Pflege: Vitalwerte, Trinkprotokoll und Tabletten

Können Bewohner eines Altenheims nicht mehr selbstständig trinken, wird ein Trinkprotokoll angelegt.
dpaMeine Mutter bekommt zu wenig zu trinken" – mit diesem Vorwurf wandte sich die Tochter von Marianne Golze (Name geändert) an die MOZ. Die Seniorin ist 86 Jahre alt und wird im Theodor–Fliedner–Haus gepflegt. Sie leidet an Demenz und muss deswegen gepflegt werden. Ohne eine Rundumbetreuung würde Golze wahrscheinlich auch verdursten, wenn ihr Pflegekräfte nicht etwas Tee oder Wasser geben würden.
„Die tägliche Menge an Flüssigkeit liegt sogar über dem Soll“, sagt Peggy Schulz, Einrichtungsleiterin vom Theodor–Fliedner–Haus. Zusammen mit Pia Reisert, Geschäftsführerin der Altenhilfe, hat sie sich die Akte der 86–Jährigen angeschaut. Auf eine ärztliche Anordnung hin führten die Pfleger ein Trinkprotokoll, zum "Anleiten und Erinnern“, erklärt Peggy Schulz.
Jeder Becher, der getrunken wird, kommt in die elektronische Pflegedokumentation. In dem Computerprogramm steht, dass die tägliche Menge an Flüssigkeit bei Golze sogar über dem täglichen Bedarf von 800 Millilitern liege. Aber Golzes Tochter war später nicht mehr zu erreichen.
Jede Pflegeeinrichtung wird einmal im Jahr vom Medizinischen Dienst kontrolliert. Nach der unangekündigten Überprüfung erhielt das Haus im Januar für „Pflege und medizinische Versorgung“ die Note 2,2.
Acht Stunden Zeit
Für jeden der 44 Bewohner (Anzahl schwankt) haben die Mitarbeiter am Tag acht Stunden Zeit, um die Pflegeplanung und -dokumentation zu erfassen. Dann schließt sich das Programm automatisch, ein weiterer Eintrag ist dann nicht mehr möglich. „Pro Person brauchen wir am PC im Schnitt täglich 30 bis 45 Minuten“, sagt die Einrichtungsleiterin. Eine Bewohner–Akte hat zwölf Teile – wie zum Beispiel die Stammdaten, Pflegeplanung, den Bericht, ärztliche Verordnungen oder spezielle Diäten.
Arbeiten in der Frühschicht drei Pfleger und eine Betreuungskraft, so sind es mittags und abends zwei Hauptkräfte. Alle sind verpflichtet ihre Arbeitsschritte in den PC einzutragen.
Auswertung alle drei Monate
Die Überprüfung der Vitalwerte, wie Blutdruck und die Herzfrequenz, sowie die Überwachung von Risiken wie bei sturzgefährdeten Senioren oder die Vergabe von Tabletten — und deren Dokumentation – gehört zur täglichen Arbeit der Pflegekräfte. Alle drei Monate wertet die Pflegedienstleitung diese digitale Dokumentation aus.
„Andere Einrichtungen machen ihre Dokumentation noch händisch“, sagt Geschäftsführerin Pia Reiser. Trotzdem sei der Aufwand ihres Personals für die Schreibtischarbeiten zu viel.