MittwochsTalk im Kiez: Anekdoten und Gerd Schuths unvergessenes Tor

Gerd Schuth (Zweiter von links), Moderator Uwe Köppen (Mitte) und Fans des FC Vorwärts Frankfurt hatten sich auch nach dem Gespräch vor dem Nachbarschaftstreff Gute Stube im Pablo-Neruda-Block noch viel zu erzählen.
Hubertus RößlerBegonnen hatte er mit dem runden Leder in der Schülermannschaft, wurde rasch in die Kreisauswahl Demmin berufen. „Mit 13 Jahren habe ich eine Lehre angefangen. Die Schule habe ich nur bis zur achten Klasse besucht und erst später alles nachgeholt“, erzählte Schuth, dem man seine norddeutsche Herkunft nach wie vor anhört. In der Jugend von Post Neubrandenburg spielt er unter anderem mit dem späteren Nationalspieler Gerd Kische zusammen. „Wir wurden in dieser Zeit Dritter der DDR-Meisterschaft im Nachwuchs. Und bald darauf landete ich in der Ersten Männer-Mannschaft, die in der DDR-Liga spielte.“ Schon damals konnte er durch seine Fähigkeiten auf sich aufmerksam machen: „Schnelligkeit, Zweikampfverhalten und eine solide Technik – auch wenn es bei mir vielleicht etwas steif aussah und nicht so elegant wie bei manchem Mittelfeldspieler“, sagte Schuth.
Schock am 1. Tag in Frankfurt
Nach einem Abstecher zu Vorwärts Neubrandenburg ging er nach Frankfurt – zum frisch aus Berlin an die Oder delegierten FC Vorwärts. „Am ersten Tag habe ich gleich einen Schock gekriegt. Ich habe mich beim neuen Vorstand gemeldet, und die haben gefragt, welche Position ich denn spiele. Als ich antwortete ,Libero‘ meinten sie, ich solle in die Zweite Mannschaft gehen, denn auf dieser Position gibt es schon drei Spieler. Da habe ich natürlich erst einmal dumm geguckt.“
Doch über die Sommerrunde erspielte er sich schnell einen Stammplatz in der Oberliga-Elf und konnte viele Erfolge mit dem FCV feiern. Unvergessen sein Tor 1974 beim 2:1-Triumph im Europapokal gegen Juventus Turin, als er Torwart-Legende Dino Zoff bezwang. „Ich hatte Glück, man hat mir auf den Kopf geschossen. Nein, ganz so war es zwar nicht, aber dieser Moment ist unvergessen.“ Gleichzeitig erinnerte sich Gerd Schuth an eine kuriose Vorgeschichte des Spiels: „Am Freitag davor spielten wir gegen Halle unter Flutlicht, als dieses plötzlich ausfiel und nicht mehr anging. Die Stadt hat dann mehrere Tage gearbeitet und es wieder repariert. Vorsichtshalber ließ man das Licht dann zwei Tage lang brennen.“
Auch abseits des großen Rampenlichts reiste die Mannschaft in dieser Zeit viel herum. „Wir waren unter anderem in Angola, Irak, Syrien, Jordanien und Nordkorea, um Beziehungen aufzubauen. Das war teilweise sehr abenteuerlich, manchmal gab es mehrere Tage lang nichts Richtiges zu essen. Aber es waren schöne und tolle Reisen.“
Nach der Wende wurden die Spieler als Angehörige der Bundeswehr entlassen, die Mannschaft brach auseinander. „Durch Zufall wurde ich Trainer in Eberswalde. In dieser Zeit fuhr ich jeden Tag mit dem Auto um 5 Uhr in Frankfurt los und war erst 22 Uhr wieder da. 1993 landete ich eines Morgen im Straßengraben. Es war nichts passiert, aber für mich war klar, dass es so nicht weitergehen kann. Also habe ich mir eine Arbeit als Bauingenieur in Frankfurt gesucht und war bis Mitte der 1990er-Jahre Trainer bei Viktoria und Eintracht“, berichtete der Inhaber der Fußall-Lehrer-A-Lizenz, der sich seitdem aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hat. „Seit vielen Jahren ist kein Bedarf mehr da. Ich war als Trainer relativ hart, aber einer muss ja das Sagen haben.“ Nach wie vor organisiert Schuth die zweimal jährlich stattfindenden Oldie-Treffen des FC Vorwärts. „Um die Tradition des Vereins zu erhalten.“
Trotz seiner 70 Jahre fühlt er sich nach wie vor gut, stand bis vor drei Jahren regelmäßig mit einer Oberliga-Auswahl auf dem Feld. „Da ich in beiden Knien Arthrose habe, musste ich mit dem Fußball aufhören. Jetzt halte ich mich durch Walken, Fitness und lange Touren mit dem Fahrrad fit“, berichtete er anschließend.
Das Geschehen auf dem Rasen verfolgt er natürlich immer noch sehr interessiert. „Fußball ist nach wie vor meine Leidenschaft. Ich habe schon immer Sympathien für den FC Bayern und auch für Werder Bremen. Leider wird beim Fußball in unserer Region ja wenig geboten, aber ab und zu bin ich noch beim 1. FC Frankfurt.“ Auch der Stadt fühlt er sich verbunden. Überlegungen, wieder in den Norden zurückzukehren, gab und gibt es keine. „Frankfurt hat sich gut entwickelt. Die Stadt gefällt mir mit ihrer schönen Umgebung. Und meine Frau und ich haben viele Freunde hier“, schwärmte Gerd Schuth.
Mittwochs-Talk soll zur Tradition werden
Uwe Köppen möchte als Initiator und Moderator den Mittwochs-Talk fest etablieren und zu einer Tradition werden lassen. "Im Juli ist Sommerpause, aber im August ist angedacht, anlässlich der Junioren-WM in der Stadt einen Radsportler einzuladen." Sein Konzept ist es, lokale Sportler aus der Region in lockerer Runde vorzustellen. "Das müssen nicht immer Stars sein. Und wichtig ist mir auch, die Vielfalt der in Frankfurt beheimateten Sportarten zu zeigen", erklärt Köppen. ⇥hrö
