Judo
: Training mit rot-weißem Gürtel

Dem Frankfurter Judotrainer Gerald Haack ist auf der Mitgliederversammlung des Brandenburgischen Judo-Verbandes der 6. Dan verliehen worden.
Von
Kerstin Bechly
Frankfurt
Jetzt in der App anhören

Seit 40 Jahren bringt er Kindern in Frankfurt Judo bei: Gerald Haack mit seinem 6.-Dan-Gürtel im Kreise seiner Trainingsgruppe beim Polizeisportverein

michael benk

Mit der Verleihung des 6. Dan auf der Mitgliederversammlung des Brandenburgischen Judo-Verbandes ist Gerald Haack eine hohe Ehrung zuteil geworden. Der 62-jährige Frankfurter blickt auf 40 Jahre Judo-Trainertätigkeit und ist dem Sport auch beruflich so lange verbunden.

Ein rot-weiß gestreifter Gürtelweist Gerald Haack als Träger des 6. Dan aus. Den trägt er jetzt, wenn er den acht- bis zehnjährigen Judo-Nachwuchs beim Polizeisportverein Frankfurt trainiert. Einige Kinder reagierten verwundert. Ob er seinen schwarzen Gürtel denn weggelegt habe, wurde er gefragt ... Erwachsene – ehemalige Sportler, Freunde und Eltern – riefen an und gratulierten. „Das ist mir bald wichtiger als die Auszeichnung selbst“, gibt der Geehrte zu. Sofort gemeldet hat sich auch Marko Spittka. Der Olympiadritte 1996 und Vize-Weltmeister ging Anfang der 80er Jahren durch seine Hände. „Marko hat mir versprochen, einen echten japanischen Judo-Gürtel mitzubringen“, strahlt Haack in Vorfreude über die Geste des jetzigen Bundestrainers der österreichischen Nationalmannschaft, der mit Sportlern in Japan weilte.

Mit dem 6. Dan wurde Gerald Haack für seine jahrzehntelangen beruflichen und ehrenamtlichen Verdienste im Judosport geehrt. Es ist der erste Gürtelgrad, der nach Einreichung durch den Landesverband und Bestätigung durch den Bundesehrenrat vom Deutschen Judo-Bund verliehen wird. Diese Ehrung verdankt Haack in gewisser Weise auch seinem Vater Werner, denn „er hat mich zum Judo gebracht. Ich wollte erst gar nicht“, erinnert sich der gebürtige Dresdener, der das Judo-Abc ab 1966 bei der BSG Pentacon erlernte.

Schnell sammelte der kräftige Junge Erfolge bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften sowie  -Spartakiaden. Der dritte Platz bei der DDR-Spartakiade 1971 und der DDR-Vize-Meister 1973 folgten. Der Halbschwergewichtler wechselte zwei Jahre später zum ASK Frankfurt und war bis 1979 aktiv. Da hatte er bereits Erfahrungen als Übungsleiter gesammelt und in Güstrow parallel Landwirtschaft studiert. Doch als Agraringenieur arbeitete Haack nie. „Es wurden damals Trainer gesucht, die leistungssportlich vorbelastet waren“, erinnert sich der 62-Jährige. So stieg er 1979 hauptamtlich im Trainingszentrum (TZ) der BSG WGK (Wohnungs- und Gesellschaftsbaukombinat) ein und betreute die 9- bis 13-jährigen Judoka bis 1993, im Wirrwarr der Wende als ABM-Trainer und ehrenamtlich bei Blau-Weiß, dann kam er zum Judo-Club 90.

Nach Marko Spittka förderte Gehard Haack Mitte der 90er Jahre Talente wie die spätere WM-Dritte, Europameisterin und Olympiateilnehmerin Romy Tarangul sowie später René Sporleder und Nils Dochow – immer gemeinsam mit seinem Trainerkollegen Frank Mierow. Auch der deutsche Juniorenmeister von 2018, Ole Buth, war einst ihr Schützling.

2014 fand Haack mit der neu gegründeten Judo-Abteilung beim Polizeisportverein in Frankfurt eine neue Heimat. Bei der Polizei dreht sich für den zivilen Mitarbeiter beruflich ebenfalls alles um den Sport – viele Jahre als verantwortlicher Judo-Trainer bei der Bundespolizei in Frankfurt und seit knapp drei Jahren als Mitarbeiter Aus- und Fortbildung bei der Bundesdirektion Berlin.

Dass er auf mittlerweile 40 Jahre Trainertätigkeit zurückblickt, ist dem sportlich-kräftigem Mann nicht bewusst. Wenn er beschreiben soll, was „das Schönste an der Sache ist“, nennt er zwei Beispiele: „Die Kinder in ihrer Gesamtentwicklung zu sehen, zu erleben, was aus ihnen wird. Und wenn Athleten, auch solche, die nicht so erfolgreich waren, sagen: Es war eine schöne Zeit im Judo und sie auch nach Jahren noch auf der Straße grüßen“, leuchten die Augen von Gerald Haack, deren zwei Töchter es in den künstlerischen Bereich gezogen hatte.

Als Trainer charakterisiert er sich mit den Worten „Ich sehe mich in einer Vaterfunktion und ich bin sehr ehrgeizig.“ Er habe damit das Beste von zwei seiner früheren Trainer übernommen. Lob ist ihm wichtig: „Neunmal sage ich: Das hast du prima gemacht. Die zehnte Bemerkung lautet: Das hast du prima gemacht, aber das kannst du besser“, beschreibt er schmunzelnd. Und er achtet auf eine stufenweise technische Ausbildung, da weiß er sich mit seinem Trainer-Partner Frank Mierow einig. „Ja, diese gleiche Auffassung gepaart mit vielseitiger Athletik hat uns zusammengebracht. Wir tauschen uns bis heute fachlich aus“, ergänzt der einstige Diplomsportlehrer. Diese Zusammenarbeit, inzwischen feste Freundschaft hält nun über 40 Jahre. „Auf Gerald kann man sich hundertprozentig verlassen. Er widmet seinem Hobby viel Zeit und er hat eine sehr ruhige Art, mit den Kindern zu arbeiten“, schätzt Frank Mierow (64) an ihm. Und auch, wie Gerald Haack neben den beruflichen Anforderungen und der Pflege seiner Frau, die vor Jahren einen schweren Schlaganfall erlitten hatte, den Sport meistere. „Ohne Franks Unterstützung würde ich dies gar nicht schaffen und meine Frau hat sehr viel Verständnis für mich“, betont Haack wiederum mehrfach.

Für ihn wird das Wochenende zum ersten Gradmesser der Trainerarbeit im neuen Jahr. Viele der 22 Sportler aus der Trainingsgruppe starten am Sonntag beim Turnier in Strausberg. „Da sind ein paar richtig gute dabei und wir möchten wir mit einigen Medaillen zurückkehren“, gibt sich Gerald Haack optimistisch.