Mariusz Olejniczak
: „Unser Zentrum ist die Brücke“

Der neue Slubicer Bürgermeister Mariusz Olejniczak äußerte sich im Redaktionsgespräch zur Zukunft der Doppelstadt.
Von
Nancy Waldmann
Frankfurt/Slubice
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Mariusz Olejniczak: neuer Bürgermeister der Stadt Słubice, beim Besuch der Stadtboten-Redaktion

Michael Benk

Mariusz Olejniczak ist politischer Pragmatiker und bedingungsloser Lokalpatriot und zwar nicht für Słubice, auch für die Doppelstadt. Das war klar herauszuhören beim ersten Gespräch, zu dem die Redaktion des Stadtboten den seit drei Monaten amtierenden Bürgermeister geladen hatte.

Kernthema für ihn: Ein gemeinsames Zentrum für die Doppelstadt. Der 45-jährige gebürtige Słubicer widmet sich seit 12 Jahren der Kommunalpolitik in seiner Heimatstadt. 2006 bis 2014 war er Vize-Vorsitzender im Stadtrat Słubice, danach dessen Vorsitzender. „Die Arbeit ist jetzt härter als früher“, sagt er. „Lange Tage, viele Treffen!“ Erst am Vortag hatte er Polens Ministerin für Arbeit und Soziales Elzbieta Rafalska empfangen, langjährige Sejm-Abgeordnete aus der Wojewodschaft Lubuskie, unter anderem um Pläne für eine Umgehungsstraße und den Hochwasserdeich für seine inzwischen auf 20 000 Einwohner gewachsene Stadt voranzutreiben. Ein altes Thema, aber der nächste Schritt sei getan: Eine Million Złoty habe die polnische Regierung für ein Konzept bereitgestellt, 300 000 Złoty der Stadtrat. Man könne sich freuen.

Die Zusammenarbeit mit Frankfurt bewertet Olejniczak sehr positiv. Man bilde zusammen ein Ballungsgebiet und danach werde der gemeinsame Handlungsplan bis 2030 entwickelt, der im Mai von den Stadtverordneten beider Städte verabschiedet werden soll. Die Entwicklung eines Zentrums für die Doppelstadt liegt dem Słubicer dabei besonders am Herzen. „Ich denke, die Brücke und ihr Umfeld ist unser gemeinsames Zentrum. Ich möchte, dass diese Flächen rund um die Brücke erschlossen und entwickelt werden.“ Auch der Fluss müsse belebt und Tourismus ermöglicht werden – trotz niedrigem Wasserstand, findet er. Mit seinem Amtskollegen René Wilke sei er sich einig, dass eine zweite Oderbrücke notwendig ist – nördlich der Stadtbrücke, die an den Wochenenden überlastet ist. „Aber das dauert lange und hängt nicht allein von uns, sondern von Politikern auf höchster Ebene ab“, dämpft Olejniczak die Erwartungen. Man sei aber in gutem Kontakt mit dem Land Brandenburg und mit dem Wojewoden – Gegenwind von der europaskeptischen Regierung seines Landes oder Anspannung angesichts der polarisierten politischen Szene spüre er nicht, behauptet Olejniczak. „Ich bin apolitisch. Und zum Wohle meiner Stadt bin ich bereit auch mit dem Teufel zu reden“, sagt er. Und das schien nicht nur als Scherz gemeint.

Schneller in die Tat umzusetzen als der Bau der zweiten Brücke sei das neue Schwimmbad. „Mir ist egal, ob es in Frankfurt oder Słubice entsteht“, sagte der Bürgermeister. Der Bedarf sei groß und bei der Wahl des Standorts solle man nicht nur die Baukosten bedenken, sondern auch wo man den Betrieb dauerhaft ermöglichen könne. Vor dem Schwimmbad soll aber der Kleistturm fertig werden, versichert Olejniczak, der optimistisch ist, denn dazu er habe gerade Rücksprache mit Potsdam gehalten.

Wichtige Anliegen im Handlungsplan sind für ihn auch das Erlernen der jeweiligen Nachbarsprache sowie die Gesundheitsversorgung. Olejniczak hat den dringenden Wunsch: „Wir wünschen uns, dass auch die Słubicer rechtlich die Chance haben, die Angebote des Frankfurter Klinikums zu nutzen.“

Kommentar: Neue, alte Mitte

Wo ist hier eigentlich das Zentrum?  Eine Frage, die sich in Frankfurt nicht so leicht beantworten lässt. Am ehesten wohl noch rund ums Rathaus. Oder doch eher an der Magistrale? In Słubice sieht es kaum besser aus. Einen Kern, auf den alles zuläuft, gibt es nicht. Stattdessen wirkt das Stadtgebiet regelrecht zerschnitten.

Die Nachkriegsordnung hat aus einer Stadt an der Oder zwei gemacht. Und  sie damit auch aus dem Gleichgewicht gebracht. Denn bis zur Teilung befand sich das natürliche Stadtzentrum an der Stadtbrücke. Erst der Wegfall der Grenzkontrollen 2007 hat den Blick wieder frei dafür gemacht, dass Frankfurt und Słubice eigentlich kein Zentrum fehlt. Es ist bereits da. Viele Tausend Menschen, die täglich die Brücke queren, sind der schlagende Beweis dafür. Nur muss dieses Zentrum endlich städtebaulich mit Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangeboten und Gastronomie beplant werden. Und zwar gemeinsam. Für eine neue, alte Mitte am Puls der Doppelstadt.⇥Thomas Gutke