"Wahrscheinlich haben die meine Wohnung aber vor allem deswegen ausgewählt, weil ich gesagt habe, sie können hier machen, was sie wollen", sagt Rath. Als vor einem halben Jahr ein Aushang der Produktionsfirma "Real Film" im Flur hing, dass in diesem Gebäude eine Wohnung für den Dreh gesucht werde, haben sich neben ihm noch zwei andere Haushalte beworben. Rath – der großer Polizeiruf- und Tatort-Fan ist – war sofort einverstanden damit, dem Filmteam einen Schlüssel sowie sämtliche Freiheiten zu geben, seine vier Wände komplett umzugestalten.
Die waren bis dahin ohnehin sehr leer und die wenige Einrichtung, die Rath von seinem Opa geerbt hatte, war ihm nicht allzu wichtig. Als er nun, nach einer Woche, in seine Wohnung zurückkehrt – währenddessen hatte er bei seinem Vater geschlafen –, stellt er fest, dass er neue Möbel hat. Offenbar wollte das Filmteam nur einmal schleppen und hat ihm das Mobiliar einfach dagelassen. Sogar die Wände sind neu gestrichen worden. "Lachsfarben hätte ich mir zwar jetzt nicht ausgesucht, aber das ist schon okay", sagt Rath.

Christliche Dekoration

Er fand es spannend, zwischendurch immer mal nach Hause zu kommen und zu beobachten, wie Real Film seine Wohnung veränderte und zum Wohnort der Filmfigur Jonas Fleischauer machte, gespielt von Tom Gronau. "Der soll so ein christlicher Fundamentalist sein", sagt Rath. Eine Wand seines Schlafzimmers wurde daher von oben bis unten mit Heiligenbildern und exorzistischen Darstellungen beklebt, dazu kam ein Schreibtisch voller religiöser Bücher. Diese Requisiten wurden nun aber wieder mitgenommen. Seine Schlafcouch sei in das Kinderzimmer der Figur kurzerhand integriert worden.
Das Filmteam habe sich also auch von ihm inspirieren lassen. Zum Beispiel hätte einer aus der Regie beobachtet, "wenn jemand auf einer Ausziehcouch schläft, dann klappt er die ja nicht jeden Morgen wieder zusammen". Also blieb die Couch für Jonas Fleischauer auseinandergebaut. "Es war schon cool, zu erleben, wie die Leute drauf sind und wie sie miteinander arbeiten", erzählt Rath. Von den Dreharbeiten vorigen Montag hat er zwei Szenen mitbekommen: eine, in der Jonas über seinen Büchern grübelt; und eine andere, die am Ende des Films spielt, wenn gegen Jonas ermittelt wird und Olga Lenski und Adam Raczek die Wohnung "durchsuchen". Einen ganzen Tag lang dauerten die Dreharbeiten bei ihm zu Hause, im Film wird die Wohnung am Ende vermutlich nur etwa drei Minuten zu sehen sein.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler, der Regisseur Rainer Kaufmann und das übrige Team seien sehr nett gewesen, sagt Rath. Lucas Gregorowicz, der den Hauptkommissar Raczek spielt, habe ihn sogar zum Essen beim Filmcatering auf den Parkplatz der Friedenskirche eingeladen. Rath guckt den deutsch-polnischen Polizeiruf immer gerne. "Es ist spannend, wie die eigene Region und das Leben in Polen dargestellt werden, dass es zwischen den beiden Ländern zum Beispiel ein starkes wirtschaftliches Gefälle gibt. Das ist eine gute Gesellschaftskritik", findet er. Die neue Polizeiruf-Folge mit dem Titel "Heilig sollt ihr sein" wird voraussichtlich im Mai ausgestrahlt. "Den zu sehen, wird dann schon etwas Besonderes."