Für Kosmetikmeisterin Anika Breetsch aus Frankfurt (Oder) ist es eine turbulente Woche. Immer wieder muss sie die Behandlung einer Kundin unterbrechen, um Sachspenden anzunehmen. Andrea Sommer kombiniert am Mittwoch beides: Sie hat einen Termin im Studio „Kosmetikeule“ und gibt zuvor Wasser, Hygieneartikel und Gummistiefel bei Anika Breetsch ab. Deren Salon ist die Frankfurter Annahmestelle der Spendenaktion von „Handwerk hilft“.

Spendenkonto

Spendenkonto Hochwasserhilfe
Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021

Was gebraucht wird, ist mit der Koordinierungsstelle auf dem Nürburgring abgestimmt

„Gummistiefel brauchen sie im Hochwassergebiet ganz dringend“, weiß Anika Breetsch. Seit Montag hat sie von morgens bis abends Sachspenden, kein Geld, entgegen genommen. Die Spender seien nicht nur ihre Kunden, sondern auch andere Menschen aus Frankfurt, Eisenhüttenstadt und sogar Berlin, erzählt die Kosmetikerin. Die Wichern-Diakonie habe unter anderem Lampen gespendet. „Das finde ich ganz großartig“, so Breetsch.
Ihr Handwerkerkollege, der Lebuser Malermeister Sven van Dyk, hat mit der Koordinierungsstelle für die Hochwasserhilfe auf dem Nürburgring abgestimmt, was aktuell im Hochwassergebiet am meisten benötigt wird: Gummistiefel, Eimer, Besen, Handfeger, Schippen, Grubenlampen, Reinigungsmittel und Kosmetikartikel. Und Wasser. „Die Trinkwasserversorgung ist ja, ebenso wie die Stromversorgung, noch immer unterbrochen“, erklärt van Dyk.

Am Freitagmorgen geht es auf die 750-Kilometer-Tour an die Ahr

Er hat am Mittwoch mit zwei Helfern im Spenden-Lkw am Lebuser Kulturhaus viele Sachspenden entgegen genommen. Am Freitagmorgen starten Anika Breetsch, Sven van Dyk, Christian Borngräber und der 13-jährige Sportschüler Ryan Thiel aus Lebus sowie Mike Otto und Jan Augustyniak, Stadtverordneter der Linken aus Frankfurt, mit zwei Fahrzeugen auf die 750-Kilometer-Tour nach Rheinland-Pfalz.
Denn die Akteure der „Handwerk hilft“-Spendenaktion aus Lebus und Frankfurt (Oder) wissen genau, wohin sie die Sachspenden bringen sollen: Nach Adenau und Altenahr, zwei Orte im vom Hochwasser besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler.

Hausrat wird nicht angenommen

Ihre Freitags-Kunden musste Anika Breetsch deshalb um Umbestellung bitten. „Sie hatten großes Verständnis. Das ist total toll“, freut sich die Kosmetikerin. Es hätten allerdings auch Menschen vor ihrem Studio gestanden, die sauer waren, weil sie ihre Bettwäsche nicht abgeben durften, weil diese nicht gebraucht wird. „Wir machen uns nicht den Transporter voll mit Sachen, die wir dann wieder mit zurücknehmen müssen“, bittet Anika Breetsch um Verständnis. Nicht umsonst werde immer wieder betont, dass man nicht auf eigene Faust in die betroffenen Gebiete fahren und Spenden abgeben soll.

Ein Abstecher zur Tochter einer Podelzigerin

Sicher scheint inzwischen, dass der Spenden-Transport einen kleinen Abstecher machen wird – nach Bad Neuenahr im Landkreis Ahrweiler. Dort lebt die Tochter einer Podelzigerin, weiß Sven van Dyk seit Mittwoch von deren Freundin. Der Kontakt zur Tochter sei abgebrochen, seit deren Handy-Akku leer ist, die Mutter ist in größter Sorge.

„Mutti, ich kriege die Bilder von vorbei schwimmenden Leichen nicht aus dem Kopf“

Zum letzten, was die Podelzigerin von ihrer Tochter gehört haben soll, gehöre der Satz: „Mutti, ich kriege die Bilder von den vorbei schwimmenden Leichen nicht aus dem Kopf“, erzählt der sichtlich erschütterte Lebuser. Er will zur Tochter fahren, Power-Banking-Batterien fürs Handy-Laden und andere Hilfsgüter aus der alten Heimat übergeben.
Seine eigene Frankfurter Malerfirma hat der Innungs-Obermeister für die Renovierung einer Kita im Hochwassergebiet angemeldet. Und abgestimmt, dass mit Mitteln aus dem Fonds von „Handwerk hilft“ Kindereinrichtungen in selbigem unterstützt werden.
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