Kunstprojekt
: Das Gesicht der Doppelstadt – Frankfurt/Słubice

P. Banause befragte 50 Bewohner, wie sie sich Słubice und Frankfurt als Person vorstellen. Weltweit hinterlässt der Künstler seine Spuren.
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt (Oder)
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  • Auf einer Hebebühne besprayte P. Banause eine Hausfassade in der Warschauer Straße. Nach vier Tagen und über 100 Farbdosen kam das Porträt der Doppelstadt heraus.

    Auf einer Hebebühne besprayte P. Banause eine Hausfassade in der Warschauer Straße. Nach vier Tagen und über 100 Farbdosen kam das Porträt der Doppelstadt heraus.

    Christopher Kadetzki
  • Selbstporträt des Künstlers P. Banause. Er selbst möchte nicht mit Namen und Gesicht auftauchen.

    Selbstporträt des Künstlers P. Banause. Er selbst möchte nicht mit Namen und Gesicht auftauchen.

    Jan-Henrik Hnida
  • Plakat gegenüber vom Audimax – für mehr Obst essen.

    Plakat gegenüber vom Audimax – für mehr Obst essen.

    Jan-Henrik Hnida
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„Wir sind überzeugt, dass es das Wir-Gefühl der Frankfurter und Słubicer und sogar den Stolz auf ihre Doppelstadt befördern kann“, erklärt Olaf Runge, Vorstand der Wohnbau. Nach einigem Warten auf die Hebebühne „haben wir von Donnerstag bis Sonntagabend durchgearbeitet“, erzählt P. Banause. Knapp über 100 Spraydosen mit Farbe gingen für das Porträt drauf.

„Wer ist denn das?“ – das wollten viele Passanten von P. Banause während des Sprayens wissen. Der Kopf ähnele dem Musiker Peter Fox und ebenso Van Gogh, rätselten einige. Tatsächlich beruht das Porträt auf einer realen Person, die aber nicht aus Frankfurt komme, berichtet der 23-Jährige. Diese passte am besten zum Umfrageergebnis. Fast durchweg positiv seien die Reaktionen gewesen. Im Anschluss an das Wandgemälde entsteht nun ein Dokumentarfilm, der den Entstehungsprozess (Interviews, Skizze, Wandgemälde) erklärt.

P. Banause ist kein Unbekannter in der Oderstadt. Aufgewachsen in Schöneiche bei Berlin, zog er nach dem Abitur nach Frankfurt, um Kulturwissenschaften zu studieren. Katzen, Birnen, Buchstaben – „mit neun Jahren begann ich mit Skizzen auf Papier“, erinnert er sich an seinen Schaffensbeginn. Im Köpenicker Mellowpark folgte dann 2008 sein erstes Graffito. Die nächsten vier Jahre legte er sein Taschengeld in Spraydosen an. Um sich anfangs einen Namen zu machen, kam P. Banause mit dem Gesetz in Berührung – unfreiwillig. Um sein Pseudonym möglichst lange sichtbar zu machen, sprayte er es auf die Schallschutzmauer in Karlshorst. Dabei erwischte ihn und seinen Kumpel die Polizei. Ein langes Prozedere, mit familiärer Sozialberatung und Gerichtstermin, war die Folge. Die Richterin sah in der Tat einen „Ausrutscher“. Das war dem „Kunst-Banausen“ eine Lehre.

Werke in der ganzen Stadt

Mit offenen Augen sind die Werke über ganz Frankfurt verteilt. An den leerstehenden Hallen gegenüber der Uni-Mensa erblickt der geneigte Beobachter durch einen Zaun „Mariann“. Auf einer alten Stahltür ist das Bildnis der Frau zu erkennen – die fünf Kilo Hackepeter einkauft. „Hat Bock auf Schoppen“ steht drunter. Eine Konsumkritik? „Meine Kunst soll hauptsächlich unterhalten“, erläutert der Künstler; aber auch ein wenig zum Nachdenken anregen. „Für mehr Freude im Leben, Obst kaufen gehen“ ist auf einem Plakat am Europaplatz zu lesen. Es hängt an einer Bauruine, in sicherer Höhe. Denn oft reißen Unbekannte die Plakate ab. Vor seinem Auslandsaufenthalt verewigte er sich 2017 mit einem Selbstporträt an der Außenwand einer Fabrikhalle in West. „Weil ich nicht wusste, ob ich danach wieder hierherkomme“, erklärt P. Banause. Er tat es.

Weltweit hat der "Kunst-Banause“ seine Spuren hinterlassen. Auf Bali verzierte er zwei Wochen lang die Fassaden eines Hostels  – für bunte Fische und Schildkröten konnte der junge Mann dort umsonst Urlaub machen. Seinen Künstlernamen verewigte er außerdem in Australien unter einer Brücke, einen über drei Meter langen „P. Banause"(n).