Radsport: Für Bundestrainer schließt sich Kreis

Seit elf Jahren Bundestrainer: Der Berliner Jörg Winkler bereitet die Kurzzeit-Spezialisten auf die Junioren-Weltmeisterschaften in Frankfurt vor. Die Oderlandhalle kennt er wie seine Westentasche, hier im Februar assistiert er Auswahlfahrerin Alessa-Catriona Pröbster.
michael benkFür ihn schließt sich hier der Kreis nach 40 Jahren Trainerlaufbahn, die für ihn 1978 als Trainer in Frankfurt begonnen hat – jedenfalls fast: „1981 habe ich in Leipzig als Disziplintrainer in der DDR erstmals Sportler bei Weltmeisterschaften betreut. Kurz vor dem Ruhestand eine Heim-WM zu erleben, das ist schon eine schöne Sache“, sagt der 66-Jährige, der bis Ende 2020 als Bundestrainer berufen ist und damit in Kairo (Ägypten) noch eine weitere WM erleben kann.
Der gebürtige Berliner formuliert hohe Erwartungen an die deutschen Juniorensprinter: „Wir haben in den vergangenen Jahren bei jeder WM Medaillen gewonnen. Da möchte man im eigenen Land erst recht erfolgreich sein.“ Als Gastgeber an die herausragenden Leistungen 2018 im schweizerischen Aigle anzuknüpfen, wird schwer. Mit allein vier Weltmeistertiteln war Lea-Sophie Friedrich (Jahrgang 2000) ein Ergebnis gelungen wie bisher keiner anderen Juniorin zuvor.
Der Bund Deutscher Radfahrer blickte zum Abschluss auf vier Gold- und drei Bronzemedaillen im Kurzzeit- und Ausdauerbereich. „Aber wir haben wieder einen guten Kaderkreis“, zeigt sich Jörg Winkler hoffnungsvoll und selbstbewusst. Nicht zuletzt, nachdem die Junioren-Europameisterschaften Mitte Juli in Belgien vielversprechend zu Ende gegangen waren mit sechsmal Gold, zweimal Silber und fünfmal Bronze.
Mit Julien Jäger und Alessa-Catriona Pröpster, schon vor Jahresfrist Junioren-Weltmeisterin im Teamsprint mit Lea-Sophie Friedrich, kamen die erfolgreichsten Deutschen aus dem Kurzzeitbereich. Der Bund Deutscher Radfahrer entsendet sieben Kurzzeitfahrer und 13 Ausdauerspezialisten zu den Weltmeisterschaften nach Brandenburg.
Für die 17- und 18-Jährigen stellen die Titelkämpfe das Sprungbrett für den Übergang zu den Elitefahrern dar. Die Voraussetzungen sind gut: „Wir haben in Deutschland eine sehr gute Leistungspyramide ab dem nationalen Jugend- und Juniorenkader. Alles baut aufeinander auf, das ist das Wichtigste an der Pyramide“, so Winkler.
Dabei funktioniere die Förderung durch den Bund und den DOSB sehr gut und Sportler finden vor allem in Fördergruppen der Bundeswehr und Bundespolizei eine gute berufliche Perspektive. „Ein Großteil dieser Junioren-Spitze hat es geschafft, sich weiterzuentwickeln“, so Winkler.
Gelungen ist dies in den vergangenen Jahren unter anderem Kristina Vogel, Miriam Welte, Maxiliman Levy, Joachim Eilers, Stefan Bötticher, Pauline Grabosch und Emma Hinze. Derzeit stehen neben Lea-Sophie Friedrich und Anton Höhne auch Elias Edbauer, Timo Bichler, Nik Schröter und Carl Hinze vor diesen Herausforderungen.
Internationale Erfolge blieben Jörg Winkler selbst verwehrt. Als Schüler hatte er bei Post Berlin die Liebe zum Radsport entdeckt und brachte es bis zum DDR-Meister mit dem Bahnvierer-Team Anfang der 1970er-Jahre. „Ich war kein überragender Fahrer, aber einer aus Freude und habe daraus meinen Beruf entwickelt“, blickt der Radsport-Experte zurück.
Diese Erfahrungen hat er in seine Trainertätigkeit einfließen lassen. „Die Begeisterung für den Sport zu wecken, das war mir immer das Wichtigste. Leistungen sind nur machbar, wenn man für den Sport brennt. Das wird nichts, wenn allein die Eltern dahinterstehen“, weiß Jörg Winkler aus seiner jahrzehntelangen Tätigkeit. Die hatte ihn nach dem Sportstudium an der DHfK in Leipzig zuerst in die Oderstadt geführt, dann betreute er das DDR-Nationalteam der Junioren, wurde nach der Wende Landestrainer in Brandenburg, davon drei Jahre bis 2007 in Cottbus, und ist inzwischen elf Jahre Bundestrainer.
Guter Kontakt zu Heimtrainern
Großen Wert legt Winkler seit jeher auch auf das gute Miteinander mit den Heimtrainern der Athleten und sieht darin den Grundstein für die Juniorenerfolge während seiner Trainerlaufbahn mit inzwischen über 130 Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften. „Das Wichtigste für erfolgreiche Arbeit ist, dass sich Heimtrainer und Bundestrainer gegenseitig vertrauen. Und Trainer, Mechaniker, Ärzte und Physiotherapeuten müssen sich aufeinander verlassen können“, sagt er bestimmt. Das ist für ihn das Beständige, denn vieles andere hat sich in den Jahrzehnten doch verändert – in der Radtechnik und im Training: „Wir sind damals mit Stahlrädern gefahren, Spezialanfertigungen von Diamant. Inzwischen hat sich Karbon durchgesetzt. Trainingsmethodisch orientiert man heute mehr auf Kraft. Und es werden deutlich höhere Gänge gefahren“, zählt der Trainer auf. Für die Heim-WM hofft Jörg Winkler auf viele Zuschauer: „Man sollte die Chance einfach nutzen, die weltbesten Junioren-Radsportler zu sehen.“
