Judo
: Ein Leben lang in Bewegung

Der Frankfurter Judo-Trainer Hubert Sturm wird heute mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet.
Von
Hubertus Rößler
Frankfurt (Oder)
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Hubert Sturm engagiert sich auch im fortgeschrittenen Alter im Judo-Verband.

Hubertus Rößler

Hubert Sturm war wesentlich an der Gründung und am Aufbau des Brandenburgischen Judo-Verbandes beteiligt. „Die Gründung erfolgte am 25. April 1990“, weiß er auch heute noch ohne zu überlegen. Im Verband war er unter anderem als Präsident, Geschäftsführer und Trainer tätig, engagiert sich auch heute noch als Ehrenpräsident und ist bei Gürtelprüfungen als Wertungsrichter im Einsatz.

Von 1960 bis 1990 beim ASK

In Schlesien geboren und 1947 in die Nähe von Chemnitz umgesiedelt, begann er als 14-Jähriger mit Turnen. Man riet ihm, an die DHfK Leipzig zu gehen. Daher holte er nach der Berufsausbildung zum Kfz-Schlosser das Abitur nach. „Zu Beginn des Studiums ging ich in die Turnhalle – dort habe ich viele Geräte gar nicht gekannt. Ich habe dann Judo kennengelernt und das hat mir sofort gefallen“, erinnert sich Sturm. „Jeder hat eine Sportart, die zu einem passt – und das ist bei mir Judo. Dieser Zweikampfsport hat mich geprägt. Mir gefällt, dass man sich Raufen kann nach festgelegten Regeln. Man kann viel erreichen mit Technik, Vielseitigkeit und Taktik. Und das jungen Menschen beizubringen und sie zur Weltspitze zu bringen, war eine angenehme Aufgabe.“

1960 schloss er das Studium als Diplom-Sportlehrer und -trainer ab und beendete im selben Jahr auch seine aktive Karriere, um sich voll und ganz dem Trainerdasein zu widmen. Im Jahr zuvor war Hubert Sturm noch DDR-Meister im Leichtgewicht geworden. Nach dem Studium wurde er Cheftrainer beim ASK Vorwärts – zunächst in Strausberg, ab 1972 dann in Frankfurt. Er hatte vorrangig mit den leichten Gewichtsklasse zu tun, die erste internationale Medaille gab es bei der EM 1962 für Erich Zielke. Der zweifelsohne größte Erfolg war aber 2004 der Olympiasieg von Yvonne Bönisch – die erste Goldmedaille einer deutschen Frau im Judo bei Olympischen Spielen überhaupt.

Hubert Sturm pflegt noch Kontakt zu vielen seiner ehemaligen Schützlinge und zu den Trainerkollegen, man trifft sich regelmäßig zu Geburtstagen. Den Judo-Sport verfolgt er nach wie vor mit regem Interesse. „Die großen Zeiten, als Frankfurt bundesweit führend war, sind  allerdings lange vorbei.“

Nach der politischen Wende wurde er in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. „Das habe ich damals überhaupt nicht verstanden. Aber im Nachhinein war ich froh, da ich somit Zeit hatte, den Judo-Verband in Brandenburg mitaufzubauen.“ Bei Lehrgängen in Baden-Württemberg lernte er viel über neue Strukturen und brachte sein Wissen dann hier in ehrenamtlicher Funktion ein.

Sturm ist Träger des 9. Dan  – in ganz Deutschland gibt es derzeit nur sechs Judoka, den dieser Meistergrad der Kampfsportart verliehen wurde. Und nun kommt mit dem Bundesverdienstorden eine weitere Auszeichnung hinzu. „Ich schätze diese sehr, sie wird einen Ehrenplatz in der Wohnung erhalten.“

Dort genießt er mit seiner Frau Ruth, mit der er seit 61 Jahren verheiratet ist, den (Un-)Ruhestand. Sie haben drei Kinder, fünf Enkel und einen Urenkel. „Die Freude am Sport haben wir ihnen allen weitergegeben.“ In die Fußstapfen des Vaters trat sein Sohn Hagen, der ebenfalls DDR-Meister im Judo wurde. „Mein Mann ist die Triebkraft und der Kern in unserer Familie. Es ist gut, dass wir die selben Hobbys haben, das verbindet“, sagt Ruth Sturm, die Turnerin war und als Trainerin nach wie vor aktiv ist. Zu ihren größten Hobbys gehört Reisen, Bergsteigen und Wintersport. „Langweilig wird uns nicht“, verspricht Hubert Sturm mit einem Lächeln.