Imker: „Ein bisschen Unordnung gehört in jeden Garten“

Der Imker Maik Zehm genießt die Sonne im Interkulturellen Garten der Frankfurter Volkshochschule. Dort bildet er an sechs Bienenstöcken künftige Imker aus.
René MatschkowiakViele Frankfurter kennen Maik Zehm vom Grünen Markt, wo er seinen Honig verkauft. Im Jahr 2012 hat sich der leidenschaftliche Hobby-Imker dann auch dem Nachwuchs verschrieben. Mit seinem früheren Imkerverein, in dem er Vorsitzender war, klappte das nicht so gut. Deswegen gründete Zehm damals einen neuen Verein. Die „Bienenfreunde Frankfurt“ haben es seitdem auf 58 Mitglieder gebracht.
Fast alle dieser Imker wurden von ihm persönlich in die faszinierende Welt der Bienen eingeführt. Den Erfolg der Seminare, die es seither an der Volkshochschule gibt, hatte er nicht vorausgesehen. „Beim ersten Kurs haben sich fast 30 Interessenten bis aus Schwedt und Cottbus gemeldet“, erinnert er sich. Mittlerweile gibt es eine Obergrenze von 14 Teilnehmern. Der aktuelle Kurs ist wieder ausgebucht. „Ich begleite die Teilnehmer durch ein ganzes Bienenjahr, vorher gibt es etwas Theorie.“
Die sechs Bienenvölker, die zur Ausbildung der Neu-Imker dienen, stehen im interkulturellen Garten der Volkshochschule. Nur zwei von Zehms Schülern der vergangenen Jahre haben nicht weitergemacht. Denn sie hatten allergisch auf Stiche der Bienen reagiert. Außerdem gibt Zehm Kurse für Kinder im Jugendwaldheim in Müllrose.
Am Tod der Bienen ist die Varroamilbe Schuld, die in den 70er Jahren eingeschleppt wurde. Imker können sie bekämpfen. Die Milbe tatsächlich auszurotten gelingt Forschungsinstituten jedoch seit Jahrzehnten nicht. „Die meisten Neu-Imker halten sich etwa fünf Völker“, so Zehm. Was wenig, jedoch im Sinne der Erhaltung der Artenvielfalt sei. „Besser ich habe zehn Imker mit fünf Völkern an verschiedenen Orten, als einen mit fünfzig an einem Ort“, sagt Zehm. Allerdings werde es auch für die Bienen nicht leichter. „Was wir da draußen erleben, ist die grüne Hölle. Viel Korn und Mais auf den Feldern und keine Blühstreifen“, sagt Maik Zehm. Mittlerweile sind die Stadt und der Friedhof bienenfreundliche Orte, weil dort oft noch Blumen gepflanzt werden. Aber auch das lasse nach. Der deutsche Ordnungssinn stehe der Bienenfreundlichkeit auch im Garten entgegen, findet er. Jedes Unkraut werde ausgerissen, der Rasen – natürlich ohne Wildblumen – möglichst kurz gehalten. Zehm ruft dazu auf, Artenvielfalt auch in der eigenen Parzelle zu fördern: „Ein bisschen Unordnung gehört in jeden Garten.“
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Hier beginnt der Infotext fett und danach wieder normal⇥Autor XXX