Hochwasser an der Oder
: In Frankfurt (Oder) stehen Kies und Sandsäcke bereit

Update 18 Uhr: Frankfurt (Oder) stellt für das drohende Hochwasser Sandsäcke bereit – der Andrang ist groß. Auch eine Hotline wird eingerichtet und Anwohnerversammlungen sind geplant.
Von
Leonard Palm,
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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Vorbereitung aufs Hochwasser: Am Stadion in Frankfurt (Oder) wurden am Mittwochnachmittag Hunderte Jutesäcke mit Sand befüllt.

Vorbereitung aufs Hochwasser: Am Stadion in Frankfurt (Oder) wurden am Mittwochnachmittag Dutzende Jutesäcke mit Sand befüllt.

Philipp Stepputtis
  • Sandsäcke und Kies in Frankfurt (Oder) gegen Hochwasser verfügbar.
  • Erste Ausgabe am Stadion der Freundschaft, täglich 17-18 Uhr.
  • Hotline ab 19. September für Fragen und Hilfe freigeschaltet.
  • Anwohnerversammlungen am 20. September zur Information.
  • Feuerwehr und Stadt unterstützen ältere und mobilitätseingeschränkte Bewohner.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Anwohner in Frankfurt (Oder), die vom drohenden Hochwasser an der Oder betroffen sind, können sich ab sofort kostenlos mit Sandsäcken und Kies eindecken. Am Dienstagnachmittag (17.9) wurde die erste Ausgabestelle am Parkplatz am Stadion der Freundschaft aufgeschüttet. Bis auf Weiteres werden dort auch täglich von 17 bis 18 Uhr Sandsäcke ausgegeben. „Diese kostenfreien Materialien dienen dem Eigenschutz von Häusern im durch Hochwasser besonders bedrohten Stadtraum“, heißt es von der Stadt. Dazu gehören in erster Linie der Buschmühlenweg und die Fischerstraße.

Am Dienstagabend kamen bereits erste Anwohner aus dem Buschmühlenweg mit Schubkarren vorbei. Und sie zeigten sich angesichts des eher bescheidenen Kieshaufens – rund 12 Kubikmeter  – zunächst skeptisch: „Der Sandhaufen hier reicht vielleicht für ein einziges Haus …“.

Wie können sich betroffene Anwohner am besten schützen?

Christian Schulz von der Berufsfeuerwehr, der Jutesäcke brachte, gab jedoch sogleich Entwarnung. Mehr Sand werde bald geliefert, versicherte er. Tatsächlich gab die Stadt dann am Mittwoch (18.9.) weitere Kiesentnahmeplätze bekannt. Diese befinden sich an der ehemaligen Stadthalle, am Sportplatz Buschmühlenweg, an der Abfahrt Güterbahnhof sowie an der Straße Am Zwickel in Richtung Güldendorf. Dort können sich Betroffene jederzeit mit Kies versorgen, wovon diese am Mittwochnachmittag auch rege Gebrauch machten. Am Stadion, aber auch an den anderen Entnahmeplätzen herrschte großer Andrang, zahlreiche Betroffene und Helfer schippten Kies.

Christian Schulz konnte noch am Dienstag auch einer Seniorin helfen, die sich darüber beklagte, dass sie die Sandsäcke nicht mehr selbst schleppen könne. Der Feuerwehrmann reagierte prompt, begleitete die Dame bis vor ihr Haus und versprach, am nächsten Tag Sand direkt vor die Haustüren der ältesten Anwohner im Baumschulenweg zu liefern.

Feuerwehrmann Christian Schulz hilft spontan betagteren, hochwasserbedrohten Anwohnern

Feuerwehrmann Christian Schulz half am Dienstag spontan den vom Hochwasser bedrohten Anwohnern im Buschmühlenweg mit ihren Anliegen.

Leonard Palm

Technische Anlagen werden überprüft

Bereits bei der Pressekonferenz der Stadt zur Hochwasserlage wenige Stunde zuvor hatte er auf mögliche Eigenschutzmaßnahmen an den neuralgischen Punkten Buschmühlenweg und Fischerstraße hingewiesen. Betroffene sollten sich fragen: Wo befinden sich die Hausanschlüsse und Heizungsanlagen und wie sind diese gesichert? Welche möglichen Schäden (auch für die Umwelt) könnten bei einem Wassereintritt entstehen? Ulrike Bölike von der Netzgesellschaft Frankfurt (Oder) hatte in dem Zusammenhang darüber informiert, dass man dabei sei, die technischen Anlagen von Anwohnern im Buschmühlenweg zu überprüfen und auf diese zukomme.

Gerd Weber, Geschäftsführer der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft (FWA) erklärte, dass das Wasser im Buschmühlenweg wenn, dann vor allem von unten nach oben drücke. Dennoch sei es sinnvoll, Sandsäcke vor die Eingänge einer Garage oder Kellerfenstern zu legen, damit das Wasser nicht in tiefergelegene Bereiche fließen könne.

Wie man einen Sandsack richtig befüllt

Auf vielfache Nachfrage veröffentlichte die Stadt am Mittwoch auch einen Leitfaden für das richtige Befüllen eines Sandsackes. Entscheidend sei demnach der richtige Füllgrad. „Sind die Sandsäcke zu gering gefüllt, ist dies unwirtschaftlich und es werden an einer Einsatzstelle zu viele Sandsäcke benötigt. Sind die Sandsäcke zu voll, können sie nicht sinnbringend verlegt werden. Ein optimaler Sandsack ist zu 50 Prozent gefüllt und sollte immer verschlossen werden“, erklärt die Verwaltung.

Ein so gefüllter Sandsack wiege etwa zehn Kilogramm bei einem Leermaß von 30 mal 60 Zentimetern, zwölf Kilogramm bei einem Leermaß von 40 mal 60 Zentimetern. „Die Füllung zur Hälfte ist für den Verbau wichtig, da der Sandsack auf diese Weise nicht zu prall ist. Dicht an dicht verlegt bilden die Sandsäcke dann einen engen, schlüssigen Verbund untereinander.“

Stadt schaltet zentrale Rufnummer zum Hochwasser frei

Die Stadtverwaltung Frankfurt (Oder) hat unterdessen auch eine zentrale Rufnummer zum Hochwasser freigeschaltet. Unter der 0335 565-3705 können potenziell Betroffene ab Donnerstag, 19. September, bis auf Weiteres täglich von 8 bis 20 Uhr Fragen und Probleme loswerden und gegebenenfalls auch praktische Hilfe anfordern.

„Insbesondere Ältere sowie Personen mit Mobilitätseinschränkungen und chronischen Erkrankungen mit Wohnsitz im gefährdeten Bereich der Stadt erhalten hier praktische Unterstützungen bei Maßnahmen zum Selbstschutz sowie bei gesundheitlichen Risiken“, heißt es vonseiten der Stadt. Die Hotline werde in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz betreut.

Anwohnerversammlungen am Stadion und an der Konzerthalle

Darüber hinaus lädt die Stadtverwaltung für Freitag, 20. September, zu zwei Anwohnerversammlungen ein, bei denen sich Frankfurter, die von der Hochwasserlage direkt betroffen sind, zu aktuellen und weiteren Schritten informieren sowie Fragen stellen können. Die erste Versammlung findet von 14 bis 15.30 Uhr auf dem Vorplatz am Stadion der Freundschaft (Buschmühlenweg 172) statt, die zweite Versammlung dann im Anschluss von 16 bis 17.30 Uhr im Wirtschaftshof der Konzerthalle (Lebuser Mauerstraße 4). Oberbürgermeister René Wilke wird mit Vertretern aus den am Krisenmanagement beteiligten Institutionen von Ort sein.

Am Mittwochmittag (18.9.) überschritt der Pegel in Frankfurt (Oder) die 3-Meter-Marke. Das Landesamt für Umwelt (LfU) sagt für Donnerstag (19.9.) ein Anstieg des Wassers bis auf 3,90 Meter voraus, am Freitag (20.9.) soll Alarmstufe 1 erreicht werden (4,20 Meter). Laut den Prognosen des LfU, die sich mehrmals täglich ändern, flache der Anstieg am Wochenende zunächst wieder etwas ab. Am Montag und Dienstag könnte das Wasser dann jedoch den Richtwert für die Alarmstufe 3 (5,30 Meter) überschreiten. Auch das Ausrufen der Alarmstufe 4 (6 Meter) sei weiterhin möglich, wie Oberbürgermeister René Wilke am Mittwoch informierte.