René Wilke Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), überließ es am Montagabend, beim Bürgergespräch im Markendorfer Feldsteinhaus, TeGeCe-Geschäftsführer Holger Müller, dem Ortsbeirat und den anwesenden Bürgern die gute Nachricht zu überbringen. Die heißt: Es gibt Bewegung in Sachen Marktbau an der B87.
In einer Gesprächsrunde am selben Tag habe ihm der potenzielle Investor mitgeteilt, dass man „den Schwerpunkt nicht mehr auf Aldi lege“, berichtete Müller. Der Discounter war bislang der wichtigste potenzielle Mieter in der geplanten Nahverkaufseinrichtung für den Investor. Daneben soll es einen Getränkemarkt geben. Dafür sei Getränke-Hoffmann faktisch gesetzt, ließ der TeGeCe-Geschäftsführer durchblicken. Als Dritter im Bunde wird ein Drogeriemarkt favorisiert.

Gespräche mit anderen Discountern neben Aldi

Die „Probleme mit Aldi“ seien nach einem personellen Wechsel an der Spitze des Unternehmensbereiches deutlich geworden, der für die Standortentwicklung zuständig ist, machte Holger Müller deutlich. Jetzt hätten Vertreter anderer Discounter mit an seinem Tisch gesessen, so der TeGeCe-Chef. Er sprach von Lidl und Netto.
„Der Investor will bauen“, ist sich Holger Müller sicher. Denn bei einer Rückabwicklung des Grundstücksverkaufs würde er die Investition in den Bau der Ersatz-Parkflächen auf der gegenüberliegenden Seite, direkt vorm Technologiecenter, nicht zurück bekommen, nannte der TeGeCe-Geschäftsführer ein stichhaltiges Argument. An dem Parkplatzbau habe sich der Investor freiwillig „signifikant beteiligt“, informierte er und erinnerte: Bis kurz vor Corona sei die Welt auch im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der Nahverkaufseinrichtung in Markendorf noch in Ordnung gewesen: Der Investor hatte den Kaufpreis für das im Juni 2019 vom TeGeCe veräußerte Parkplatzareal an der Straßenbahn-Haltestelle überwiesen und den Bauantrag beim Bauamt der Stadt eingereicht.
Doch es hätten Unterlagen gefehlt, die nachgefordert wurden, berichtete der Oberbürgermeister in der Runde. Nach Pfingsten kam das Projekt seitens des Investors ins Stocken. Der OB sprach von einem offenbar weit verbreiteten Irrtum im Zusammenhang mit dem Projekt: „Wir haben die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Marktbau geschaffen. Aber ob gebaut wird oder nicht, das liege nicht in der Verantwortung der Stadt“, so Wilke mit Blick auf immer wieder geäußerte Vorwürfe an die Verwaltung.

Befürchtungen im Stadtteil Süd

Es habe mehrere potenzielle Standorte für den Neubau eines Versorgungszentrums gegeben. Die Verantwortlichen der Stadt hätten Markendorf, dem inzwischen einwohnerstärksten Ortsteil, den Vorrang gegeben, so der OB. Im Stadtteil Süd gebe es Befürchtungen, dass dem dortigen Einzelhandel Kaufkraft entzogen wird, weiß Wilke.
Markendorfs Ortsvorsteher Dieter Rudolf hatte die rund 25 Teilnehmer des Bürgergesprächs mit der Bemerkung begrüßt, er sei „enttäuscht, dass wir im Sommer nicht den ersten Chip in den Einkaufswagen im Markendorfer Markt schieben konnten“. Er bezog sich damit auf eine Äußerung von Holger Müller aus dem vorigen Jahr. Der TeGeCe-Geschäftsführer hatte sich nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages zuversichtlich gezeigt, „dass das Einkaufen im Ortsteil ab Mitte 2020 möglich sein“ werde.
Am Montag erklärte Holger Müller, bis zum Jahresende werde die Entscheidung fallen, welcher Discounter sich in Markendorf ansiedeln will. Das hieße, es gäbe etwa ein Jahr Verzögerung für den Marktbau. Wobei nicht sicher sei, „ob der Bauantrag mit Aldi 1:1 auf einen anderen Discounter übertragbar“ ist. Es könnten Änderungen nötig werden. Der Investor habe ihm am Montag aber versichert, es werde schon gebaut, wenn nur zwei der drei Mieter für den Versorgungskomplex fest stehen.
Sollten alle Stränge reißen, fällt das Grundstück Ende 2023 ans TeGeCe zurück. Das sehe die sogenannte Rückfallklausel im Kaufvertrag vor. Er regele zudem, dass auf dem Grundstück nur ein Versorgungsmarkt und nichts anderes gebaut werden darf und verbiete den Weiterverkauf, so Holger Müller.