Nach dem Feuer
: Frankfurter fühlen mit Paris

Frankfurter bewegt der Großbrand in der Kathedrale Notre-Dame in Paris.
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt (Oder)
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  • Gudrun Frey besuchte zusammen mit ihrer Tochter Celine und ihrem Mann vor einigen Jahren die Notre-Dame-Kathedrale.

    Gudrun Frey besuchte zusammen mit ihrer Tochter Celine und ihrem Mann vor einigen Jahren die Notre-Dame-Kathedrale.

    privat
  • Etienne Jollet ist seit Oktober Lektor an der Gastprofessur "Pensées Françaises Contemporaines" der Viadrina.

    Etienne Jollet ist seit Oktober Lektor an der Gastprofessur "Pensées Françaises Contemporaines" der Viadrina.

    Nancy Waldmann
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Pragmatisch beurteilt das Feuer Helmut Otto,  Amtsleiter von Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen. „Die Restaurierung vom historischen Bestand ist mit erheblichen Risiken verbunden“, erläutert er. Deswegen gebe es für derartige Gebäude hohe Sicherheitsvorschriften – gerade auch für Schweißarbeiten. „Ob es in Paris an technischen Defekten oder menschlichem Versagen lag, darüber lässt sich zurzeit nur spekulieren“, sagt Otto.

Was wäre, wenn die Marienkirche in Flammen stünde? „Wir haben aus dem Wichern-Brand von 1997 gelernt“, antwortet der Amtsleiter. Damals starben acht Menschen, als ein Wohnheim brannte. Beim Großeinsatz stehen eine schnelle Feststellung der Brandursache, die „Abmarschfolgen“ – also Personal aus der Berufs- und den Freiwilligen Feuerwehren – und die Zugänge zu Löschwasser an oberster Stelle.  "Mit der Slubicer Feuerwehr bekommen wir 150 Einsatzkräfte zusammen“, berichtet Otto. Das Wasser werde dann der Oder entnommen – wie der Seine in Paris. Die Teleskopleitern in der französischen Hauptstadt erreichten eine Länge von 50 Metern, in Frankfurt sind es 30 Meter. „Zuerst retten wir Menschen, dann bekämpfen wir den Brand.“

Erinnerungen wurden am Montag in Frankfurt auch an den Brand im Dom in der Partnerstadt Gorzów wach. 2017 war die Feuerwehr fast 24 Stunden mit Löscharbeiten beschäftigt.  Das Feuer war am 30. Juni während eines Gottesdienstes ausgebrochen. Frankfurt spendete 10 000 Euro für den Wiederaufbau.

Juliette Marchet erfuhr auf Instagram vom Pariser Unglück. „Ich habe erst ein wenig gebraucht, um es zu verstehen“, beschreibt die Straßburgerin, die an der Viadrina das Fach Soziokulturelle Studien belegt, ihre Gefühlslage. Freunde aus Paris hätten mit tausend Anderen am Absperrbereich gestanden – „geschockt und doch ruhig“. Die 22-jährige Studentin stand selbst mehrere Male auf dem Kirchvorplatz, um sich beispielsweise auf ein Eis zu treffen. „Notre-Dame ist für viele Franzosen das Symbol von Paris.“

Gespräch in der Marienkirche

Das Feuer war am Dienstagvormittag auch in der Marienkirche Thema, berichtet die geschäftsführende Pfarrerin der Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)-Lebus, Gabriele Neumann. „Wir haben uns bei den Vorbereitungen zur Osternacht gefragt, wie es den Menschen geht.“ Für viele Pariser sei Notre-Dame wie ein Heimatort, weiß die Pfarrerin von ihren Reisen – „da hängt ihr Herz dran“. Wurden in der katholischen Kathedrale zuerst die Reliquien in Sicherheit gebracht, so sieht Neumann die Gegenstände in St. Marien „nur“ als Kulturgüter. „Es sind eher emotionale Werte.“

Etienne Jollet war das letzte Mal im September in der Notre-Dame-Kathedrale. „Ich war dort quasi an der Seite der gesamten Menschheit“, sagt der Pariser Gastprofessor in seinem Büro im Logenhaus der Viadrina.  Im Oktober fuhr Jollet, Kunsthistoriker der Universität Pariser Sorbonne nach Deutschland, um sein Jahr als Lektor in Frankfurt anzutreten. Montag dann die schockierende Nachricht aus seiner Heimatstadt. „Wir Pariser verabreden uns zwar oft vor der Notre Dame. Aber wir gehen selten hinein, es sind ja Millionen Touristen dort.“ Als Kunsthistoriker treibt Jollet die bange Frage um, was unbeschadet geblieben ist von den mittelalterlichen Glasfenstern, den Silbertafeln und Skulpturen und den drei großen Orgeln. Aber es gehe nicht nur um einzelne Kunstobjekte, es gehe um ein Symbol.

„Ein Haus des Volkes“

Mit der Rolle von Notre Dame in der Frühen Neuzeit hat sich Jollet intensiv beschäftigt. Dort war die Kathedrale ein Treffpunkt, nicht nur für religiöse Zusammenkünfte, sondern auch für Geschäftsleute und andere Anliegen. „Es war ein Haus des Volkes.“ Und das sei es bis heute geblieben, denn die Kathedrale steht seit acht Jahrhunderten auf der Ile de la Cité, der Insel, auf der Paris seinen Anfang nahm. Letztlich habe Notre Dame eine „sehr weibliche, schützende“ Bedeutung. „Notre Dame“ heißt „unsere Frau“, erklärt der Professor. Es gehe um die Jungfrau, die den Mantel ausbreitet.

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