Lang gehegter Bürgerwunsch: Hallenbad an der Rathenaustraße wird 50

4. Oktober 1969: Mit einem Wettkampf der Erbauer der Schwimmhalle wurde das Hallenbad eröffnet, die Zimmerleute des VEB Baureparaturen gewannen. 50 Jahre später denkt die Stadt zusammen mit Słubice über einen Neubau nach.
Heinz Köhler/Stadtarchiv Frankfurt (Oder)Bis auf Nichtschwimmer — das Becken war 1,80 Meter tief –, alkoholisierte Menschen, Personen mit Hautausschlägen oder „unordentlichem Haarschnitt“ konnte jeder dort schwimmen gehen. Ab dem 13. Oktober war die mit einer Kapazität von 100 Personen in der Stunde konzipierte Halle an den Nachmittagen von Dienstag bis Freitag sowie am Wochenende geöffnet — der Montag war für die „bewaffneten Organe“ vorbehalten. Die erste öffentliche Schwimmhalle fand ein positives Echo bei den Frankfurtern. Damit ging ein lang zurückreichender Bürgerwunsch in Erfüllung.
Ideen für ein Wellenbad
Erste ernsthafte Überlegungen zum Bau eines Schwimmbades gab es im Herbst 1926, eine Zeit, in der bereits mehr als 300 deutsche Städte Schwimmhallen besaßen. Bürgermeister Dr. Henricus Haltenhoff hatte die Große Düsseldorfer Ausstellung für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübung (Gesolei) besucht und war begeistert über das dort gezeigte Wellenbad nach Frankfurt zurückgekehrt. Man nahm Kontakt zum Düsseldorfer Ingenieur Franz Fuchssteiner – einem der Konstrukteure des Wellenbades auf — und entsandte Stadt– und Vermessungsrat Max Möllenhoff nach Düsseldorf zur noch andauernden Ausstellung. In seinem Reisebericht schlug er vor, dass der Magistrat eine Schwimmhalle mit einem 50 Meter Becken errichten sollte, dazu für 15 000 Mark eine Einrichtung zur Wellenerzeugung sowie Wannenbäder, medizinische Bäder und ein Dampfbad.
Auch Bürgermeister Dr. Haltenhoff sah den Bau eines Hallen–Schwimmbades nunmehr als eine der „dringendsten Aufgaben“ und empfahl dafür gleich den Standort im Park nördlich der Gertraudenkirche. Stadtbaurat Otto Morgenschweis gab seinem Stadtbaumeister Josef Gesing daraufhin den Auftrag, das Projekt vorzubereiten. Die Stadt gewann dafür den Frankfurter Dipl.-Ing. Jens Johannsen, der die besondere Bedeutung des Bades für Frankfurts Jugend und den Schwimmunterricht sah, da, wie er schrieb, „im Allgemeinen … das Publikum wasserscheu (ist), und für das Baden erst herangebildet werden“ müsse. Doch: Da die Kosten nicht aufzubringen waren, ruhte die Angelegenheit. Um die Sache voranzubringen, beschloss der Schwimmverein Frankfurt (Oder) 1921 e.V. auf seiner Hauptversammlung im Februar 1928, bei der Stadtsparkasse einen Fonds zum Bau eines Schwimmbades einzurichten, „damit wir hier in Frankfurt–Oder nicht länger hinter einer kleineren Nachbarstadt (gemeint war Landsberg an der Warthe, wo man gerade ein Hallenbad in Angriff nahm) zurückstehen müssen“. Doch auch dieser und ein weiterer Finanzierungsversuch im Jahr darauf blieben ohne Folgen.
Der nächste Vorstoß kam 1933. Kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten schlug der „Bezirksführer des Deutschen Schwimmverbandes“ P. Elspaß vor, in der Hornschen Halle – einem roten Backsteingebäude der einstigen Eisenbahnwerkstätten Briesener Str./Bahnhofstraße — das Hallenbad zu errichten. Sein schon mit Martin Albrecht, der gerade nach der Suspendierung von Dr. Hugo Kinne das Amt des Oberbürgermeisters übernommen hatte, abgesprochener Vorschlag: Einbau eines Schwimmbeckens in der Größe 25 mal 13 Meter, ein Nichtschwimmerbecken 8 mal 13 Meter, zuzüglich Nebenräumen, Anlage einer Galerie für größeren Besuch bei Schwimmfesten und Umgestaltung des vor dem Nordgiebel vorhandenen Geländes zur Parkanlage oder einem Sonnenbad.
Wenig später stand die Halle jedoch nicht mehr zur Verfügung. Da die Eisenbahndirektion Ost das Gelände anders verplant hatte, schlug Elspaß neue Standorte vor. Zuerst den Wilhelmsplatz (heute Zehmeplatz), dann den Bauplatz Leipziger Str./ Thilestraße (westlich des heutigen Platzes der Einheit).
Probleme mit der Finanzierung
Bei Stadtbaumeister Gesing stießen Elspaß’ Vorschläge auf Skepsis. Obwohl für Gesing der „Bau eines Hallenschwimmbades für Frankfurt sicher sehr wünschenswert“ sei, fragte er sich „ob sich die Finanzierung wohl ermöglichen“ lasse. Da er an der Rentabilität zweifelte, forderte er den ihm übergeordneten Stadtbaurat auf, zu entscheiden, ob ein neues Vorprojekt mit Berechnungen gefertigt werden sollte. Falls diese „immerhin umfangreichen Vorarbeiten z. Zt. jedoch nicht opportun wären“ riet er, „die hiesigen Zeitungen ins Bild zu setzen, dass solche abwegigen Artikel unterbleiben“ sollten.
Erst drei Jahre später war wieder vom Schwimmhallenprojekt zu hören. Die Stadt, die als Hauptstadt der Provinz Brandenburg und Zentrum der Gau Kurmark der NS–Partei vorgesehen war, plante eine umfängliche Erweiterung des Stadtgebietes. Manches brachliegende Projekt wurde wieder aufgegriffen, so auch die Schwimmhalle. 1936 fertigte die Hallenbäderbaugesellschaft mbH Berlin eine Planung für eine zweistöckige Schwimmhalle mit einem bis zu 3,50 Meter tiefen und 25 mal 10 Meter großen Bassin, davon 17 Meter für Schwimmer und 8 für Nichtschwimmer. Ein 3–Meter–Sprungturm sowie im Obergeschoß eine umlaufende Besuchergalerie waren geplant. Dieses Projekt – wie auch der 1937 ausgeschriebene Architektur–Wettbewerb für ein monströses Verwaltungs– und Gauforum – wurde bis 1945 nicht verwirklicht.
Auch in den ersten Jahren nach der Befreiung der Stadt bedurften Frankfurts Bürger anderes vordringlicher als eine Schwimmhalle. Erst ab 1956 wurde wieder über ein Hallenbad diskutiert.
Ralf–Rüdiger Targiel ist ehemaliger Leiter des Stadtarchivs. Teil 2 veröffentlichen wir in den nächsten Tagen.