Mehr als 300 Aussteller aus dem Oderland und darüber hinaus und mehr als 1500 Besucher sind am Samstag zum 17. Oldtimertreffen und Dorffest nach Hohenwalde, einen Ortsteil von Frankfurt (Oder) gekommen. „Das ist sowohl ein neuer Aussteller- als auch Besucherrekord“, freut sich Steffen Müller. Der neue Vorsitzende des Heimatverein Hohenwalde fungierte gemeinsam mit Olaf Hoffmann als Moderator der Veranstaltung, die die Herzen der Technikfans aus der Region höher schlagen ließ. Doch vor dem Blick auf die Oldtimer kam an den beiden Zugängen zur Festwiese auf dem Anger die Registrierung – per Luca-App oder Zettel.

Der alte Deutz-Motor trieb einst eine ganze Mühle im Oderbruch an

Neben liebevoll aufgemotzten alten Zweirädern, Autos und Traktoren gab es eine Reihe besonderer Motore zu sehen. Immer wieder versammelten sich Schaulustige um den großen Deutz-Stationär-Motor von Dieter Müller. Der 1933 gebaute, rund 1,5 Tonnen schwere Koloss habe einst die Sietzinger Mühle im Oderbruch angetrieben, weiß der 68-jährige Hohenwalder. Er hat ihn 2007 mit drei Helfern ausgebaut, zerlegt und nach Frankfurt (Oder) gebracht, in seiner Werkstatt wieder zum Leben erweckt. Seit 1948, als ihn ein elektrischer Antrieb ablöste, hatte der Deutz-Motor stillgestanden, erzählt Dieter Müller. Der Landmaschinen-Mechaniker-Meister, der seit rund 20 Jahren Alttechnik sammelt, ist der Oldtimer-Verantwortliche des Hohenwalder Heimatvereins. Am Samstag stand er der Jury vor, die die schönsten Modelle kürte.
Bilder vom Oldtimer-Treffen in Hohenwalde

Oldtimer Bilder vom Oldtimer-Treffen in Hohenwalde

Der Massey-Harris ist das jüngste Kind in Torsten Krügers Sammlung

Gleich neben Müllers Deutz stellte Torsten Krüger aus Müllrose das jüngste Kind aus seiner Oldtimer-Sammlung vor – einen 1920 in Kanada produzierten Massey-Harris-Motor. Er habe ihn eben erst in Holland erworben, berichtet der 58-jährige Autoelektriker und Fuhrunternehmer, der mit Freunden aus dem Verein Alt-Technik Schlaubetal nach Hohenwalde gekommen ist.
Mit einer großen Abordnung sind auch die Oldtimer- und Traktorenfreunde aus Zechin im Oderbruch angereist. Unter ihnen Manfred Grawert (80) aus Golzow mit seinem Trecker der Marke Kramer KL 200. Den habe er vor vier Jahren in Sachsen gekauft und in seiner Werkstatt neu aufgebaut. „Der war völlig runter“, erzählt der Landmaschinentechnik-Meister bei der Vorstellung seines grünen Schmuckstücks vor der Bühne stolz.

Fangemeinde bestaunt Trabi-Vorgänger P70

Riesen-Applaus der versammelten Fangemeinde erhielt dort auch Detlef Dubro aus Groß Lindow (72) für seinen olivgrünen P70. Der Trabivorgänger ist 1957 gebaut worden.
Nachdem gegen Mittag die Hohenwalder Jugendfeuerwehr das Löschen eines Hausbrandes simuliert hatte und sich die kleinen Besucher auf zwei Hüpfburgen und einem alten Leiterwagen ausgetobt hatten, wurden am späten Nachmittag die Sieger in drei Oldtimer-Kategorien gekürt.
Sieger in der Kategorie Zweiräder wurde Siegfried Wartig aus Schlaubehammer mit seinem um einen Motor ergänzten, 75 Jahre alten Diamant-Fahrrad. An dem sei sonst „alles original“, versicherte der Sieger.

In der ES-Beiwagenmaschine brachte er seine Frau zur Enbindung

Gleich mehrfach zu Ehren kam Patrick Eisermann aus dem Frankfurter Ortsteil Lichtenberg. In der weißen ES 250/2-Beiwagenmaschine de luxe, die Vize-Sieger bei den Zweirädern wurde, habe er 1989 seine Frau zur Entbindung ins Krankenhaus und mit der Tochter wieder nach Hause gebracht, erzählte der Frankfurter. Tochter Samantha (31) hat die Liebe zu Oldtimern offenbar geerbt. Sie präsentierte in Hohenwalde ihr schickes Trabi-Cabrio.
Sieger in der Kategorie Autos wurde Denny Möller aus Müllrose mit seinem zum Familien-Camper ausgebauten VW-Bulli „Hugo“, Baujahr 1970, gefolgt von Anja Mühlner aus Dresden mit ihrem himmelblauen VW Käfer und Robert Laußmann aus Briesen mit seinem schwarzen Pontiac TransM. Das Röhren des 8-Zylinder-Motors mit 300 PS war Musik in den Ohren der Oldtimerfans.

Zwei Lichtenberger holen die Traktoren-Siege

Den Sieg in der Kategorie Traktoren holte sich der Chef der Lichtenberger Agrargesellschaft Arno Derks mit dem schicken, grauen Ferguson-Trecker seines holländischen Opas, der 1948 in England hergestellt worden war. Auch auf Platz 2 kam ein Lichtenberger: Matthias Bär mit seinem Lanz Bulldog, Baujahr 1938. Er dankte den Organisatoren für das „tolle Fest“.
Auf dem erfreuten die Free Time Line Dancerinnen aus Kliestow mit ihren Tänzen und gingen die 35 Kuchen der Bäckerinnen aus dem Hohenwalder Heimatverein im Versorgungszelt weg wie die berühmten warmen Semmeln.