Jubiläum: Ausgewiesener Polen-Kenner wird 85 Jahre alt

Hat im Laufe seines Lebens viele dieser Bücher, unter anderem Reiseführer und Essays, selbst geschrieben: Jörg Lüderitz. Auch eine Biografie hat er verfasst.
Jörg Kotterba/MOZJörg Lüderitz ist von inniger Liebe zur Neumark, zu seiner einstigen Heimat erfüllt“, sagt der polnische Historiker Prof. Dr. Leszek Mrozewicz. Und lobt damit einen Polen-Kenner, wie es sie nur handverlesen in Frankfurt gibt.
Lüderitz wurde am 9. Januar 1935 im damals deutschen Rostin (heute polnisch: Roscin) geboren.18 Bücher hat der gelernte Buchhändler über die Menschen und das Land ostseits der Oder geschrieben, darunter Orts- und Wanderführer und „Heimatklänge – Sagen und Bilder aus der Geschichte der Neumark“. Auch eine literarische Anthologie und zwei Neuausgaben von Büchern seines Großvaters, des neumärkischen Heimatforschers Paul Biens, gehen auf das Konto des emsigen Mannes. Heute feiert er seinen 85. Geburtstag.
„Heimat Brandenburg“ titelte Jörg Lüderitz seine Autobiographie, die in deutscher und polnischer Sprache erschien. Darin stehen zwischen zwei Buch-deckeln die Stationen seines Lebens. Die so typisch sind für eine Generation, deren Alltag von zwei Diktaturen, von Flucht und Vertreibung bestimmt wurde.
„Schon als junger Mann habe ich mich intensiv mit der Mark Brandenburg und ihrer im 20. Jahrhundert von Brüchen geprägten Geschichte auseinandergesetzt“, erzählt Lüderitz in seiner Wohnung an der Kleinen Oderstraße. Er fühle sich als Mittler zwischen Polen und Deutschland. Dafür wurde er bereits 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Für sein Engagement, Polen und Deutsche friedlich zusammenzubringen, wie es in der Begründung hieß.
Seit 1954 in Frankfurt
Nach Frankfurt kam Jörg Lüderitz 1954. „Da beendete ich den letzten Teil meiner Lehrzeit in der Hutten-Buchhandlung. Von da an ließ mich die Stadt nicht mehr los.“ Fachgebietsleiter für Literaturvertrieb und -propaganda in der Bezirksdirektion des Volksbuchhandels war Lüderitz bis 1991. „Wir saßen in der Oderallee, der heutigen Lindenstraße 28, im Türmchenhaus.“ In DDR-Zeiten waren dort der Allgemeine Deutsche (DDR-)Nachrichtendienst und die Bezirksdirektion der Volksbuchhandels untergebracht.
Lüderitz schreibt seit mehr als einem Vierteljahrhundert Reiseführer und Essays über die Region jenseits der Oder. Die erforscht er oft mit dem Fahrrad. Auf seinen Touren habe er sich immer bemüht, Kontakte zu den Bürgern seiner einstigen Heimat zu knüpfen, lobte schon vor Jahren Historiker Leszek Mrozewicz. „Er war fest davon überzeugt, dass diejenigen, die sich in der einstigen Neumark angesiedelt hatten – zum großen Teil Umsiedler aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten – genau dieselben Erfahrungen und Erlebnisse hinter sich hatten wie er selbst und dass sie – auch wie er – Sehnsucht nach der verlorenen Heimat verspürten.
Trotz seines hohen Alters wird der rüstige Rentner auch in diesem Jahr Historisches über das Land östlich und westlich von Oder und Neiße weitergeben. Kommenden Monat hat ihn der Freundeskreis Haus Brandenburg nach Fürstenwalde eingeladen. Am 3. März erzählt er dann im Frankfurter cityTreff dann Schildbürger-Geschichten östlich der Oder. Der Förderverein St. Marien bat ihn, im Juni in der Sakristei eine Dia-Vortrag zu halten. Thema: Kirchenlandschaft Neumark.
Seine Verbindung zu Polen wird Jörg Lüderitz bis zum Ende seiner Tage nicht abbrechen, gibt der Jubilar dem MOZ-Besucher zum Abschied auf den Weg. Schon aus privaten Gründen: „Ich habe eine polnische Lebensgefährtin. Sie wohnt im schönen Lagow, mein Sommersitz.“