühne nicht als Freund Deutschlands angesehen werde. „Putin ist so dominant und das ist nicht richtig. Früher in der Sowjetunion hatten unsere Länder eine bessere Verbindung“, findet Werner Erfurt.

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