Investitionen
: Frankfurter Brauerei will den amerikanischen Markt beliefern

Holding wird über die Stadt Charlotte in North Carolina den amerikanischen Biermarkt beliefern.
Von
Ralf Loock
Frankfurt (Oder)
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Gewaltige Anlage: Die Luftaufnahme zeigt die Frankfurter Brauerei im Norden der Stadt an der Straße in Richtung Lebus und Seelow.

Winfried Mausolf

Die Brauerei–Holding TCB Beverages will den US–Markt für sich erschließen. Das Unternehmen, zu dem auch das Frankfurter Brauhaus gehört, verfügt über weitere Produktionsstandorte in Dresden, Hannover und in Champigneulles (Frankreich). US–Medien berichteten ausführlich über die Pläne, die TCB wolle mit einer eigenen Produktion in der Stadt Charlotte, North Carolina, in den US–amerikanischen Biermarkt eintreten. Verkaufen wolle das Frankfurter Unternehmen sein Gilde–Pilsener aus Hannover. TCB–Geschäftsführer Mike Gärtner sagte dazu auf MOZ–Anfrage, dass der US–Markt zunächst durch den Export der Biere erschlossen werden soll. Dabei wird man Schritt für Schritt vorgehen: „Wenn die Einwohner in North und South Carolinas unser Bier so ins Herz schließen wie die Hannoveraner, wird eine kleine Gasthausbrauerei folgen.“ In den US–Medien konnte man schon von Plänen zum Bau einer neuen Brauerei lesen. „Aber das ist Zukunftsmusik und letztlich werden die Kunden entscheiden, wie viel Gilde in den USA getrunken wird“, betonte Mike Gärtner dazu im Gespräch.

Mitte Juli trafen die ersten beiden Container in North Carolina ein. Charlotte als größte Stadt in den beiden Bundesstaaten ist nicht zufällig das Ziel dieser Reise. Innerhalb der TCB–Holding sei die Wahl auf das Gilde–Pilsener gefallen, denn Gilde und die Stadt Charlotte hatten eine gemeinsame Königin, „die im Fall von Charlotte sogar die Namensgeberin der Stadt wurde, die englische und hannoversche Königin Charlotte von Mecklenburg–Strelitz“, erläuterte Mike Gärtner. Die traditionsreiche niedersächsische Brauerei, die auch international bekannt ist, wurde von den Frankfurtern im Sommer 2015 gekauft und gehört seit Januar 2016 zum Konzern. Gilde–Pilsener, Hannover und Niedersachsen sind in den USA deutlich bekannter als der Dreiklang Frankfurter Pilsener, Frankfurt (Oder) und Brandenburg.

Brauhaus produziert für Lidl

In den US–Berichten wird auch darauf verwiesen, dass die deutsche Discounter–Kette Lidl in den USA weiter wachsen will. Für diese stellt die TCB–Holding verschiedene Biere in Deutschland her. „Lidl ist seit 2017 in den USA präsent und betreibt derzeit mehr als 65 Filialen an der Ostküste der Vereinigten Staaten“, teilte Mario Köhler von der Pressestelle des Unternehmens mit. Zur Zusammenarbeit mit einzelnen Lieferanten und zu den Expansionsplänen möchte Lidl sich nicht äußern.

Die Frankfurter Brauerei–Holding beliefert bereits die Märkte in China und Russland mit seinen Bieren, das Werk in Frankreich bedient den südeuropäischen Raum. In den USA würde das Unternehmen aus der Oderstadt auf wahre Brauerei–Giganten stoßen. Der gute Ruf des deutschen Bieres spiegelt sich nicht in der US–Topliga wider. Die Massenbiere Bud Light, Coors Light und Miller Lite beherrschen den Markt. In den USA werden in mehr als 1700 Werken rund 230 Millionen Hektoliter Bier hergestellt – mehr als doppelt so viel wie in Deutschland. Zum Vergleich: Die gesamte Holding Frankfurter TCB hat 2016 8,5 Millionen Hektoliter Bier gebraut. Dabei wächst der US–Biermarkt, nach Medienberichten sind weitere 750 Brauereien in Planung. Nicht nur ist der Schiffstransport lang, auch der Weg vom Importeur über Lieferanten und Einzelhändler bis zum Verbraucher verteuert mit jeder Stufe das Bier. Wenn eine Discounter–Kette dort wachsen und ein eigenes, preiswertes Bier anbieten möchte, dann wäre eine Brauerei vor Ort sicher eine Option.