In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikum Frankfurt (Oder) wird eine Abteilung für psychosomatische Erkrankungen aufgebaut. „Wir verzeichnen einen steigenden Behandlungsbedarf in diesem Bereich. Da kommen zum Beispiel Eltern mit ihren Kindern zu uns, die seit Wochen an Bauchschmerzen leiden. Aber es ist keine organische Ursache zu finden“, erklärt Prof. Lothar Schweigerer.
Der erfahrene Facharzt leitet seit Juni 2019 die Frankfurter Kinder- und Jugendklinik – mit dem Ziel, diese weiter zu entwickeln. Denn die stationäre Kinderheilkunde ist im Wandel. Klassische Kinderkrankheiten werden zunehmend ambulant behandelt. Dafür erhöht sich der stationäre Behandlungsbedarf in anderen Bereichen, wie den psychosomatischen Beschwerden.

Symptome für nicht gelöste Konflikte

„Die körperlichen Schmerzen sind in vielen Fällen Symptome für nicht gelöste seelische Konflikte. Zum Beispiel, wenn Kinder unter der Trennung ihrer Eltern oder anderen familiären Problemen leiden“, weiß Prof. Schweigerer.
Die Kinder, die mit solchen Problemen zu ihm und seinen Kollegen kommen, sind in der Regel ab drei bis vier Jahre alt und älter. Bis jetzt müssen die jungen Patienten, wenn körperliche Probleme ausgeschlossen worden sind, mit der Empfehlung zur ambulanten psychotherapeutischen Behandlung entlassen werden. „Doch so kommen sie nicht aus ihrem problematischen Umfeld heraus“, sagt der Chefarzt.
Er will sein Team für die neue Klinik um Psychotherapeuten und andere Therapeuten verstärken, Schwestern und Pfleger weiterbilden. Neue Räume für zusätzliche Betten sind in der Planung.

Weil Mütter immer älter werden

Einen erhöhten Behandlungsbedarf gibt es in der Frankfurter Kinder- und Jugendklinik zudem im intensivmedizinischen Bereich. „Das hat vor allem damit zu tun, dass die Mütter hierzulande immer älter werden“, erklärt der 67-jährige Kinderarzt.
Unter den im Schnitt rund 800 Neugeborenen, die im Klinikum pro Jahr das Licht der Welt erblicken, sind immer mehr Frühgeborene. „Ab der 25. Schwangerschaftswoche haben diese heute eine reelle Überlebenschance – wenn sie in einem zugelassenen Perinatal-Zentrum der Stufe 1 behandelt werden, wie wir eines sind“, betont Prof. Schweigerer.
Zu seiner Klinik gehört auch das Sozial-Pädiatrische Zentrum (SPZ) im Alten Klinikum an der Heilbronner Straße, in dem Frühgeborene und chronisch kranke Kinder ambulant weiter behandelt werden.

Woher kommt das hohe Fieber?

Prof. Schweigerer wird sich als Referent der nächsten Sonntagsvorlesung, die am 25. Oktober, ab 10 Uhr, im Klinikum stattfindet, mit einer Frage beschäftigen, die viele Eltern interessieren dürfte: Der nach dem Fieber bei Kindern und seinen Ursachen. Hohes Fieber sei nach wie vor der häufigste Grund, weshalb Kinder ins Markendorfer Klinikum gebracht werden, erklärt der Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik.
Er will Eltern aufklären und damit sicherer im Umgang mit ihrem kranken Kind machen. „Zu 80 Prozent sind Viren Auslöser des Fiebers. Mit denen muss der Körper letztlich selbst fertig werden. Wir behandeln nur die Symptome“, sagt der erfahrene Kinderarzt. Bei ihm und seinen 15 Mediziner-Kollegen in der Klinik sei jedoch vor allem „Alarmstufe Rot, wenn ein Säugling hohes Fieber bekommt“. Dann könne nämlich auch eine Blutvergiftung die Ursache sein.

Medizinische Sonntagsvorlesung zum Thema „Fieber bei Kindern: Woher kommt es? am 25. Oktober, 10 Uhr, im Klinikum Frankfurt (Oder), Haus 5, Raum 5403.

Psychosomatische Erkrankungen


Unter psychosomatischen Erkrankungen versteht man solche, deren Ursachen sich nicht oder nicht vollständig körperlich erklären lassen. Der Begriff Psychosomatik leitet sich aus den griechischen Wörtern „Psyche" für Seele und „Soma" für Körper ab. Psychosomatik als Teilgebiet der Medizin beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen psychologischen, biologischen und auch sozialen Bedingungen von Erkrankungen. Ist das seelische Befinden erheblich gestört, äußert sich dies häufig körperlich. Umgekehrt kann eine körperliche Erkrankung einen Menschen auch seelisch aus dem Gleichgewicht bringen.