Mit dem Prüf-Stempel in der Hand geht es an Türklinken, Bettenholme und Rufanlagen. Gleich Detektiven ist das Team um Dr. Margret Seewald Bakterien und Viren im Markendorfer Klinikum auf der Spur, wie etwa bei der Überprüfung der Oberflächendesinfektion auf den verschiedenen Stationen. Dabei hilft der Leiterin der Krankenhaushygiene ein markiertes Desinfektionsmittel und eine Schwarzlicht-Lampe, mit denen sich Hygiene-Ärzte und -Pflegekräfte auf den Weg machen, wenn auf einer Station zu wenig auf Handhygiene geachtet wird.
Mithilfe der leitenden Hygiene-Fachkraft Heike Richter und vier weiteren Pflegekräften schaut Margret Seewald, dass pro Monat drei bis vier Klinik-Bereiche – wie die Stationen und OP-Räume – eingehend auf die Beachtung der Hygiene-Standards kontrolliert werden.
"Unsere Aufgabe ist es, Maßnahmen zur Krankenhaushygiene umzusetzen und die Sensibilität für diese zu verbessern", erläutert die Ärztin. Dabei solle niemand kontrolliert werden, den "schwarzen Peter" zugeschoben bekommen, sondern für eine reine Umgebung und sauberes Arbeiten geschult werden. Unsauber Stelle mit Schwarzlicht sichtbar zu machen, präge besser ein, als ausschließlich trockene Theorie. "Klar kann man immer etwas verbessern", sagt Seewald. Doch allgemein ist sie mit dem Krankenhauspersonal zufrieden. "Die Einsicht und das Verständnis hat sich überall verbessert", meint sie. Die Wissenstransfer werde immer höher.
"Eine gründliche Desinfektion der Hände ist das A und O", sagt Seewald – die 30-Sekunden-Regel gelte sowohl für dass Krankenhauspersonal, als auch für die Patienten und Besucher. Nicht umsonst hat das Klinikum Silber-Zertifikate bei der "Aktion saubere Hände" seit zwei Jahren erhalten. Ausnahmeregeln treten zum Beispiel in Kraft, wenn ein Patient mit Brech-Durchfall eingeliefert wird, oft durch hoch ansteckende Nora- oder Rotaviren ausgelöst. Dann erhalte der Patient ein isoliertes Zimmer, die Pflegekräfte tragen Schutzkleidung – die danach wieder fachgerecht gereinigt oder entsorgt werden muss. "Die Maßnahmen werden schriftlich dokumentiert und in einer Software gespeichert", erklärt die Hygiene-Expertin. Das gleiche gelte bei sehr seltenen Fällen von Tuberkulose oder Hepatitis. "Das sind zum Glück absolute Ausnahmen", sagt Seewald. In großen Uni-Kliniken, wie in Berlin mit vielen internationalen Patienten sei dies anders.
Doch auch nach Markendorf kommen mehr Menschen mit MRSA – multiresistenten Erregern. "Die Leute werden alle älter, kommen öfter ins Krankenhaus", erläutert die Expertin. Das ziehe Begleiterkrankungen nach sich. Resistente Keime in der Darmflora, bei denen kein Antibiotikum mehr helfe, seien die Folge. Screeninguntersuchungen, Isolation, antiseptische Waschung und spezielle Gele zur Darm-Sanierung, kommen dann zum Einsatz.
Bakterien unter Kunstnägel
Neben der Sensibilisierung für Hygiene sind für Seewald regelmäßige Schulungen und der Austausch zwischen Ärzten und Pflegepersonal wichtig – "bottom-up", also von unten nach oben und umgekehrt, erläutert sie. "Alle Bereiche stehen in ständiger Kommunikation", sagt Seewald, die seit zehn Jahren als Ärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie in Frankfurt tätig ist. Sie selbst sieht sich im Privatleben nicht als überempfindlich, was Hygiene betrifft. "Aber Kunstnägel gehören für Restaurantpersonal verboten", meint sie. Denn darunter könnten sich Bakterien wunderbar vermehren. Und diese will Margret Seewald nicht in ihrer Suppe drin haben.