Handwerker-Serie: Kundschaft vom Nachbarn bis nach Schweden

Am Kleistpark bauen die Zimmerleute Frank Müller und Stefan Thomas ein Schleppdach auf ein Gartenhäuschen. Ansonsten decken sie meistens Holzterrassen ein und errichten Überdachungen gegen Regen.
Jan-Henrik HnidaHandwerk hat goldenen Boden“, sagt der Volksmund. Heute wollen jedoch viele junge Menschen lieber studieren, als mit ihren Händen arbeiten. Um Einblicke in Handwerksberufe zu geben, stellt der Stadtbote in einer losen Serie Betriebe vor. Heute: Zimmerei Thomas.
Noch die Stützenfüße unten dranmontieren, dann kann das Gestell hochgewuchtet und aufgestellt werden. Am Kleistpark tragen Stefan Thomas und sein Angestellter Frank Müller die Holzkonstruktion zum steinernen Gartenhäuschen. "Das wird ein Schleppdach – mit ordentlich Platz für die Mülltonnen“, erklärt Müller. Eine Woche benötigen beide für die reine Zimmerarbeit, zuvor haben sie das Nebengelass ausgemessen und die oberste Reihe der Ziegelsteine für das Dach präpariert.
Ausgebildeter Forstwirt
Stefan Thomas machte sich 2008 mit seiner Zimmerei in Pagram selbstständig, seit sechs Jahren ist er eingetragener Handwerker. Holz-, Dach- und Innenausbau sind seine Schwerpunkte. „Eigentlich bin ich ausgebildeter Forstwirt“, erklärt der 36-Jährige. Dann machte er seinen Abschluss als Zimmermann und als Bautechniker. Nun bildet er auch regelmäßig einen Lehrling aus und doziert bei der Handwerkskammer. „Das Problem ist, dass uns junge Leute fehlen“, sagt Thomas. Doch sein Drei-Mann-Betrieb – Frank Müller plus Azubi – reichen dem Zimmerer.
Sie wollen klein bleiben und sich keine riesigen Aufträge ans Bein binden. „Eher nette Sachen um die Ecke“, ergänzt Müller zwinkernd. Die halbrunde Holzbank zwischen Hauptpost und Oderturm ist ihr Werk, das Dach der Waldorfschule sanierten sie vor zwei Jahren und regelmäßig warten sie die Brücke zum Ziegenwerder – Schrauben nachziehen und die Blechabdeckung reparieren. „Im Oderbruch kam uns bei einem Hausabriss die ganze Schlacke entgegen“, erinnert sich Müller an die metallischen Rückstände.
Chemie muss stimmen
„In kleinen Betrieben achtet man mehr aufeinander“, erläutert Thomas, der Müller ungelernt einstellte. Es brauche keine fünf Abschlüsse und Zertifikate. „Es muss auf dem Bau stimmen“, sagt der Chef. Reizvoll finden beide die Abwechslung in ihrem Job. Ihre am nächsten gelegene Baustelle war direkt beim Nachbarn, nach Luckau fahren sie auch immer mal wieder. Aber der entfernteste Auftrag lag in Skandinavien. Die Frankfurter sanierten für zwei Wochen ein Holzhaus in Schweden. Über „ein paar Ecken“ kam der deutsche Hausbesitzer auf die Zimmerei Thomas. "Das A und O im Handwerk sind die Kontakte“, meint Thomas. Das merkte er auch in den Anfangsjahren. Zuerst musste er einzelne Denkmale in Cottbus sanieren, bis dann mal Frankfurter Kunden anriefen.
Nachdem die beiden das Gestell für das Vordach im Garten hochgestellt haben, machen sie erstmal Mittagspause. „Auch wir kommen in die Jahre“, sagt der 35-Jährige Müller grinsend. Die körperliche Arbeit gehe auf die Knochen. Zumindest müssen die Zimmerleute heute nicht mehr mit vier Mann die Dachbalken hochtragen, sondern behelfen sich mit einem Kran.
„Ich habe schon immer gerne mit den Händen gearbeitet“, sagt Müller – und zieht die letzten Schrauben fest. Feierabend naht.
Handwerk mit Holz
Eine Zimmerei ist ein Holzbaubetrieb, der auch darüber hinausgehende Tätigkeitsfelder wie Treppenbau und Dachdeckung ausführt. In einer Zimmerei arbeiten zumeist Zimmerer an Holzbauwerken, Holzkonstruktionen und Bauteilen. Das hauptsächlich eingesetzte Material ist Vollholz. Heutzutage werden auch andere Plattenwerkstoffe und Kunststoffe sowie Aluminium verarbeitet.⇥jhh