Um Theater geht es auch im Gespräch mit Schauspielerin Katrin Sass. Als sie gesehen habe, wie zerfallen und zugewachsen das ehemalige Frankfurter Kleist-Theater heute ist, an dem ihre Karriere begann, sei sie den Tränen nahe gewesen. Umso humor- und temperamentvoller stürzt Sass sich in die Erzählung ihrer DDR-Vergangenheit. 1982 durfte sie das erste Mal nach Westberlin reisen, weil sie dort für den Film "Bürgschaft für ein Jahr" mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. "Es waren unglaubliche sieben Tage! Aber ich bin nicht dageblieben, weil ich doch zu viel Angst vor dieser anderen Welt hatte." Als Sass zurückkam, sei ihr die ganze DDR dunkel vorgekommen. Außerdem habe sie die kommenden zwei Jahre keine Rollen mehr bekommen, "weil ich die Auszeichnung vom ‚Klassenfeind’ bekommen hatte." Vom Kapitalismus hält sie allerdings auch nicht viel: "Wir definieren uns nur über Arbeit und haben vergessen zu leben." Sie drehe nur noch im Winter den Usedom-Krimi und "mach’ den ganzen Sommer frei – ich brauch’ kein Geld", sagt sie. "Eigentlich hatten wir ja ganz andere Themen geplant, zum Beispiel Alkohol...", setzt Wanders an. "Ich bin seit 21 Jahren trocken!", ruft Sass darauf stolz.

Wein aus Brandenburg – das geht!

Mit Alkohol kennt sich ein anderer Gast besonders gut aus: Matthias Jahnke vom Weingut Patke in Pillgram. Ob man in Brandenburg überhaupt guten Wein anbauen kann, will Seiring wissen. "Ja!", weiß da schon das Publikum. Das Weingut Patke, benannt nach Jahnkes Großmutter, hat er mit seinem Bruder und der befreundeten Familie Lehmann vor knapp drei Jahren gegründet, um zu verhindern, dass der Bauernhof seiner Oma verkauft wird. Nun bewirtschaften sie dort 1,6 Hektar mit Wein. In spätestens sechs Jahren will Jahnke, der eigentlich immer Landwirt werden wollte, die Leitung seiner Heizungs- und Sanitärfirma "REMA Services" an seinen Sohn abgeben und "endlich ganz Bauer sein!"
Nach der Pause geht es politisch weiter. Seiring kündigt Klara Geywitz als "Kämpferin des Jahres" an. Die SPDlerin unterlag im November mit Olaf Scholz in der Wahl um den Parteivorsitz, und verlor im September ihr Direktmandat für den Potsdamer Landtag. "Das war die anstrengendste Zeit meines Lebens", gibt Geywitz zu. Sie spricht offen und auch kritisch über den politischen Betrieb, denn "wir sind ja unter uns." Mit Scholz habe sie zusammen kandidiert, weil sie sich mit seiner Frau Britta Ernst, ebenfalls SPD, sehr gut verstehe. Nach der Niederlage sei von ihr erwartet worden, dass sie als Stellvertreterin weiter mache. "Politiker schlafen nicht", sagt sie, und dass sich das ändern müsse. "Um fünf Uhr morgens treffen wir nämlich keine wachen Entscheidungen mehr."  Oppositionssehnsucht hält die Realistin jedoch für unverständlich. Gerade als Ostdeutsche ist es ihr wichtig, die Interessen der "Ossis" aktiv vertreten zu können.
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Im letzten Teil der Show tritt die Kunst auf die Bühne: Poetry Slamer Ken Yamamoto erzählt, dass er in der Schule schon gedichtet habe, sein Studium für die Lyrik abbrach, mal vor den deutschsprachigen Außenministern aufgetreten ist – und ein großer Fan von Lilo Wanders sei. "Deshalb habe ich zugesagt." Schließlich trägt er noch ein Gedicht vor; das Publikum ist begeistert.
Der Star des Abends ist Schlagersänger Bernhard Brink. Neben zahlreichen Gags wird er unerwartet politisch: "Ich würde auch gerne mal bei Veranstaltungen gegen Fremdenfeindlichkeit auftreten", sagt er. "Aber Schlagersänger werden einfach nie gefragt." Dass er auf der Bühne einiges drauf hat, stellt er zum Abschluss des Abends unter Beweis. Als er "Caipirinha" und andere Songs zum Besten gibt, hält es einige Zuschauende nicht mehr auf ihren Stühlen; selbst Seiring tanzt am Rande mit. Riesenapplaus gibt es am Ende nicht nur für ihn, sondern auch für die beiden Moderatorinnen sowie die MOZ-Showband.
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