Der 17-jährige Franz Zimmer alias Alle Farben stöbert im Hausflur in der Plattensammlung seiner Eltern. Lauschte seine Generation CDs, ist er begeistert von den alten Musikträgern,  mit ihrer kratzigen Akustik und der breiten Klangpalette. Seitdem verbringt Franz seine Freizeit in Berliner Plattenläden, hört sich durch House- und Diskoplatten.
Bis dahin verdiente er sein Geld mit Gelegenheitsjobs – zuletzt dreieinhalb Jahre als Konditor in einem Berliner Café. Zudem verkaufte er in Kneipen selbstgemachte Postkarten und malte Bilder, die er günstig verkaufte oder an Freunde verschenkte.
"Irgendwann wollte ich Musik nicht mehr nur zu Zuhause hören", sagt Alle Farben heute. Der junge Mann mischt sein erstes Mixtape (eigene Zusammenstellung von Liedern) zusammen. Erst nur für seine eigenen Ohren gedacht, lädt er die eigenen Sets (selbst produzierte Musik vor Publikum im Gegensatz zur Studioaufnahme) irgendwann auf der Online-Musikplattform SoundCloud hoch. Als Pseudonym wählt er sich als Bewunderer des Malers Friedensreich Hundertwasser zunächst "Hundert Farben", um dieses später zu "Alle Farben" umzuwandeln.
Zur gleichen Zeit wird Franz bei einem Straßenfest von einem Ladenbesitzer angesprochen, ob er nicht mal in seinem Laden im Prenzlauer Berg spielen wolle? Ab da an hat Alle Farben wöchentliche Auftritte in Szene-Clubs, seine Bekanntheit wächst. 2012 gelang ihm der Durchbruch, als er am 1. Mai beim Electro Swing Club Open Air vor 30 000 Menschen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin spielte.
Die Mischung macht’s
Dieser Erfolg ebnet ihm den Weg zu Großereignissen wie dem Karneval der Kulturen und dem Fusion Festival. Auch im Ausland  – Israel, Mallorca – trifft er den Nerv des Publikums. Alle Farben bindet neben klassischer Musik (Tschaikowsky-Zitate) auch Schlager-Hits der zwanziger Jahre in sein Programm ein. 2014 erscheint nach unzähligen Singles und Remixes mit "Synesthesia" Zimmers eigentliches Debütalbum.
Das Zusammenspiel von PC-Software wie Traktor Scratch und den Möglichkeiten des Internets bedeuteten einen uneingeschränkten Zugriff auf eine riesige Musiksammlung. So kann der Künstler heute auf Erfolge zurückblicken, wie: Auftritte vor 60 000 Menschen, 2,5 Millionen verkaufte Singles, drei Mal für den Echo nominiert und 2017 den Echo in der Kategorie "Dance National" gewonnen. Sein Künstlername scheint Programm zu sein – es kennt alle Farben und keine Grenzen: Verschiedene Genres, Live-Musiker, Sänger, Orte. Er hat Shows im Dschungel von Thailand gespielt oder im Flugzeug über den Wolken. Ebenso bekannt sind seine "6 Stunden Sessions", bei denen er die Party-Meute ununterbrochen tanzen lässt.
Gesunde Ernährung und Sport
Einmal pro Woche tritt Alle Farben momentan auf der Party-Insel Mallorca auf.  Sein Rezept zum fit bleiben?  Gesunde Ernährung und viel Sport treiben – "so halte ich mich fit und schaffe die langen Auftritte". So lässt sich auch der stressige Reise-Alltag durchhalten. "Wenn ich mittags in Freiburg auflege und abends in Berlin, steige ich in ein Privat-Flugzeug", anders sei die Entfernung leider nicht zu schaffen.
Mit seinem neuen Album "Sticker On My Suitcase" zeigt der DJ in diesem Jahr einen wichtigen Aspekt in seinem Leben: das Reisen. Denn Reisen sei mehr als nur Fortbewegung. "Unterwegs zu sein, ist genauso mein Leben, wie irgendwo anzukommen."
Auftritt von Alle Farben beim Helene Beach Festival am Sonnabend um voraussichtlich 22.35 Uhr