Jubiläum Europa-Universität
: Die Viadrina ist 30 und steckt in einer Midlife-Crisis - ein Kommentar

Die ambitionierte Europa-Universität in der Doppelstadt Frankfurt (Oder)-Słubice macht eine Krisenphase durch – nicht nur angesichts der stark gesunkenen Zahl von Studierenden. Ein Kommentar.
Von
Nancy Waldmann
Frankfurt (Oder)
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Julia von Blumenthal, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina und Tadeusz Wallas, Leiter der Adam-Mickiewicz-Universität Poznan (Polen), hissen gemeinsam eine Fahne zum 30-jährigen Jubiläum der Viadrina.

Patrick Pleul/dpa

Ohne die Europa-Universität Viadrina hätte Słubice kein Collegium Polonicum. Frankfurt und Słubice wären geistige Provinz, in der die internationalen Orte allein die Tankstellen, (Super)Märkte und ein paar Schulen wären. Unsere Doppelstadt wäre überregional so wenig bekannt wie Guben/Gubin. Es wären kaum Gäste angereist zu Konferenzen, die das symbolische Kapital der Grenzüberschreitung auskosten und in die Welt trugen. Eine wichtige Riege von Viadrina-Alumni würde beiden Städten fehlen. Es gebe kaum Festivals wie „Art an der Grenze“ oder Transvocale und vielleicht keinen 983er Bus, den Studierende erkämpften. Frankfurt würde sich nicht für das Zukunftszentrum Deutsche Einheit und Europäische Transformation bewerben.

Doch in ihren beginnenden Dreißigern befindet sich die Viadrina auch in einer Midlife-Crisis. Die European New School of Digital Studies ist gegründet, aber muss sich noch finden und etablieren. Nach den von Aufbau, Aufblühen und Euro-Euphorie geprägten ersten Dekaden, plagt die Europa-Universität heute nicht nur die auf unter 5.000 gesunkene Studierendenzahl. Der Online-Betrieb hat die Fern-Uni real gemacht. Aus Frankfurter Sicht steckt die Viadrina in einer Präsenzkrise, die nicht erst mit Corona begann. Es ist richtig, dass die Uni über ihre Rolle nachdenkt. Für die Stadt bleibt zu hoffen, dass es eine sein wird, die Menschen hier vor Ort zusammenbringt.