Polizeikontrolle
: Chipkarte statt Fahrtenschreiber

Rund 40 Lkw kontrollierte die Verkehrspolizei der Polizeidirektion Ost auf dem Rastplatz „Berliner Urstromtal“.
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt (Oder)
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  • Im Videofahrzeug: Verkehrspolizist Karsten Freyer überprüft die Fahrerkarte. Dabei steckt er diese in ein Lesegerät. Dann wird die Karte von einer Software ausgewertet.

    Im Videofahrzeug: Verkehrspolizist Karsten Freyer überprüft die Fahrerkarte. Dabei steckt er diese in ein Lesegerät. Dann wird die Karte von einer Software ausgewertet.

    Jan-Henrik Hnida
  • Papiere bitte: Neben den Ausweisdokumenten wird auch die Fahrerkarte kontrolliert.

    Papiere bitte: Neben den Ausweisdokumenten wird auch die Fahrerkarte kontrolliert.

    Jan-Henrik Hnida
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Dariusz (Name geändert) sitzt in seinem Führerhaus und fährt seinen leeren Viehtransporter über die Autobahn. Gestartet ist er am Dienstagmorgen aus Polen, sein Ziel: Dänemark. Dort soll Dariusz mit seinem Kollegen Schweine abholen, um sie wieder zum polnischen Schlachthof zurückzufahren. Auf der A12 wird er bei Kilometer 33 gestoppt. Beamte der Verkehrspolizei signalisieren ihm auf den Rastplatz „Berliner Urstromtal“ abzufahren. Eine reine Routine–Kontrolle.

„Viehtransporter hatten wir heute noch nicht“, erklärt Einsatzleiter Marko Wieder die Auswahl. Sein Kollege Karsten Freyer zeigt dem Lkw–Fahrer an, wo er parken kann. Die Ladung oder Plane muss sich Freyer hier nicht anschauen, da es beides nicht gibt. „Einmal bitte den Führerschein, Fahrerkarte, Zulassungs– und Ausweispapiere“, fordert der Beamte Fahrer Dariusz auf. Mit den Dokumenten geht Freyer zum Videofahrzeug, dem „Herz der Kontrolle“. Ebenso dient das brandenburgweite Unikat bei Einsätzen als „Tarnfahrzeug“, um schon auf der Straße ungesicherte Lkw–Ladung zu sichten.

Freyer schiebt die Fahrerkarte ins Kontrollgerät und schaut dann am Laptop nach, ob Dariusz die vorgegebenen Ruhe– und Lenkzeiten eingehalten hat. „Alles okay“, informiert der Polizist. Der Fahrer hat die maximale  Tageslenkzeit von neun Stunden nicht über– und die Ruhezeit von elf Stunden pro Tag nicht unterschritten. Auch bei der Speditions–Lizenz, den Ausweispapieren und an Reifen sowie Bremsen haben die Verkehrspolizisten nichts auszusetzen.

Nachdem Dariusz seine Papiere wieder hat, raucht er noch eine Zigarette. Und weiter geht’s nach Dänemark. „Thank you and bye“, verabschiedet er sich auf Englisch. So glimpflich geht es nicht immer aus. „Wir hatten schon Bußgeldverfahren über 15 000 Euro“, sagt Einsatzleiter Wieder. Wenn eine Spedition zum Beispiel die Chipkarte des Fahrers — früher Kartenschreiber – manipuliert oder verbotene Kästchen im Kabelraum verbaut, gilt das als Straftat. Aber selbst mit speziellen Strommessgeräten und Norm–Tabellen sei es bei manchen Fehlersuchen trotzdem wie „mit der Nadel im Heuhaufen“, sagt der Polizist. Der Fahrer sei bei den Machenschaften das schwächste Glied in der Kette.

„Osteuropäische Fahrer halten sich eher an die Regeln“, meint Wieder. Denn es gebe auf den Straßen fast nur noch Lenker aus der Ukraine, Weißrussland oder Polen. Und diese wüssten, dass sie durch die Technik „gläsern“ seien. Dies bestätigt auch der Anteil ausländischer Fahrer an Unfällen, der bei unter 30 Prozent liegt. Ursachen bei Lkw–Unfällen seien seit Jahren zu geringer Abstand, wie Bärbel Cotte–Weiß von der Pressestelle der Polizeidirektion Ost erklärt. 2017 gab es 99 Verletzte auf der A12 und insgesamt 468 Unfälle.

„Total verseucht, der Kunde“, sagt ein Kollege über den nächsten Fahrer – und schmiert sich die Hände mit Desinfektionsmittel ein. Aber der Pole will mit seiner Grippe nicht zum Arzt, behilft sich mit Johannisbeersaft, um weiter Geld für seine Familie zu verdienen.

„Eine Herde Bullen auf zwei Ebenen“ ist die Kontrolle, die Polizist Freyer im Gedächtnis hängen blieb. Der Fahrer hatte damals das Dach auf über vier Meter hochgefahren, was nicht erlaubt sei. Außerdem standen die Tiere viel zu eng beieinander.

14 Verstöße sind die Bilanz dieses Kontrolltages. Elf Verstöße gegen die Sozialvorschriften  — Lenk– und Ruhezeiten nicht eingehalten – sowie drei Verstöße gegen die Ladungssicherung.