Normalerweise ist es gesetzlich vorgeschrieben, dafür persönlich vorbeizukommen. Doch die Öffnungszeiten der Arbeitsagentur waren durch Corona ausgesetzt und auch jetzt sollen Termine vor Ort so gering wie möglich gehalten werden.
Deshalb ist es in dieser Zeit möglich, sich telefonisch oder online zu melden. Was dann jedoch noch fehlt, ist die Identitätsprüfung. Dafür bietet die Agentur für Arbeit seit vier Wochen das "Selfie-Ident-Verfahren" an. Antje Wünsch hat, wie alle anderen, die sich in der Corona-Zeit arbeitslos gemeldet haben, einen Brief mit dieser Information und einem QR-Code zum Scannen bekommen. "Ich habe mir die App runtergeladen und dann gab es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die mich super leicht durch die Anwendung gebracht hat", erzählt die 33-Jährige. So musste sie im ersten Schritt ein Video von der Vorderseite ihres Ausweises machen, im zweiten von der Rückseite und zuletzt ein Selfie oder eine Aufnahme von sich selbst. Für den ersten Schritt brauchte sie ein paar Anläufe, trotzdem dauerte das Verfahren nicht länger als eine Viertelstunde, erzählt die Frankfurterin.
Kurz danach bekam sie direkt eine Benachrichtigung, dass die Identifizierung geklappt hat. Das Programm ist computergestützt, erklärt Clarissa Matos Bernal, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Frankfurt. Durch das Videoformat werde ausgeschlossen, dass gefälschte Dokumente durchgehen. Wichtig ist dabei das holografische Merkmal auf Ausweis oder Pass. Manche ausländische Dokumente hätten ein solches nicht, dann könne es zu einer Fehlermeldung kommen.
Seit zehn Jahren arbeitet Antje Wünsch in der Saison in Österreich,  vorher als Küchenchef, zuletzt als Souschef. Immer musste sie sich zweimal im Jahr persönlich bei der Arbeitsagentur melden, dafür erst einmal in die Stadt fahren, einen Parkplatz suchen, sich anmelden, im Wartebereich sitzen und konnte sich erst dann identifizieren. Das hat in den vergangenen Jahren jedes Mal ungefähr eine halbe Stunde länger gedauert als jetzt per App.

Befristet bis Ende September

"Das kann jeder, der ein Smartphone hat und die Kamera bedienen kann", sagt sie. Mit den ersten Nutzerzahlen ist man ganz zufrieden, obwohl es ruhig noch mehr Nutzer sein könnten, sagt Clarissa Matos Bernal. Antje Wünsch würde das Verfahren mit dem Handy auf jeden Fall immer wieder machen, würde sich regelmäßig Weg und Wartezeit sparen. Zunächst ist es jedoch bis 30. September befristet. Es sei eine politische Entscheidung, ob dieser vereinfachte Identifizierungsprozess auch danach weitergeführt wird, sagt die Pressesprecherin. Noch gebe es dafür keine gesetzliche Grundlage.