Ringen: Luzie Manzke sichert sich Silber

Im Kampf um den EM-Titel: Die Frankfurterin Luzie Manzke (links) vom RSV Hansa traf im Finale auf die Ukrainerin Ilona Prokopevniuk, der sie sich nach 45 Sekunden und einem Schulterwurf geschlagen geben musste.
Jörg RichterBei den Europameisterschaften der U 23 im serbischen Novi Sad hat die Frankfurterin Luzie Manzke Silber erkämpft, nachdem sie im Vorjahr als Fünfte bereits ein Achtungszeichen gesetzt hatte.
Die Medaille von Luzie Manzke in der Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm waren neben Gold von Annika Wendle (53 kg) aus Südbaden das einzige deutsche Edelmetall, nachdem die Männerriege der deutschen griechisch–römisch–Spezialisten ohne Podestplatzieung nach Hause reisen mussten.
Luzie Manzke vom RSV Hansa 90 Frankfurt traf im Finale auf die Titelverteidigerin Ilona Prokopevniuk aus der Ukraine, von der sie gleich zu Beginn des Duells auf beide Schultern gedrückt wurde. Mit Silber gelang Manzke damit nach dem zweiten Platz bei der EM der Kadetten 2011 der nächste ganz große internationale Erfolg.
Auf Grund der geringen Teilnehmerzahl in dieser Gewichtsklasse wurde die Vorrunde in zwei Gruppen ausgetragen, Luzie Manzke bezwang in der ersten Runde ihrer Gruppe die Türkin Derya Bayhan mit technischer Überlegenheit (12:0) vor Ablauf der sechsminütigen Kampfzeit, musste sich dann jedoch der Ukrainerin Ilona Prokopevniuk mit 0:7 nach Punkten beugen. Als Zweite ihrer Vorrunde stand Manzke im Halbfinale Ameline Douarre aus Frankreich gegenüber, die sich in der anderen Gruppe durchgesetzt hatte. Mit einer konzentrierten Leistung wies die Frankfurterin ihre Kontrahentin mit 2:0 in die Schranken und stand damit im Finale gegen Prokopevniuk, die das zweite Halbfinale für sich entschieden hatte.
„Mit Gold und Silber lagen wir weit über den Erwartungen. Auch wenn die Teilnehmerfelder eher klein waren, die europäischen Spitzenringerinnen waren hier“, freute sich Trainer Michael Kothe über das doppelte Geburtstagsgeschenk der beiden Athletinnen zu seinem 50. Geburtstag an diesem Tag.
Vom Pech verfolgt waren vom aufgestellten Frankfurter Trio Eyleen Sewina (68 kg), die auf Grund einer Knieverletzung nicht an der EM teilnehmen konnte, und Francy Rädelt (76 kg). Die Athletin vom RSV war trotz einer starken Erkältung mit nach Novi Sad reiste. In ihrer Auftaktbegegnung führte sie gegen die Ukrainerin Ramona Vovchak, als sie in eine Abklemmtechnik geriet, aus der sie sich nicht mehr winden konnte. „Im Vollbesitz ihrer Kräfte hätte sie um den Titel mitkämpfen können“, so Trainer Michael Kothe, der jedoch anerkannte, das die Studentin überhaupt angetreten ist. Da die Ukrainerin das Finale verfehlte, war das EM–Turnier für Francy Rädelt beendet.
Die Männerriege mit Andrej Ginc, Karan Mosebach und Schwergewichtler Franz Richter vom Bundes–Leistungszentrum Frankfurt hatte in Novi Sad nichts mit dem Kampf um Medaillen zu tun. „Franz Richter hat einige technische Fehler gemacht, die den Einzug ins Halbfinale verhinderten, der mit dem Los möglich war“, so Bundestrainer Maik Bullmann, der auch auf das Körpergewicht des 21–Jährigen verwies, der mit 108 kg zu den Leichtgewichten unter den schweren Jungs zählt, die teilweise mit vollem Kampfgewicht von 130 kg auf die Matte treten. Dennoch mischte Richter (AVG Markneukirchen) munter mit, machte einen 0:4–Rückstand gegen den Aserbaidschaner Sarkhan Mammadov wett und drückte ihn nach einem Konter in Runde zwei auf beide Schultern.
„Gegen den Esten Artur Vititin fehlte einfach die Erfahrung, Franz war zu ungestüm, der Este hat die Fehler zu zwei Würfen genutzt“, trauerte auch Frankfurts Stützpunkttrainer Maik Bitterling der verpassten Chance hinterher, denn mit dem Sieg im Viertelfinale wäre Richter bereits unter den besten sechs Ringern seiner Gewichtsklasse gewesen.
Karan Mosebach (77 kg/RSV Hansa) hatte zum Auftakt gegen den Juniorenweltmeister des Vorjahres Islam Opiev mit 0:7 verloren. In der Hoffnungsrunde scheiterte er am Rumänen George Mariea, nachdem er bereits in Führung lag. In der zweiten Runde wurde Mosebach nach einem Wurfversuch vom Rumänen geschultert.
Andrej Ginc gewann seinen Auftaktkampf gegen Ott Saar aus Estland, den er gleich in der ersten Runde mit 8:0 Wertungspunkten von der Matte fegte. Im zweiten Duell bekam es Andrej Ginc mit dem schon erfahrenen Erik Torba aus Ungarn zu tun, der im Vorjahr den Grand Prix von Deutschland in Dortmund gewonnen hatte. Torba nutzte einen Fehler von Ginc im Bodenkampf zur Führung, die er bis zum Kampfende bis auf 7:2 ausbauen konnte. Der Ungar kämpfte sich noch bis ins Halbfinale, wo er unterlag und das Finale damit verpasste. Damit konnte Andrej Ginc nicht mehr über die Hoffnungsrunde in die Kämpfe eingreifen.
„Es ist schon weitaus härter als noch bei den Junioren, daran müssen sich die Jungs gewöhnen“, gewährte Bundestrainer Maik Bullmann den Frankfurter Stützpunktathleten Franz Richter und Andrej Ginc, den beiden jüngsten im Team der griechisch–römischen Ringer, noch „Welpenschutz“. Seine Kritik traf eher die älteren Jahrgänge, bei denen der Olympiasieger von 1992 und Ex–Weltmeister technische Defizite ausmachte.