Lesung
: Mit der Kutsche an die Oder

Schauspielerin Simone von Zglinicki bringt den Frankfurtern Fontane ein Stück näher, mit der Lesung „Meine Kinderjahre“.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt Oder)
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Simone von Zglinicki liest "Meine Kinderjahre".

Peter Langer

Frau von Zglinicki, Sie leben in Berlin — lieben Sie Brandenburg trotzdem so, wie Fontane es geliebt hat?

Simone von Zglinicki: Ich habe seit 2001 meinen zweiten Wohnsitz in Märkisch Oderland, in der Re–gion Müncheberg. Ich finde die Landschaft wunderschön, die Menschen sind toll und ich habe noch keine schlechten Erfahrungen mit Unfreundlichkeit gemacht. Die unglaublich wachsende Kulturlandschaft ist ganz enorm. Ich finde es hier überhaupt nicht langweilig oder öde.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, aus „Meine Kinderjahre“ zu lesen?

Ich habe schon Lesungen gemacht über Fontane–Frauen, mit bekannter Literatur von ihm. Aber ich wollte eine Lesung machen, in der man Fontane selber hört. Man findet ihn auch in seinen anderen Werken. Aber „Meine Kinderjahre“ ist eine wunderbare Beschreibung seiner Kindheit, der Liebe zu seinen Eltern und vor allem eine Liebeserklärung an seinen Vater. Das ist ganz berührend. Ich liebe diese Lesung.

Was genau verbindet Sie mit Fontane?

Ich glaube, es war Effi Briest oder Irrungen, Wirrungen, als ich gemerkt habe: Der Fontane, der weiß so viel über Menschen, besonders über Frauen. Er weiß alles über das Leben. Er hat eine unglaubliche Beobachtungsgabe, eine Durchdringung der Charaktere und schaut mit dem Herzen. Es macht einfach Spaß, ihn zu lesen. In seinen „Wanderungen“ beschreibt er die Orte mit so viel Witz und Wissen — und er war nicht nur in bequemen Zeiten unterwegs. Ich finde, er ist ein toller Mensch. Ein toller Autor natürlich auch.

Wie kommt es, dass Sie gerade in Frankfurt lesen?

Ich habe Frankfurt entdeckt, als ich ins Oderland gezogen bin. Ich habe hauptsächlich das Kleist–Museum in den Fokus genommen. Das liegt so schön an der Oder. Eine Fahrt mit dem Boot die Oder entlang steht auf meiner To–Do–Liste. Die Ausstellung im Museum ist auf ganz moderne Weise wunderbar. Dauernd in Schaukästen gucken und Schriften lesen, ist bei Literaturausstellungen ziemlich langweilig. Im Kleist–Museum werden alle möglichen Sinne angesprochen. Du hörst, siehst, wanderst durch Kleists Leben und Schaffen. Auch die Marienkirche finde ich ganz schön, vor allem das Leere. Darüber hinaus bin ich mit Frankfurt noch nicht so firm.

Fontane bereiste Brandenburg zu Fuß oder per Mietkutsche — wie kommen Sie am Donnerstag nach Frankfurt?

Miet– nicht, aber Kutsche schon — mit dem Auto komme ich. Also nicht mit dem Fahrrad und nicht fontanisch gewandert. Das würde mir zu lange dauern.

Besuchen Sie im Laufe des Fontanejahres noch einmal Frankfurt, zum Beispiel zur Marathon–Lesung des Romans „Vor dem Sturm“?

Das Projekt finde ich klasse, da komme ich sicher noch einmal. „Vor dem Sturm“ habe ich natürlich auch gelesen. Es ist nicht ganz einfach, schwer vermittelbar. Aber ich finde, das ist ein tolles Buch.

Eine Frage darf bei Fontane nicht fehlen: Mögen Sie Birnen?

Ja. Nicht die mehligen, weichen, sondern die richtigen, die ungenießbar aussehen und etwas härter sind.