Herausforderung
: Słubices Krankenhaus im Umbruch

Ärztemangel und Bettenreduktion einerseits, Sanierung und Anbau andererseits - Słubice steht vor Herausforderungen.
Von
Nancy Waldmann
Slubice
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  • Neuer Job, neues Glück: Łukasz Kaczmarek ist seit einem Monat Geschäftsführer im Kreiskrankenhaus Słubice. Die Notaufnahme gehört zu seinen Sanierungsvorhaben.

    Neuer Job, neues Glück: Łukasz Kaczmarek ist seit einem Monat Geschäftsführer im Kreiskrankenhaus Słubice. Die Notaufnahme gehört zu seinen Sanierungsvorhaben.

    Nancy Waldmann
  • Krankenhaus Slubice, Kreißsaal

    Krankenhaus Slubice, Kreißsaal

    Nancy Waldmann
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Manche in Deutschland arbeitende und krankenversicherte Słubicer haben den direkten Vergleich zwischen den Häusern und teilen in einer Umfrage auf der Facebookseite „Nasze Słubice“ ihre Erfahrungen. Das Stimmungsbild ist durchwachsen. Das Essen sei schlecht,  in Frankfurt könne man wenigstens Gerichte auswählen. In Słubice warte man ewig auf Termine. „Bessere Ausstattung, mehr kassenfinanzierte Therapien, naja, und da sind unsere Ärzte“, schreibt eine polnische Teilnerhmerin, warum sie das Klinikum bevorzugt. Es gibt aber auch lobende Kommentare. Besonders die frisch sanierte Geburts- und Neugeborenenstation genießt einen guten Ruf. Auf vielen Apparaten klebt der Herz-Aufkleber der Stiftung von Jurek Owsiak, die jedes Jahr in Polen Millionen Złoty Spenden sammelt - im letzten Jahr 951. Damit rüstet sie unter anderem Krankenhäuser aufrüstet. Eine Pflegerin zeigt den Inkubator für Neugeborene.

„Uns fehlt Personal“, sagt Geschäftsführer Kaczmarek. „Drei bis vier Fachärzte könnte ich einstellen: in der Chirurgie, in der Anästhesie, in der Inneren, einen Kinderarzt.“ Anders als in Brandenburgs Krankenhäusern füllen Ärzte aus dem Ausland bislang kaum die Lücken in Polen, die der Ärzte-Abwanderung hinterlässt. 4000 bis 7500 Złoty brutto (920 bis 1700 Euro) verdient ein polnischer Arzt im Durchschnitt.

Als wäre dieses Problem nicht groß genug, treibt Kaczmarek nun der neue Personalschlüssel in der Pflege um, der seit Anfang 2019 gilt. Je nach Fachbereich 0,6 bis 0,8 Pflegekräfte pro Patient sind vorgeschrieben. „Wir erfüllen die Norm nicht“, sagt er. Auf der Station für Innere Medizin mit 35 Betten arbeiten 16 Krankenschwestern, 21 müssten es sein. Auf der Chirurgie fehlen acht Pflegekräfte. „Wir werden Betten reduzieren müssen, wie viele polnische Krankenhäuser.“

Kaczmarek, an der Viadrina ausgebildeter Jurist, hat trotz alledem viel vor in seinem neuen Job. Mitte Januar ist er als Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH angetreten, die zu hundert Prozent dem Landkreis Słubice gehört. Der 39-jährige Słubicer hat bislang den Förderverein Schlaubemündung-Odertal in Brieskow-Finkenheerd gemanagt, darunter deutsch-polnische EU-Projekte. Er ist ein Mann der Grenzregion, spricht beide Sprachen, kennt sich bestens aus mit den Förderkulissen.

Auf seinem kleinen Schreibtisch reihen sich Dokumentenstapel. Pläne und Anträge, um sein Haus, von dem außen der Putz abblättert, moderner und schöner zu machen. Auf dem Tisch liegt zum Beispiel das Projekt deutsch-polnisches Schulungszentrum für Orthopäden, das gemeinsam mit mehreren Partnern entstehen soll. Und zwar im geplanten Anbau.

Im Vorzimmer hängen Entwürfe, die das Gebäude strahlend weiß mit dem neuen Anbau mit großen Glasfronten zeigen. An der Oderseite an der jetzigen Zufahrt für die Rettungswagen soll er entstehen.

Modernisiert wird dabei das „SOR“, die Notaufnahme, in den beiden Stockwerken, darüber soll unter anderem ein neuer OP-Bereich entstehen. 10 Millionen Złoty wurden dafür beim Gesundheitsministerium beantragt. Ende März erwartet Kaczmarek die Entscheidung. Es soll noch mehr gemacht werden: neue Dämmung, die Fassade muss erneuert werden, im Idealfall kämen Solarmodule aufs Dach. Saniert werden soll auch die Chirurgie und Orthopädie, wo es teils noch 5- und 6-Bettzimmer gibt. „Wir wollen 2- bis 3-Bettzimmer mit Bad“, sagt er. Potential für Zusammenarbeit zwischen den beiden Häusern der Doppelstadt sieht Kaczmarek durchaus: „Was auf deutscher Seite fehlt, könnten wir anbieten. Und umgekehrt.“ Sprachmittler wären nötig, sagt er.

Info

■ Das Krankenhaus existiert seit 1963. 2011 gründete der Landkreis Słubice es als GmbH aus. Seit 2016 trägt es den Namen des  Herzchirurgen Zbigniew Religa.

■ Mitarbeiter insgesamt: 363

Betten: 120

■ Das Haus bietet medizinische Grundversorgung auf 6 Stationen: Chirurgie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Innere und Intensivmedizin, Gynäkologie und Kinderstation. Ambulante Sprechstunden gibt es auch in Neurologie, HNO, Urologie und Psychologie.