Dopamin ist das Stichwort, wenn es um Instagram, Influencer und die Frage danach geht, warum Jugendliche stundenlang auf ihr Handy starren und Stories anschauen können. Auch Youtube und Snapchat funktionieren nach dem Prinzip, im Gehirn den Glücks-Botenstoff freizusetzen. Wenn Daniel Huschke aus Frankfurt (Oder) in seinen Workshops die Kinder und Jugendlichen fragt, wie viel Bildschirmzeit sie am Tag haben, antworten viele der 13- und 14-Jährigen, dass es fünf bis sechs Stunden sind. „Das ist schon eine Hausnummer“, findet der Medienpädagoge des Jugendinformations- und Medienzentrum (JIM) im Mehrgenerationenhaus Mikado.
In der Pandemie und der Zeit reduzierter Kontakte habe das noch zugenommen. „Menschen sind nicht dafür gemacht, allein zu sein, sie brauchen soziale Kontakte“, sagt Huschke. Junge Menschen suchten sich dann eben Vorbilder und Idole – das Äquivalent zu dem, was früher Sportler, Musiker, Bands oder Schauspieler waren – im Internet. Neben einem Vorbild kann der Influencer aber auch wie ein Kumpel, großer Bruder oder Elternersatz sein.

Influencer zeigen nur die vermeintlich schönen Dinge des Lebens

Die schwierige Sache sei aber unter anderem, dass nur die vermeintlich wunderbaren Sachen gezeigt werden. „Die machen sich fertig, legen sich wieder ins Bett und machen dann tolle Fotos“, verdeutlicht Daniel Huschke. „Die Alltagsprobleme werden ausgelassen“ und eine schöne heile Welt vermittelt. Dafür steht man als Zuschauer „mit ihnen zusammen“ auf, frühstückt mit den Influencern, geht mit ihnen einkaufen und auf Reisen und erlebt „zusammen“ die schönen Dinge der Freizeit. Dadurch schleiche sich das Gefühl ein, man kenne denjenigen, weiß, wie er oder sie tickt – quasi wie ein Freund.
Der Knackpunkt sei aber, dass Influencer immer das tun, was ihnen mehr Klicks und Bekanntheit – und damit mehr Geld – bringt. Wenn sie Produkte anpreisen, werde bei den Jugendlichen oft der Wunsch geweckt, diese auch haben zu wollen. „Wenn man lange genug einem Influencer folgt, hat man das Gefühl, man kennt den“, sagt Daniel Huschke. „Und wenn mein Freund die Sneaker in der limited Edition hat, will ich die vielleicht auch.“ Produkte werden über die Gefühlsschiene oder versteckt vermarktet.

Mitmachen und gewinnen – Familienkompass 2022

■ Worum geht es? Der Familienkompass ist eine landesweite Umfrage zur Kinder- und Familienfreundlichkeit in Brandenburg. Er ist ein gemeinsames Projekt von Märkischer Oderzeitung, Lausitzer Rundschau und Märkischer Allgemeine in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Dresden.
■ Warum mitmachen? Mit jedem beantworteten Fragebogen helfen Sie mit, die Familien- und Kinderfreundlichkeit in Ihrem Wohnort zu verbessern. Wir konfrontieren Politik und Verwaltung mit den Ergebnissen und berichten detailliert zur Situation in den Kommunen.
■ Was gibt es zu gewinnen? Der Hauptpreis ist ein Ostsee-Familienurlaub für bis zu sechs Personen mit 7 Übernachtungen (inkl. Wäsche, Handtücher, Reinigung, Kurtaxe. Die Anreise und Verpflegung sind nicht dabei.) Darüber hinaus können Sie ein Familien-Fotoshooting gewinnen oder Eintrittskarten für die Show „Arise“ im Friedrichstadtpalast und vieles mehr.
■Wie kann ich mitmachen? Die Umfrage findet ausschließlich im Internet statt. Jeder kann sich beteiligen. Die Befragung endet am 10. Juli 2022. Die Ergebnisse werden im Sommer präsentiert. Den Fragebogen finden Sie dort unter: www.moz.de/familienkompass.

Was können Eltern tun, wenn Kinder Stunden auf Instagram, Snapchat und Youtube verbringen?

Es sei ganz wichtig, mit den eigenen Kindern darüber zu reden, dass das immer nur einen Ausschnitt und nicht das wahre Leben zeigt. Und dass Influencer auch gecastet sein können, also im Prinzip eine Rolle wie im Film spielen und sich gut verkaufen können. Auch müsse man Kindern und Jugendlichen klarmachen, dass sie nicht immer, wenn sie auf einen Kommentar eine Antwort bekommen, mit dem Influencer selbst kommunizieren. Es könne auch eine Redaktion dahinterstecken oder ein Computerprogramm (Bot) die Antwort automatisiert verschickt haben. Dem Kind Medienkompetenz mitgeben und es dazu bringen, Dinge zu hinterfragen, sei wichtig.
Wer wie viel darf, hänge auch immer mit dem Entwicklungsstand der Kinder zusammen. Und nicht einfach nur Verbote aussprechen, sagt er. Stattdessen mit den Kindern zusammen Videos und Stories anschauen oder zur Not selbst zum Follower werden – sollten sie sich sperren – seien Möglichkeiten. „In aller Regel finden es Kinder aber toll, wenn Eltern sich auch für ihre Dinge interessieren“, sagt er – nur mit 16, 17 Jahren treffe das dann vielleicht nicht ganz so zu.

Medienpädagoge aus Frankfurt (Oder) sagt: „Alles ist nur eine Meinung – meine.“

Andererseits können Instagram und Co. auch dazu führen, dass Jugendliche dem nacheifern und selbst Fotos und Videos aus allen möglichen Lebenslagen posten. Auch darüber sei es wichtig, mit ihnen zu sprechen: Was passiert mit diesen Daten? „Von jedem, der digital unterwegs ist, in einer Suchmaschine etwas sucht oder auf einer Unterhaltungsplattform ein Video guckt, wird immer ein Profil erstellt“, sagt Huschke. Man hinterlasse Datenspuren und die Werbung könne immer besser auf die eigenen Wünsche, Hobbys und Neigungen eingehen.
„Der Algorithmus im digitalen Leben sorgt auch dafür, dass alles, was ich kriege, nur eine Meinung ist – meine Meinung. Und die kriege ich immer widergespiegelt“, gibt Daniel Huschke zu bedenken. Dieser sogenannte Bubble-Effekt nennt sich in der Fachsprache auch Echokammer: Das, was ich rausschreie, kommt zurück.

Positiver Aspekt: Influencer können Kinder und Jugendliche auch zu Sport animieren

Nach seiner Erfahrung fängt die Beschäftigung mit Influencern etwa in der 8. Klasse an. Vorher ist zum Beispiel Fußballspielen noch eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Wenn man irgendwann aber nicht mehr in den Hort geht, vertreibt man sich die Zeit oft eher am Handy. Dann sei auch E-Sports, Sport am Bildschirm, manchmal interessanter als der Sport auf dem Sportplatz.
Daniel Huschke sieht bei dem Thema aber auch positive Aspekte. Wenn ein Sportinfluencer jeden Tag ein kleines Workout macht und die Jugendlichen dadurch animiert werden, das auch zu tun, könne das gut sein. Oder wenn jemand ein Buch vorstellt, das man sich dann selbst kaufen will. Auch Computerspiele, in denen man Probleme lösen muss, könnten komplex sein. Es komme am Ende immer auf die Mischung an. Denn selbst ein stundenlanger Brettspieleabend – an sich auch gut für Erwachsene, die dann mal zwei, drei Stunden aufs Handy verzichten müssen – sei irgendwann einseitig.
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