Handwerksmeister: Ziegel und Biber halten fit

Denkmalgeschützt: Dachdeckerchef Kurt Walter vor seinem Biberdach des Studentenwohnheims "Max-Kade-Haus" in der Berliner Straße. Eine Schwierigkeit an diesem Dach seien die Denkmalschutzbestimmungen gewesen, sagt er.
Jan-Henrik HnidaÜber den Wald entdeckte der Frankfurter seine Liebe zum Dachdecken – genauer gesagt im staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb der DDR. Denn dort war Kurt Walter Bauleiter in Müllrose. Bei der Betreuung und dem Neubau von über 300 Forsthäusern „hatte ich den ersten Kontakt mit Dachdeckern“, erzählt der 65-Jährige.
Nach seinem Abitur studierte Walter in den 80er Jahren Bauwesen. Dann arbeitete er in der Baufirma IHB-Eberswalde, die auch die Bezirks-Parteischule errichtet habe. Dann kam der Mauerfall – das Forstwesen wurde umstrukturiert, „alle Bauleitungen wurden gestrichen“, erinnert sich Walter. 60 Mitarbeiter seien auf einen Schlag entlassen worden. Doch Walter ließ sich nicht entmutigen und machte sich mit seinen Dachdecker-Kollegen aus der Forstarbeit selbstständig. Mit fünf Mitarbeitern und seinem Partner fing Walter am 1. August 1990 in Frankfurt an. Seit 2000 werden unter dem neuen Namen „Walter & Kranich“ Dächer in Frankfurt eingedeckt.
„Wir sorgen dafür, dass es von oben nicht rein regnet“, erläutert Walter gewitzt seinen Beruf. Spitzdächer mit Ziegeln, Flachdächer mit gefalzten Aluminiumblechen oder Biberdächer – stadtweit haben Walter und sein nun fünfköpfiges Team Spuren in luftiger Höhe hinterlassen. Als die Discountläden in Deutschland wie Pilze aus dem Boden sprossen, „deckten wir die Norma-Märkte ein“ – sechs Jahre lang, deutschlandweit. In der Oderstadt veredelte die Firma Häuser in der August-Bebel-Straße mit Tondachsteinen, deckte die der Maxim-Gorki-Straße 2-5 oder die Dächer der Erich-Kästner-Grundschule ein.
Für das Studentenwohnheim „Max-Kade-Haus“ – ehemaliges Georgenhospital – musste sich der Ingenieur genau mit der Unteren Denkmalschutzbehörde absprechen. "Der ganze Bau in der Berliner Straße steht ja unter Denkmalschutz“, sagt er. Dafür seien spezielle Biber – an der Unterkante halbrund geformte Dachziegel – verlegt worden. Die Biber wurden wie vor 500 Jahren hergestellt, sind stärker und größer als normale. „Die rotbunte Färbung belebt das Bild des Dachs“, beschreibt Walter.
In den 90er Jahren hatte die Firma noch 16 Mitarbeiter, nach der Gründung der GmbH waren es nur noch die Hälfte. "Es waren schlechte Arbeitszeiten damals“, sagt der Frankfurter. Dazu komme, dass nicht jeder die schwere körperliche Arbeit lange machen wolle. Jeder Ziegel müsse bis heute – trotz Lastkran – einzeln hochgehoben werden. Viele seiner Kollegen seien damals Hausmeister geworden.
Trotz mancher nicht bezahlter Kundenrechnung und einem Arbeitsunfall, der ihn zu einem dreiviertel Jahr Pause zwang, will der 65-Jährige noch mindestens zwei Jahre weitermachen. „Ich habe Spaß am Kundenkontakt“, sagt er. Manche „Trends“ mache er mit, wie energetische Dachsanierung, andere, Montage von Solaranlagen, lasse er sein.
Und nachhaltig sei das Handwerk mit den Händen. „Ich kann mit meinem Enkel durch die Straßen gehen und ihm meine Dächer von vor 20 Jahren zeigen“, erläutert der Großvater stolz. Vom Dachstuhl über die Lattung bis hin zu günstigeren Betondachsteinen oder teureren gebrannten Ziegeln – alles verbaut mit eigener Hände Arbeit.