Lernen
: Bruchrechnung auf dem Smartphone

An Frankfurter Schulen gibt es unterschiedliche Regeln für die Handynutzung für den Unterricht.
Von
René Matschkowiak
Frankfurt (Oder)
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Ablenkung oder Hilfsmittel: Fabian, Chris und Julia (v.l.) dürfen ihr Handy auch in der Schule nutzen. Aber nur wenn es die Lehrer – wie hier Dustin Williges – erlauben.

Rene Matschkowiak

Manche Schulen nutzen sie als Hilfsmittel im Unterricht. An anderen Lernorten sind sie ganz verboten. Die Nutzung von Handys in Grundschulen wird verschieden gehandhabt. An der Grundschule Mitte ersetzen sie manchmal Taschenrechner oder helfen im Politikunterricht.

Es sind zwei Themen, die in der Grundschule Mitte zusammenkommen, die aktueller nicht sein können. Einerseits geistert das Schlagwort „Digitalisierung“ durch alle Medien und Parteiprogramme. Was sich jeder einzelne darunter vorstellt, ist aber durchaus unterschiedlich. Anderseits gibt es immer wieder Diskussionen darüber, wie in Schulen mit den Smartphones der Schüler umgegangen werden soll. Erlaubt, nicht erlaubt, ganz zu Hause oder in der Tasche lassen. Möglichkeiten gibt es viele.

In der Hausordnung der Grundschule Mitte, wie deren Schulleiterin Wiebke Tetzlaff informiert, ist die Handynutzung wie folgt geregelt: „Während der Schulzeit ist das Handy abzuschalten. Die Nutzung des Smartphones durch Schülerinnen und Schüler im Unterricht ist erlaubt, wenn der/die Lehrer/in ausdrücklich die Erlaubnis erteilt hat und die Nutzung im Zusammenhang mit dem Unterrichtsgegenstand steht.“

Die Schule hat sich also entschieden, die Minicomputer der Kinder zum Teil auch im Unterricht zu nutzen. „Wann das passiert, bestimmt aber der Lehrer“, sagt Lehrer Dustin Walliges mit einem Schmunzeln. „Wenn das Handy nicht genutzt wird, gehört es stumm geschaltet in die Tasche“. Für die Kinder, die heute eine Grundschule besuchen, ist das mobile Telefon, das hauptsächlich zum Kommunizieren genutzt wird, so selbstverständlich wie Zähneputzen am Morgen. Oft bekommen sie schon in der ersten oder zweiten Klasse ein Gerät von den Eltern, hauptsächlich um erreichbar zu sein. Warum es also nicht auch im Unterricht einsetzen, dachten sich die Lehrer der Grundschule Mitte.

„Beispielsweise können bei Bruchrechnungen die Schüler selbst die Ergebnisse mit ihrem Handy wunderbar kontrollieren“, so Dustin Williges. Auch in politischer Bildung kann man mit dem Handy spielerisch Wissen vermitteln. Ein klein wenig „Wer wird Millionär“ gibt es auch im Unterricht. Für einige Klassen hat der engagierte Pädagoge über die spielebasierte Lernplattform „Kahoot“ ein Physik–Weihnachtsquiz erstellt. Der Lehrer kann danach die Ergebnisse der Schüler sehen, die Schüler haben ihre Freude bei der Lösung der Aufgaben, wie Fabian und Julia aus der sechsten Klasse bestätigen.

Sie finden es gut, dass sie ihr Handy auch im Unterricht nutzen dürfen. Allerdings gibt es an der Schule kein Wlan. Vor kurzem durften die Schüler in der Geografie–Stunde zum Thema Erdbeben und Tsunamis mit dem Handy im Internet recherchieren. Weil es eben kein Wlan gibt, taten sich mehrere von ihnen zusammen, sodass nicht bei jedem das mobile Datenvolumen aufgebraucht werde, erzählt Julia.

An anderen Grundschulen ist die Regelung ähnlich. Generell ist das Handy während des Unterrichts auszuschalten. Ausnahmen gibt es aber hin und wieder. An der Lessingschule ist „auf Beschluss der Schulkonferenz die Benutzung von Handys im Schulhaus nicht erlaubt“, wie Schulleiter Ralf Unglaube informierte. Schüler an der Grundschule „Am Botanischen Garten“ haben ihre Mobiltelefone innerhalb der Schulzeit auszuschalten. Sie dürfen laut Rektorin Susann Rehberg für Unterrichtszwecke nach Erlaubnis durch den Fachlehrer genutzt werden.

An der Freien Waldorfschule ist laut Schul– und Hausordnung das Benutzen und öffentliche Tragen eines Handys im Schulgebäude und auf dem Schulgelände während der Zeit des Unterrichtsbetriebes — dazu zählen auch die Pausen – strikt untersagt. „Muss ein Handy aus zwingenden Gründen mitgeführt werden, ist dieses ausgeschaltet in der Schultasche zu verwahren“, informierte Anne Rudolph, Assistentin der Geschäftsführung. Müssen Schüler in Ausnahmefällen mal dringend telefonieren, dann wird ihnen das im Schulbüro ermöglicht.

Das Lehrbuch komplett aussondern muss man trotz Digitalisierung nicht, findet Dustin Williges. Das Mobiltelefon sei auch nur ein Medium wie ein Buch, sagt er. „Man muss sich als Lehrer fragen, ob man mit dem Handy einen Vorteil hat oder nicht“, erklärt er. Zwar sei der Aufwand für die Vorbereitung des Unterrichts, gerade wenn man solch ein Quiz auf Kahoot erstellt, etwas höher. Es gibt aber auch einen Vorteil: Man kann das vorbereitete Material speichern, so Dustin Williges. Eine klassische Tafel wischt man nach dem Unterricht ab — und weg sind die ganzen Notizen aus Kreide.