Motorsport: Sturzfrei schneller werden
Das Motorsportteam HGA Racing steckt in den letzten Vorbereitungen auf die neue Saison. Während zwei der jungen Motorrad–Rennfahrer erstmals eine Sprintserie in Angriff nehmen, geht es für ein Trio Ostern mit einem Langstreckenrennen los.
Die Fahrwerke der Rennmaschinen sind überarbeitet, alle Verschleißteile ausgewechselt, hier und dort etwas optimiert. Es fehlen nur noch die Räder und die Verkleidung. In einer Woche muss alles fertig sein. Am 8./9. April werden Lydia Wellmann und Michael Chwalisz bei einem Sprint–Cup auf dem Pannonia–Ring in Ungarn in die Saison starten. Johannes Gauerke, Hans Oberländer — alle vier kommen aus Frankfurt — und Robert Behrendt aus Werder folgen Ostern mit einem Langstreckenrennen über zwei Stunden in Brno.
Vor zwei Jahren ist bei den jungen Leuten zwischen 23 und 33 Jahren aus dem Spaß am schnellen Fahren auf zwei Rädern sportlicher Ehrgeiz geworden. Sie fuhren die ersten Erfolge ein, unter anderem bei der MadMonday–Challenge als Vizemeister ihrer Klassen: bis 650 ccm Chwalisz (2018) und Behrendt (17), bis 1000 ccm Gauerke (18). Wellmann siegte bei den Frauen. „Nach diesen Rennen für Einsteiger soll es nun etwas anspruchsvoller werden“, sagt Johannes Gauerke.
Das HGA–Racing Team konzentriert sich dabei auf den Star Design Cup. Die Sprintserie eines österreichischen Veranstalters führt nach Tschechien, Ungarn und in die Slowakei, ist dennoch „preislich attraktiver“ als eine in Deutschland. Sechs der sieben Rennen wollen Lydia Wellmann und Michael Chwalisz bestreiten.
Ihre Teamgefährten planen Langstreckenrennen, die nicht zu einer Serie gehören, im Zweier– oder Dreierteam auch auf dem Slovakia Ring und in Most. Hier gilt es, so viele Runden wie möglich in einer bestimmten Zeit zu fahren. Die Frankfurter haben sich zumeist vier–Stunden–Rennen ausgesucht. „Hier kommt es nicht auf die Schnelligkeit an sich an, sondern eher darum, konstant schnelle Zeiten zu fahren, sturzfrei zu bleiben, den Tank nicht leer zu fahren. Vor allem entscheidend ist aber die Boxenzeit“, erklärt Johannes Gauerke.
Als Team fahren sie gemeinsam zu den Rennen: Wer nicht auf der Maschine sitzt, kümmert sich als Mechaniker um die Technik oder coacht seine Kameraden. "Die psychologische Betreuung finde ich ganz wichtig“, hat Chwalisz für sich ausgemacht. „Ich brauche Struktur, um mich nicht verrückt zu machen. Da ist es gut, wenn einer rückkoppelt.“ Behrendt ergänzt: „Es ist gut zu wissen, dass sich jemand um das Motorrad kümmert und ich mich ganz aufs Rennen konzentrieren kann.“
Ihre Vorbereitung besteht aus Kraft–Ausdauertraining zu Hause und dem Training auf den Strecken unmittelbar vor den Rennen. „Körperlich sind wir noch nicht ausgebremst worden, eher durch Blockaden im Kopf“, sagt Johannes Gauerke. Ihm helfe vor allem das Coaching beim Training. Michael Chawalisz setzt auf die Analyse von Videos und Berichten, um sich seine Ideallinie herauszufiltern, gerade auf neuen Strecken. Robert Behrendt kombiniert beides.
Das Trio im Hintergrund als Teamhelfer und Mechaniker sind Juliette Schröter, Alexander Bause und Ole Tilgner. Ihre Aufgaben sind vielfältig, auch das Vorwärmen der Räder gehört dazu: „Die Reifen werden mit Heizdecken ummantelt und auf 80 bis 90 Grad Celsius gebracht“, erklärt Tilgner. Und auch, wenn sich jeder in die Technik immer mehr reinarbeitet, sucht das Team noch einen professionellen Mechaniker. „Wir merken immer mehr, was Motorradtechnik bedeutet. Ein professioneller Mechaniker würde uns Zeit verschaffen für andere Aufgaben bei den Rennen“, sagt Gauerke.
Ihr kostenspieliges Hobby – pro Rennen rechnen sie mit 1000 Euro Kosten allein an Verbrauchsmaterialien — sparen sie sich über den Winter zusammen. Mittlerweile haben sie drei Unterstützer gefunden, darunter mit LWB Racing eine Meisterwerkstatt aus Strausberg, die ihnen mit Rabatten entgegenkommen.
Konkrete Ansprüche für dieses Jahr wollen die Team–Mitglieder angesichts der neuen anspruchsvolleren Strecken noch nicht benennen. Das könne man frühestens nach zwei Rennen. „Auf alle Fälle sturzfreier schneller werden und effizienter fahren“, formuliert Chwalisz ein allgemeines Ziel. Denn Stürze mit Verletzungen haben die jungen Männer einige hinter sich. Dies passiere meist, wenn sie ihre Limits überschreiten, um sich zu verbessern. Aber, das betonen sie: Fünf von sechs Stürzen seien verletzungsfrei. Und so wünscht man sich für die Saison "immer eine Handbreit Reifen zwischen dir und dem Asphalt.“


