Nach EZB-Entscheid
: Sparkasse Oder-Spree kündigt Prämiensparverträge

Die Sparkasse Oder-Spree kündigt Prämiensparverträge. Vorstandsvorsitzender Veit Kalinke äußert sich zu aktuellen Entwicklungen der Geschäftspolitik.
Von
Heinz Kannenberg
Frankfurt (Oder)
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Veit Kalinke, Vorstand Sparkasse Oder-Spree: Wichtigstes Ziel bleibt es, Privatkunden vor Minuszins zu schützen.

Sparkasse

Die Sparkasse Oder-Spree kündigt, wie zuvor andere Sparkassen, Prämiensparverträge.sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Veit Kalinke. Er kritisiert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren Entscheidungen die Regeln der Wirtschaft auf den Kopf stellt.

In ihrer letzten Sitzung erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) abermals den Strafzins, nimmt die Anleihekäufe wieder auf und beschleunigt damit ihre ultralockere Geldpolitik. Müssen sich Sparer sorgen?

Als Sparkasse Oder-Spree versuchen wir seit Jahren alles, um unsere Privatkunden vor einem Minuszins zu schützen. Dies bleibt auch für die Zukunft unser wichtigstes Ziel. Die Regeln der Wirtschaft sind auf den Kopf gestellt, das geldpolitische Instrumentarium der EZB sorgt nicht für eine unterstützende  Geldpolitik sondern für eine komplette Marktverzerrung. Wir werden trotzdem weiter auf der Seite unserer Kunden stehen und sie bestmöglich vor den Auswirkungen der Negativzinspolitik schützen. Klar ist, die Politik der EZB verursacht immensen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Druck. Die damit einhergehenden Kosten sind zu begleichen. Die Möglichkeiten der Abfederung einer Sparkasse sind dabei endlich.

Im Sommer des vorigen Jahres stand die Kündigung der Prämiensparverträge nicht zur Debatte. Was ist seit dem passiert?

An der Zinsfront leider nichts Gutes, um es gelinde auszudrücken. Wie ich schon vor über einem Jahr sagte,  beobachten wir genau die Entwicklungen an den Märkten und sind hier bei unseren Zinserwartungen leider enttäuscht worden. Statt wieder leicht steigender Zinsen sieht die künftige EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, sogar weiteren „Spielraum nach unten“. In Anbetracht einer erstmals negativen Rendite bei allen Laufzeiten deutscher Staatsanleihen ist dies eine katastrophale Entwicklung. Diese Niedrigzinspolitik ist letztlich auch der sachliche Grund, den der Bundesgerichtshof (BGH) in seinem Urteil vom 14. Mai dieses Jahres sah, um bei unbefristeten Sparverträgen, die ihr Sparziel mit Zahlung der Höchstprämie erreicht haben, eine Kündigung rechtskräftig zu ermöglichen.

Wie viele Sparer betrifft die jetzige Kündigung und wie wollen sie ihren Kunden in dieser Situation begegnen?

Auf etwa 3500 Verträge  treffen die Kriterien der Kündbarkeit zu. Viel entscheidender war jedoch unser Bestreben über ein Jahr hinweg auf jeden unserer betroffenen Kunden zuzugehen, ihn einzuladen und in einer fairen und ehrlichen Beratung auf Augenhöhe Alternativen aufzuzeigen. Dies ist uns in sehr vielen Fällen gelungen und hier profitieren die Kunden von höheren Renditen im individuellen Anlagespektrum. Und eines muss ich an dieser Stelle nochmals herausstellen:  Nach Analyse unserer Bestände kamen wir im höchsten Prämiensatz von 50 Prozent der Jahressparleistung  lediglich auf eine Rendite der Altverträge von durchschnittlich unter 1,80% p.a. und das mit fallender Tendenz. Und hier gibt es seit jeher weitaus bessere Anlagemöglichkeiten, wenn ich langfristige Anlagehorizonte vor Augen habe. Und über langjährige Anlagen sprechen wir bei den Beständen aus diesen Verträgen.

Ein anders derzeit viel diskutiertes Thema ist das der Zinsanpassungen, wie steht es hierzu in ihrem Haus?

Laut aktueller Rechtsprechung des BGH sind die Vertragsparteien hier weitgehend frei, solange sie beachten, dass für Zinssenkungen und Zinserhöhungen die gleichen Parameter verwendet werden. Als Referenzzinssatz für die Anpassung des variablen Zinssatzes hat die Sparkasse Oder-Spree einen langfristigen Kapitalmarktzins gewählt, der regelmäßig quartalsweise überprüft wird. Wir gehen davon aus, dass diese Zinsanpassungsklausel wirksam ist und einer gerichtlichen Überprüfung standhält.