MOZ-Ehrung
: Hans-Jörg Laurisch ist Frankfurter des Jahres

Vor drei Wochen ließ der Stadtbote darüber abstimmen, wer Frankfurter des Jahres 2019 werden soll. Gewonnen hat Hans-Jörg Laurisch, Chef der Frankfurter Fanfarengarde.
Von
Louisa Theresa Braun
Frankfurt (Oder)
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Hans-Jörg Laurisch, Chef der Fanfarengarde, freut sich über den Roten Sessel, den Preis für die Auszeichnung zum Frankfurter des Jahres. In der Trophäenecke des Garde-Hauses nimmt er ihn in Empfang. Später soll er aber in seinem Büro stehen.

René Matschkowiak

Eine tolle Anerkennung und Wertschätzung seiner Arbeit sei das, freut sich Hans-Jörg Laurisch, Vorsitzender der Frankfurter Fanfarengarde. Hinter ihm liegen anstrengende Wochen. „Im Herbst hatten wir zwischen 20 und 30 Auftritte, zum Beispiel bei Martinsumzügen, in Kitas, unser Jahreskonzert und eine Konzertreise durch Ungarn und Polen. Das war toll!“ In der ungarischen Stadt Zakopane habe die Fanfarengarde in der Fußgängerzone gespielt. „Plötzlich blieben immer mehr Leute stehen und haben geklatscht – ein Erlebnis, das in Erinnerung bleiben wird.“

Für das kommende Jahr sind schon neue Projekte in Planung. Die Concert Band des Vereins hat sich für den Deutschen Orchesterwettbewerb qualifiziert, der im Mai in Bonn stattfindet. Außerdem wurde ein deutsch-polnisches Natur-Tonorchester gegründet, in dem die besten Musiker beider Länder spielen sollen. Das Konzept sei bislang einzigartig in der Blasmusik.

Musikalische Bildung

Eine Fanfare ist eine Trompete ohne Mundstück, die, begleitet von Trommeln, traditionell bei Umzügen und Paraden, das heißt im Gehen gespielt wird. Der Ursprung liegt in der Militärmusik. Heute gehe es aber in erster Linie darum, „dass Kinder gemeinsam musizieren“, sagt Laurisch. Die Fanfarengarde habe den pä-dagogischen Anspruch, Kinder musikalisch zu bilden, auch solche aus weniger privilegierten Familien. Dafür geben er und sein Team an Ausbildenden nicht nur Unterricht für die etwa 200 Mitglieder des Vereins, sondern auch Workshops an Schulen.

Hans-Jörg Laurisch habe selbst in der Schule mit dem Trompete spielen angefangen und eine Band gegründet. „Wir sind durch den Spreewald gezogen und haben Mukke gemacht“, erinnert er. 1975 kam Laurisch für eine Elektronik-Ausbildung beim Halbleiterwerk nach Frankfurt, und zur Fanfarengarde, wie viele andere, weil die in der DDR eine Alternative zur „Gesellschaft für Sport und Technik“ war. Damals trat sie vor allem bei Aufmärschen und bei Festen wie zum 1. Mai auf. Schon 1979, mit gerade mal 20 Jahren, wurde Laurisch Vorsitzender, studierte Orchesterleitung und beschloss, dass die Mitglieder, die bis dahin nur nach Gehör spielten, im Noten lesen ausgebildet werden sollten.

Nach der Wende wurde die Garde zum Verein und für ihren Chef schuf die Stadt als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme die Leitungsstelle, die Laurisch bis heute inne hat. Für ihn ist das allerdings viel mehr als ein Job. Bis zu 50 Stunden verbringe er jede Woche mit der Organisation der Musikstunden, Auftritte, Wettbewerbe und Fahrten. „Ohne sein Engagement nach der Wende gäbe es heute wohl keine Fanfarengarde mehr, die international Erfolge feiern könnte“, schreibt Kornela Ehrenberg dem Stadtboten, die für Laurisch als Frankfurter des Jahres gestimmt hat. Außerdem ist dem Garde-Chef wichtig, den Kindern Werte und Erfolgserlebnisse zu vermitteln. „Sie lernen, dass sie üben und pünktlich sein müssen, aber auch, dass sie stolz auf sich sein können. Und dass wir ein weltoffener, grenzübergreifender Verein sind.“

Kulturzentrum geplant

Für die Zukunft der Fanfarengarde wünscht Laurisch sich Investitionen in ihr Haus in der Robert-Havemann-Straße 5, ein ehemaliges Stasi-Gebäude, das der Verein seit 1995 bei der Wohnungswirtschaft anmietet.  In das sanierungsbedürftige Gebäude habe es schon hinein geregnet. Es soll renoviert und zu einem Kulturzentrum werden. Auch der rote Sessel, den er für die Wahl zum Frankfurter des Jahres 2019 geschenkt bekommt, wird hier seinen Platz finden.

Am Freitag, 17. Januar lädt die Fanfarengarde um 18 Uhr zu einem Neujahrsempfang in die Robert-Havemann-Straße 5 ein, in dem das musikalische Programm 2020 vorgestellt wird.

Der Rote Sessel in Zahlen

Seit 2012 lässtder Stadtbote seine Leserinnen und Leser aus einer Reihe von Ehrenamtlichen und Engagierten den "Frankfurter des Jahres" wählen. 2018 bekam die Auszeichnung "Transvocale"-Vorstand Thomas Strauch. Noch nie haben so viele von Ihnen mitgemacht wie in diesem Jahr: 705 Personen. Grund ist unsere neue Online-Abstimmung, die 671 Teilnehmende nutzten. 30 Personen schrieben uns eine E-Mail und vier eine Postkarte. Hans-Jörg Laurisch bekam fast die Hälfte aller Stimmen (337), auf ihn folgt Bienenretter Maik Zehm (167) und der dritte Platz geht an Flüchtlingshelfer Sami Nazari (118). Die acht weiteren Kandidaten bekamen unter 20 Stimmen. Traditionell bekommen die Gewinnerinnen und Gewinner einen roten Sessel vom Frankfurter Möbelhaus "Möbel Boss" geschenkt.⇥ltb