Osterfeuer: Wo der ganze Ort zusammenkommt
Dann sitzen und stehen sie rund um das Feuer, sprechen über aktuelle Ereignisse, den Osterbraten und welcher Kuchen dieses Mal zum Fest gebacken wird. Brigitte Judisch kennt die alljährlichen Gespräche und kommt genau wegen dieser Geselligkeit, der Menschen und guten Unterhaltung – von den 20 Osterfeuern hat sie fast alle miterlebt, seit 1975 wohnt sie in dem Ortsteil. Dieses Mal ist ihre neunjährige Enkelin aus Potsdam zu Besuch, lässt sich von Annika Kraft, Freiwillige Feuerwehr Hohenwalde, die Ausrüstung der Feuerwehr erklären. „Ohne uns hätten sie das Feuer nicht machen dürfen“, ruft Feuerwehrkollege Wolfgang Stephan.
Waldbrand-Gefahrenstufe 4
Für Frankfurt und Umgebung gilt Waldbrand-Gefahrenstufe 4, in weiten Teilen Brandenburgs finden die traditionsreichen Feuer nicht statt. In den Frankfurter Ortsteilen aber sind sie vom Ordnungsamt genehmigt. „Würden sie am oder im Wald stattfinden, hätte ich auch Bedenken“, sagt Wolfgang Welenga, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbands.
Die zunächst vollen Bänke rings ums Osterfeuer werden leerer – nicht aus Vorsicht, sondern weil die Hitze enorm ist. Auch die Bank, auf der Sandra Händschke sitzt, steht etwas vom Feuer entfernt. Obwohl sie seit bald sieben Jahren in dem Ortsteil wohnt, ist es ihr erstes Mal beim Osterfeuer. In den Vorjahren musste sie Gründonnerstag immer lange arbeiten. Diesmal ist sie mit der ganzen Familie gekommen: Kinder, Mann und Schwiegereltern, selbst der Familienhund ist für kurze Zeit mit dabei.
150 Besucher in Booßen
Auch in Rosengarten ist das Osterfeuer eine Einladung an die ganze Familie: Irina Lodka vom Förderverein und Helfer verstecken 40 bunte Eier, die Kinder sind zum Eiertrudeln eingeladen. In Booßen versammeln sich an die 150 Menschen zum Osterfeuer. „Der Wettergott hat mitgespielt, es gab keine Probleme“, erzählt Klaus Schönknecht, Gruppenführer und Organisator der Freiwilligen Feuerwehr, am Freitag. Und Andreas Fuhlbrügge von der Freiwilligen Feuerwehr Kliestow erklärt, warum das dortige Osterfeuer kleiner, in einer Feuerschale, stattfindet: "Unser Osterfeuer soll sich schon etwas absetzen vom Weihnachtsbaumverbrennen.“ Am Ende ist nicht die Größe des Feuers entscheidend, sondern die Gemütlichkeit.
Welche Bedeutung steckt dahinter?
Warum wird vielerorts zu Ostern ein großes Feuer entfacht? Diese Tradition lässt sich zum einen christlich erklären: Das Feuer und die daran entzündete Osterkerze, die dann in die dunkle Kirche getragen wird, stehen für Jesus und die Auferstehung. Das Osterfeuer hat jedoch auch eine vorchristliche Tradition und soll den Winter, böse Geister und Hexen vertreiben. Dem Feuer wurde nachgesagt, dass es den Menschen Glück und gute Ernte bringt. Aus diesen Traditionen entwickelte sich ein beliebter – wärmender – Volksbrauch. Diesen pflegen am heutigen Sonnabend die Ortsteile Lossow, 18 Uhr vor der Kirchruine, und Hohenwalde, 18 Uhr am Anger vor der Kirche. ⇥sam


