Hoch hinaus
: Wo die Stadt einst zu Ende war

Heute kann man von der 24. Etage des Oderturms über Frankfurt und Słubice blicken. Vor über 700 Jahren stand dort die Stadtmauer.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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  • Hoch hinaus: Vom Turm-Restaurant in der 24. Etage des Oderturms aus bietet sich den Besuchern in fast 90 Metern Höhe eine fantastische Sicht über Frankfurt, Slubice und das Oderland.

    Hoch hinaus: Vom Turm-Restaurant in der 24. Etage des Oderturms aus bietet sich den Besuchern in fast 90 Metern Höhe eine fantastische Sicht über Frankfurt, Slubice und das Oderland.

    René Matschkowiak
  • Kellnerin Anita Kolman serviert im am höchsten gelegenen Restaurant der Stadt. Sie kommt aus Kostrzyn, wohnt aber in Frankfurt.

    Kellnerin Anita Kolman serviert im am höchsten gelegenen Restaurant der Stadt. Sie kommt aus Kostrzyn, wohnt aber in Frankfurt.

    René Matschkowiak
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Dort befindet sich seit anderthalb Jahren das „Turm-Restaurant“, in das vor allem Frankfurter und Słubicer einkehren, wie Kellnerin Anita Kolman erzählt. Die 29-Jährige arbeitet seit gut einem Jahr in dem Lokal in luftiger Höhe. Große Touristengruppen kämen ebenfalls ab und zu. Was alle eint: Sie machen gerne Fotos von dem Ausblick über Frankfurt, die Oder und Słubice. Auch viele ältere Gäste, die das einstige Hochhauscafé und die Grillbar noch aus früheren Zeiten kennen.

„Oft kommen Leute, die hier geboren sind, jetzt zum Beispiel in Hamburg wohnen, und gucken, wie es jetzt aussieht“, erzählt die Mitarbeiterin, die aus der Nähe von Kostrzyn kommt.

Direkt nach seinem Bau zwischen 1968 und 1976 beherbergte der Oderturm – der so erst seit der Neueröffnung im August 2003 genannt wird – ein Jugendtourist-Hotel mit 160 Plätzen und ein Wohnheim für das Halbleiterwerk mit 274 Plätzen. Ohne Aufbauten war der Oderturm mit seinen 25 Etagen – die oberste ist die Techniketage – und 88,95 Metern Höhe der höchste Gesellschaftsbau des Bezirks Frankfurt.

Entworfen wurde das Hochhaus, so Targiel, von Hans Tulke und seinen Kollegen vom einstigen Betriebsteil des VEB Wohnungsbaukombinates Frankfurt. Der 2007 verstorbene Architekt wandte eine Kombination von Gleitbau und Montage als Bauweise an. Für die zweistöckige Umbauung mit „standardisierten Stahlbetonelementen“ war der Architekt Paul Teichmann verantwortlich. In der Umbauung waren damals das Datenverarbeitungszentrum, eine Selbstbedienungsgaststätte, ein Reisebüro, Kioske, Kaufläden und – wie auch heute noch – die Buchhandlung „Ulrich von Hutten“ untergebracht. Die von Hans Tulke noch für spätere Bauabschnitte geplanten Arkaden und Passagen entstanden erst mit dem umfassenden Umbau von 1992 bis 1994.

Ballhaus, Lazarett, Kuhstall

Springt man noch einmal weiter zurück in der Geschichte, wird klar, dass das Areal schon immer bedeutsam war: 1675/76 entstand an der Nordseite des heutigen Oderturms ein Ballhaus. Dort wurde 1755 das erste deutschsprachige bürgerliche Trauerspiel, „Miss Sara Sampson“ von Gotthold Ephraim Lessing uraufgeführt. Zwölf Jahre später wurde das Gebäude zu einem katholischen Bethaus umgebaut. Am gläsernen Haupteingang des Oderturms stand einst ein Lazarett, 1925 das Reichsbankgebäude. 1948 wurde an der Ecke Logenstraße/Karl-Marx-Straße ein Gebäude für die Oderlandschau errichtet – während der Messe waren dort Kühe untergebracht, weshalb das dortige Kaufhaus im Volksmund Kuhstall genannt wurde. Der „Stall“ wurde später für den Oderturm abgerissen.

Fotos vom Ausblick

42 000 Quadratmeter für Arztpraxen, Büros und mehr bietet der Komplex heute. Am östlichen Eingang befindet sich rechter Hand neben anderen gastronomischen Anlaufpunkten das Turm Café. Es bildet mit dem Turm Restaurant eine Klammer – beide gehören zusammen. Oben, in der 24. Etage, gibt es täglich Frühstück vom Buffet. Reservierungen empfiehlt Anita Kolman eine Woche im Voraus. Bis spät abends können Gäste die Aussicht genießen – und manchmal auch jene, die es (noch) nicht sind. Wenn das Restaurant voll ist, sei es zwar nicht so gern gesehen, wenn jemand lediglich vorbeikommt, um ein Foto zu machen. „Man kann aber auch nur mal gucken, wenn keine Gäste da sind oder nur wenige“, sagt sie.

Öffnungszeiten und Anfahrt

Geöffnet hat das Turm-Restaurant werktags bis 22 Uhr, freitags und sonnabends bis 23 Uhr und sonntags bis 20 Uhr. Werktags von 8-11 Uhr, sonnabends und sonntags von 9–11.30 Uhr gibt es ein Frühstücksbuffet. Zum Oderturm komm kommt man besten mit der Straßenbahn (Linie 2 und 3, Haltestelle Oderturm). In der Tiefgarage, im Parkhaus in den Lenné-Passagen sowie auf dem Brunnenplatz stehen zudem viele Parkplätze bereit. Es empfiehlt sich die Anfahrt über die Heilbronner Straße. Die Karl-Marx-Straße ist zurzeit gesperrt.⇥thg